Klostergeschichte, die nie zu Ende erzählt ist
Mehr als 1200 Mal führte Daniel Werthwein schon Gäste durchs Kloster Schöntal, wir haben ihn zu seinen Lieblingsorten begleitet.

Die vier Hektar umfassende Klosteranlage von Schöntal, deren Herzstück die prächtige Abteikirche ist, ist ein Kleinod im Norden Baden-Württembergs. Wer aber denkt, Kloster Schöntal auch nur annähernd zu kennen, der wird eines Besseren belehrt, wenn er sich mit Klosterführer Daniel Werthwein zu einer Führung aufmacht.

Der 34-Jährige, der in seinem Leben bereits mehr als 1200 Führungen leitete, hat ein unermesslich großes Wissen über die historische Anlage, und er hat auch noch so manchen Geheimtipp parat. An einige seiner Lieblingsorte hat Werthwein die HZ-Reporterin jüngst mitgenommen.
Eine Beletage im Kloster
"Schöntal ist nie fertig erzählt", ist sich Daniel Werthwein sicher. Um das zu unterstreichen, geht es an diesem Tag als Erstes in die Beletage des Klosters. "Schöntal hat eine Beletage?", fragt man sich mit leiser Verwunderung. Der passionierte Klosterführer bestätigt dies schmunzelnd, und er erzählt dann von Abt Maurus Schreiner, dem letzten Abt von Kloster Schöntal.
"Abt Maurus hat gesagt: "Rokoko ist nix für mich." Er hat die Wohnung zugemacht und sich eine neue gebaut." Großzügige Räume und kleinere Salons, in ihrer kunstvollen Ausstattung geprägt durch den Klassizismus, erwarten den Besucher hier. Wohl bedacht ist die Farbgestaltung: Wände in dezentem Türkis gemischt mit sachtem Minzton oder auch in zartem Blau sind zu sehen.

Zu Füßen liegen Parkettböden mit Intarsienarbeiten. Stuckornamente - Medaillons etwa mit Blüten und Blumenarrangements - zieren die Räume von Abt Maurus.
Gotischer Eckturm in barockem Ambiente
Nach dem eleganten Auftakt in der Beletage von Maurus ist ein Eckturm der Klosterkirche das nächste Ziel. Der Weg dorthin führt durchs Bildungshaus. Es geht vorbei an einigen großen Porträts. Eines zeigt Abt Albertus II., der von 1238 bis 1240 Abt in Schöntal war. Mitgefühl schwingt mit, als Daniel Werthwein im Vorbeigehen auf das Bild des Mannes in weißer Kutte weist.

"Die tun mir so leid. Gucken Sie mal, wie hager die sind und wie früh gestorben. Das war damals der Job eines Managers mit einer Riesenbelastung", meint er verständnisvoll. Zeit, um am Bildnis von Albertus zu verweilen, bleibt indes nicht. "Im neuen barocken Kloster wurde ein gotischer Eckturm verbaut", verrät Werthwein auf dem Weg dorthin.
Eine enge, verborgene Treppe
Klosterbesucher führt der junge Mann, der im richtigen Leben Referent für Sozialpolitik beim Landkreistag in Baden-Württemberg ist, eher selten hierher. Heute öffnet er die Tür zum Turm. Ziemlich dunkel ist es drinnen. Eine enge Spindeltreppe ist zu sehen.
Nur spärlich fällt das Sonnenlicht durch die mit Brettern vernagelten, schmalen Fenster herein. Im Lichtstrahl tanzen Staubkörner. Eine besondere, fast schon düstere Stimmung herrscht im Turm. Es ist hier so ganz anders als im übrigen Kloster, wo vieles licht, opulent und prächtig ist.
Chronogramm im Grundstein
Nach dem kurzen Ausflug in den Turm, der zwischen Abteikirche und Konventflügel zu finden ist, geht es zurück ins Sonnenlicht. Daniel Werthwein legt einen kurzen Stopp am Grundstein ein. Der befindet sich am ehemaligen Krankenbau. Fast schon entzückt ist der Klosterführer über die Tatsache, dass die Jahreszahl 1701 - sie markiert den Beginn des ersten Bauabschnitts des neuen Klosters - sich als Chronogramm in der Inschrift verbirgt.
Werthwein brennt für die Geschichte der Abtei und er zeigt sich sichtlich beeindruckt vom "eifrigen" Abt Benedikt Knittel, der den Auftrag zum Neubau erteilte, und auch von Architekt Johann Leonhard Dientzenhofer, der ihn so großartig plante.

Noch einen Lieblingsplatz will der Klosterführer an diesem Morgen zeigen. Hinauf auf den Kreuzberg geht es. Auf dem Weg dorthin kommt man an gleich mehreren Sonnenuhren vorbei. Eine gute Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass Abt Knittel ein "Universalgelehrter" gewesen sei. Auch für Literatur und Astronomie habe sich der Abt seinerzeit sehr interessiert.
Prächtiger Ausblick auf die Klosteranlage
Droben am Kreuzberg hat der Klosterführer aber dann nur noch Augen für die Heiliggrabkapelle. 1720, also vor 300 Jahren, wurde die Kapelle geweiht. Prächtig ist der Ausblick von hier oben auf die Klosteranlage und nicht minder prächtig ist die Kapelle: Sie präsentiert sich als 26 Meter hoher, achteckiger Turm mit stattlicher Kuppel.
Beim Anblick der Barockkapelle gerät Daniel Werthwein erneut ins Schwärmen. "Die Information beim Barock schlechthin ist: Am Ende geht's gut. Du, Mensch, kannst es richten", sagt er mit strahlendem Lächeln und fast schon ein bisschen philosophisch.
Stimme.de
Kommentare