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Ein Jahrhundert voller Sportsgeist

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Der SV Berlichingen wird 100 Jahre alt. Doch Corona verhindert die große Sause. Zum Fußballverein kam vor 50 Jahren eine Turnabteilung.

Von Lisa-Marie Guja
Das Mädchenturnen beim SV Berlichingen im Jahr 1980. Die Turnabteilung kam vor 50 Jahren zum bis dahin reinen Fußballverein hinzu.
Das Mädchenturnen beim SV Berlichingen im Jahr 1980. Die Turnabteilung kam vor 50 Jahren zum bis dahin reinen Fußballverein hinzu.  Foto: privat

Fußball, Turnen, Tanz: Im Schöntaler Ortsteil Berlichingen geht es sportlich zu, und das schon seit 1920. Trotz unsicherer Zeiten, oder gerade deswegen, verspürten einige Berlichinger den Wunsch, gemeinsam Sport zu machen - der Sportverein Berlichingen war geboren. 100 Jahre nach der Vereinsgründung wird dort nach wie vor mit Leidenschaft Fußball gespielt.

"Wirklich besonders macht den Verein seine facettenreiche Geschichte", findet Norbert Böttigheimer. Seit 2013 ist er stellvertretender Vorsitzender des SV und interessiert sich besonders für die Historie seines Vereins. "Ich bin eigentlich schon immer Mitglied", erzählt er. Seit seiner Jugend habe sich allerdings so einiges überhaupt nicht verändert: "Nach einem Spiel sitzt man im Sportheim noch oft beisammen, und so war es eigentlich schon immer."

Glorreiche Zeiten erlebt

Besonders an die Zeiten, in denen die Mannschaft in der Verbandsliga spielte, erinnert sich Böttigheimer gerne zurück. Denn nicht nur die sportliche Leistung habe sich damals gesteigert, auch die "Sitzungen" nach dem Training hätten bis in die Morgenstunden gedauert. "Ich fand es total gut, dass auch in dieser glorreichen Zeit noch alles ganz familiär geblieben ist", betont der gelernte Informatiker.

Doch in 100 Jahren hat sich beim SVB einiges verändert. In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung hatte der Sportverein noch einen bedeutenden Vorteil: Er war der einzige weit und breit. "Neben dem Musikverein gab es in der Gemeinde sonst nichts, praktisch alle haben Fußball gespielt", berichtet das Vorstandsmitglied. Heutzutage sei es wiederum ziemlich schwierig, Nachwuchs zu finden. Dieses Problem kennt auch Marlies Göltenboth: "Früher war der SV Berlichingen der größte Verein, doch nun bietet jede Gemeinde etwas an."

Turngruppe vor 50 Jahre hinzugekommen

Mitglieder des SV Berlichingen ziehen beim Festumzug im Jahr 1960 durch die Straßen.
Fotos: privat
Mitglieder des SV Berlichingen ziehen beim Festumzug im Jahr 1960 durch die Straßen. Fotos: privat  Foto: privat

Vor 50 Jahren ergänzte Göltenboth den reinen Fußballverein um eine Turngruppe. "Damals war es überhaupt nicht üblich, im Verein zu turnen. Es gab ja keine Übungsleiter", erklärt die 77-Jährige. Eine Turnkollegin habe sie damals überredet, die Gruppe zu gründen und zu leiten. In ihren kleinen Gruppen hat sie immer noch Mitglieder, mit denen sie seit 50 Jahren turnt. Selbst als sie einige Jahre nicht in Berlichingen wohnte, leitete sie die Gruppe weiter. "Die Zeit hat einen zusammengeschweißt", betont Göltenboth. "Gemeinsam waren wir sogar auf großen Turnfesten."

Neben den Turngruppen hat die gebürtige Berlichingerin auch schon Walking und Aerobic angeboten. Zudem fanden sich später eine Tanz- sowie eine Volleyballgruppe in den SV ein. Und auch Kultur komme nicht zu kurz. "Die Faschingsfeiern sind, bescheiden gesagt, legendär", ist Norbert Böttigheimer überzeugt. Ähnlich legendär hätte auch die 100-Jahres-Feier des 170 Mitglieder zählenden Vereins werden sollen, doch aufgrund der Corona-Krise musste alles abgesagt werden.

Die Fußballer des SVB dürfen nach der Coronapause endlich wieder trainieren. Sie bilden eine Spielgemeinschaft mit Jagsthausen in der Kreisliga B.
Foto: Lisa-Marie Guja
Die Fußballer des SVB dürfen nach der Coronapause endlich wieder trainieren. Sie bilden eine Spielgemeinschaft mit Jagsthausen in der Kreisliga B. Foto: Lisa-Marie Guja  Foto: Lisa-Marie guja

Das Programm soll allerdings im nächsten Jahr genauso wie geplant stattfinden. "Es wird ein bisschen größer als das Sportfest, das wir jährlich haben", verrät Fußballabteilungsleiter Sascha Brenner. Nach der langen Auszeit freuen sich die Kreisligisten jetzt jedoch nicht nur auf die Feier in 2021, sondern auch darauf, einfach wieder Sport machen zu können.

 

Rückblick
Im Juni 1920 kam Anton Bergdolt auf die Idee, einen Fußballclub in Berlichingen zu gründen. 35 interessierte Bürger fanden sich sofort ein, um dem Club beizutreten. Es folgte eine Wahl der Vorstände und auch die Vereinssatzung wurde niedergeschrieben. Während des Zweiten Weltkriegs musste der noch junge Verein eine Auszeit vom Sport nehmen, die unter Verlesung der gefallenen Kameraden 1946 endete.
Sowohl die Suche nach einem Sportplatz als auch die nach einem Sportheim war schwierig. Schließlich wurde ein Sportheim in Eigenleistung erbaut. Mehrere Pokale und Aufstiege folgten für die Fußballmannschaft bis in die württembergische Verbandsliga (1992). Zur ersten Mannschaft kamen nach und nach Jugendmannschaften dazu. Heute bilden die Jugendmannschaften der Vereine in Schöntal einen Spielerverband. Die Fußballmannschaft des SV hat seit 2003 eine Spielgemeinschaft mit Jagsthausen und spielt in der Kreisliga B.

 
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