Mit einem Hauch von Historie
Die Schlossapotheke in Schwaigern hat eine mehr als 200-jährige Tradition. Familie Hauser ist dort seit 1937 ansässig. Über die Jahre hat sich das Berufsbild stark gewandelt.

Tief unten im Gewölbekeller der Schlossapotheke am Markt schlummert Geschichte. Ein Brand hatte im Jahr 1812 das Gebäude in der Schwaigerner Innenstadt zerstört. Doch der Gewölbekeller blieb davon verschont. Der Apotheker Karl Albrecht Herwig baute das Haus 1815 wieder auf. Seit mehr als 80 Jahren lebt und arbeitet die Apothekerfamilie Hauser an diesem Ort, und Knut Hauser hat im Gewölbekeller ein Mini-Museum mit altem Inventar eingerichtet. Hier hat er unter anderem Pillenbretter, eine Destilliermaschine für Wasser und einen Dragierkessel ausgestellt. "Ich möchte mich von den alten Geräten nicht trennen", sagt der 78-Jährige.
Tabletten und Salben selbst hergestellt
Die Gegenstände stammen allesamt aus einer anderen Zeit. Einer Zeit, als Apotheker Medikamente noch selbst herstellten. Früher durften sie noch Tabletten gegen Kopf- und Halsschmerzen exklusiv produzieren. 350.000 Tabletten stellte Familie Hauser in Lizenz für 30 Kunden her. "Dann hat die pharmazeutische Industrie dies in den 1970er Jahren übernommen, und wir wurden immer mehr zu Schubladenziehern." Neben Tabletten produzierte Familie Hauser auch Salben.
Aus alten Dokumenten geht hervor, dass es damals ziemlich teuer war, eine Apotheke zu übernehmen. Eugen Sommer zahlte 1907 insgesamt 95.000 Goldmark an seinen Vorgänger Wilhelm Biehl. Das war fast das Achtfache eines Jahresumsatzes.
Schwaigern als Sprungbrett
Eugen Sommer blieb lange, verpachtete die Apotheke 1931 bis 1937. Die Pächter gaben sich in diesen sechs Jahren die Klinke in die Hand, waren kaum länger als zwei Jahre dort. "Sie haben Schwaigern nur als Sprungbrett betrachtet", sagt Knut Hauser. Auch sein Vater Helmut Hauser hatte diese Absicht, als er das Geschäft 1937 übernahm. Doch der Zweite Weltkrieg machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung, Hauser kam erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück, die Mutter, ebenfalls Apothekerin, übernahm die Aufgaben.
Schon damals war es wichtig, ein Netz an Ärzten in der Stadt zu haben, weil sie die Rezepte ausstellten, mit denen die Patienten dann in die Apotheken kamen, von denen es heute neben der Schlossapotheke mit der Stadt-Apotheke noch eine weitere gibt. In Schwaigern gab es damals unter anderem drei Allgemeinärzte. 20 bis 30 Rezepte täglich erhielt Familie Hauser. "Früher hat man die Hälfte des Umsatzes mit Tierarzneimitteln erwirtschaftet", erzählt Knut Hauser. Daher waren auch Tierärzte im Ort ziemlich gefragt.
Wie sich das Geschäft gewandelt hat
Vor zehn Jahren hat Knut Hauser das Geschäft an seinen Sohn Marc André übergeben. Wie sehr sich der Beruf gewandelt hat, Apotheker von Arzneimittelherstellern zu Arzneimittelverteilern geworden sind, macht ein Blick hinter die Kulissen deutlich. Ein moderner, mit 16.000 Medikamenten bestückter Kommissionierautomat hat eine wichtige Funktion übernommen. In einem kleinen Lager befördert er nicht nur die von den Apothekern per Computer bestellten Medikamente, die im Lager allesamt chaotisch, also nicht systematisch geordnet sind, in den Geschäftsraum. Er führt auch eigenständig Regie.
Hauser: "Der Automat schnappt sich Medikamente, die häufig benötigt werden und positioniert sie in den Fächern nach vorn, andere nach hinten." Und so hat die Familie Hauser inzwischen einen vollautomatischen Manager im Betrieb. Doch die Coronazeit hat auch gezeigt, wie wichtig Apotheken sind. Hauser: "Mein Sohn kann froh sein, dass er systemrelevant ist." Apotheken in Einkaufszentren waren in einer schlechteren Situation. Sie gerieten in diesem Frühjahr mit in den Lockdown.
Knut Hauser ist in dem Gebäude, in dem die Schlossapotheke am Marktplatz untergebracht ist, 1942 geboren. Nach dem Abitur 1961 begann er sein Pharmaziestudium in Freiburg, das er 1968 abschloss. Er übernahm die Apotheke von seinem Vater Helmut, der sie 1937 zunächst gepachtet, kurz darauf gekauft hatte. 2010 übergab Knut Hauser den Betrieb an seinen Sohn Marc André. Knut Hauser ist verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel.

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