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Oberkessach: Gallisches Dorf und Garten Eden

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Oberkessach ist der einwohnerstärkste Teilort Schöntals. Im Gespräch mit unserer Redaktion verraten sieben Oberkessacher, warum ihr Heimatort für sie besonders ist und wie sich die Grenzsituation zu zwei Landkreisen auswirkt.

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Eingebettet zwischen sanften Hügeln liegt Oberkessach an der Grenze zum Neckar-Odenwald-Kreis und Landkreis Heilbronn. Mit 1147 Einwohnern ist "Keschi" derzeit der bevölkerungsreichste Teilort Schöntals.
Eingebettet zwischen sanften Hügeln liegt Oberkessach an der Grenze zum Neckar-Odenwald-Kreis und Landkreis Heilbronn. Mit 1147 Einwohnern ist "Keschi" derzeit der bevölkerungsreichste Teilort Schöntals.  Foto: Ludwig, Tamara

Eine ganz enge Kiste ist das zwischen Bieringen und Oberkessach, doch derzeit hat der Ort an der Grenze zum Neckar-Odenwald-Kreis und Landkreis Heilbronn mit 1147 zu 1090 die Nase vorn. Keine sportlichen Rekorde sind hier gemeint, sondern die Einwohnerzahlen. Und hier liegt Oberkessach momentan an der Spitze in der Gemeinde Schöntal.

Das zaubert den sieben Oberkessachern, die an diesem Tag zum Gespräch mit der HZ zusammengekommen sind, ein schelmisches Grinsen ins Gesicht. Auf die schiere Menge kommt es den Oberkessachern jedoch nicht an. Aber was macht den Ort dann besonders?

Weder Baden noch Württemberg

Alfred Deuser glaubt, die Antwort liege zum Teil in der Historie. "Oberkessach gehörte 400 Jahre lang zum Kloster und somit weder zum Großherzogtum Baden, noch zum Königreich Württemberg. Man war direkt dem Kaiser unterstellt." Geografisch wiederum gehöre man eher zum Bauland als zum Jagsttal.

Die Nähe zum Neckar-Odenwald-Kreis sorge dafür, dass der örtliche Dialekt eher badisch-kurpfälzisch klinge als Hohenlohisch. Auch dass die meisten Kinder und Jugendlichen aus Oberkessach in Osterburken oder Adelsheim zur Schule gehen, trage seinen Teil zur Sonderstellung der Ortschaft bei.

Im Fußball orientiere man sich ebenfalls in Richtung Odenwald und habe mit Adelsheim eine Spielgemeinschaft. "Irgendwie sind wir ein gallisches Dorf", fasst Rüdiger Volk zusammen, selbst Vorsitzender der DJK-SG Oberkessach.

Großer Zusammenhalt

Fühlen sich wohl in ihrem Oberkessach (v.l.) : Wolfgang Michel, Ortsvorsteherin Karin Heckmann, Rüdiger Volk, Alfred Deuser, Josef Keilbach, Viktoria Heckmann und Emely Knörzer.
Fotos: Tamara Ludwig
Fühlen sich wohl in ihrem Oberkessach (v.l.) : Wolfgang Michel, Ortsvorsteherin Karin Heckmann, Rüdiger Volk, Alfred Deuser, Josef Keilbach, Viktoria Heckmann und Emely Knörzer. Fotos: Tamara Ludwig  Foto: Ludwig, Tamara

Und innerhalb dieses gallischen Dorfes sei der Zusammenhalt überdurchschnittlich groß. Das zeige sich unter anderem am "sehr aktiven Vereinsleben", betont Volk. Etwa ein Dutzend Vereine gibt es in Oberkessach: über 100 Jahre alte, aber auch ganz junge. Sie sorgen für ein breites Spektrum an Aktivitäten und Festen - und haben so manches Mal auch Einfluss auf die Einwohnerzahl.

Auf einer Tanzveranstaltung eines Vereins habe er seine Frau kennengelernt, erzählt Wolfgang Michel, der eigentlich aus Zimmern im Neckar-Odenwald-Kreis stammt. "Meine Frau hat sich geweigert wegzuziehen", sagt er. Also sei halt er nach "Keschi" gekommen und habe über die Vereine schnell Anschluss gefunden.

Feiern im Blut

Manches Oberkessacher Fest ist im Hohenlohekreis und darüber hinaus auch berühmt berüchtigt. "Das Staudammfest ist unser Oktoberfest", sagt Viktoria Heckmann, die im Musikverein aktiv ist. Überhaupt werde viel miteinander gefeiert - altersübergreifend, berichtet die 17-Jährige. Und es wird sich geholfen: "Wir engagieren uns, schieben auch Schichten bei den Festen." Das sei selbstverständlich. Dass dies woanders auch so intensiv der Fall sei, könne sie sich nicht vorstellen.

"Wir festeln schon sehr gern", sagt Rüdiger Volk und lacht. Das sei aber nicht alles. Man helfe zusammen, wenn Eigeninitiative gefragt sei. Etwa bei Instandhaltungsarbeiten an der Sporthalle. "Vor wenigen Tagen haben wir unsere Lourdes-Grotte wieder verschönert", ergänzt er. Ein Kleinod von vielen, wie Ortsvorsteherin Karin Heckmann betont - und Bildstöcke, Kreuzweg und Bahrnholzkapelle aufzählt.

Kein Urlaub nötig

Die Kleinode fügen sich wie selbstverständlich in die Landschaft ein, die Oberkessach umgibt. "Es ist ein liebliches Tal, egal von wo man schaut", sagt Heckmann und lächelt. Das kann man auch prima zu Fuß erkunden, findet Josef Keilbach, der mit seiner Wandergruppe jede Woche unterwegs ist. Nicht immer in und um Oberkessach, versteht sich. "Aber es gibt schon viele schöne Strecken hier in der Umgebung, da kann man sich austoben", sagt der 67-Jährige.

"Wir vermissen hier auch keinen Urlaub", ergänzt Wolfgang Michel mit Blick auf die Corona-Krise. "Ich könnte es mir inzwischen nicht mehr vorstellen, irgendwo anders zu leben."

Selbst die junge Generation, repräsentiert durch die 16-jährige Emely Knörzer, findet: "Uns fehlt hier eigentlich nichts, ich möchte auch später gerne hier bleiben." Und Alfred Deuser ergänzt: "Ich war beruflich früher auf der ganzen Welt unterwegs, aber wohl fühle ich mich nur hier. Das hier ist unser Garten Eden." Dass dieser Garten Eden eine bessere Nahverkehrsanbindung durchaus verdient hätte, darin sind sich jedoch alle einig.

 

Oberkessachs besondere Grenzlage hat auch aus wirtschaftlicher Sicht einen Vorteil: die Nähe zur Autobahn 81. Nur knapp fünf Kilometer sind es vom Industriegebiet Bahrnholz zur Anschlussstelle Osterburken.

"Wir haben noch sieben Hektar freie Fläche", macht Ortsvorsteherin Karin Heckmann Werbung für den Standort. "Oberkessach bietet die perfekte Kombination aus Arbeit und Erholung", findet sie.

 
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