Der Aschhäuser Wall ist mehr als nur ein Denkmal
Eine keltische Ringwallanlage versteckt sich mitten im Wald von Aschhausen. Der Limes der Römer wurde erst später errichtet.

Man muss nur wenige Meter in den Aschhäuser Wald hineingehen, um das laut Anja Volk "vermutlich älteste Bauwerk im Hohenlohekreis" zu finden: die keltische Ringwallanlage am Zargenbuckel. An ihr führen auch der Pfad der Stille und der Keltenlehrpfad vorbei. "Zargen bedeutet Schild und Schutz. Hier haben bereits die Kelten gelebt", sagt Anja Volk. "Der Limes wurde erst ein knappes Jahrtausend danach, um 260 nach Christus, errichtet."
Die Aschhäuserin kennt sich mit der Historie des Schöntaler Teilorts bestens aus. Schließlich hat die Leiterin der Schöntaler Außenstelle der Volkshochschule Künzelsau 2009 eine Ortsteil-Chronik zum 850-jährigen Bestehen von Aschhausen verfasst. "Wir laufen im Alltag an Denkmälern vorbei und kennen die spannenden Geschichten dahinter gar nicht."
Die Wallanlage wurde etwa 1000 vor Christus erbaut
Oft geht die 55-Jährige entlang des Walls spazieren, nicht nur wegen der besonderen Waldatmosphäre, sondern auch, da sie sich "verbunden fühlt, mit denen, die vor uns hier gelebt haben".
"Die Kelten waren fast 200 Jahre lang das bedeutendste Volk in Mitteleuropa", weiß Volk. Geschützt waren die ersten nachgewiesenen Bewohner des Plateaus im Gewann Platte bereits zu großen Teilen geografisch. Denn rund um den Sporn aus Muschelkalk geht es den Abhang hinunter. 70 Meter ragt er über dem Tal empor. Der Wall sichert das Gebiet gegen feindliche Angriffe ab. Das Gebiet ist praktisch "unberührt".
"Die Fläche war nicht besonders fruchtbar. Der Wald hat sich über die Jahrhunderte breitgemacht", erläutert Volk. Der 133 Meter lange und 4,5 Meter hohe Wall wurde um etwa 1000 bis 800 vor Christus in der Urnenfelderzeit erbaut. Er ist in einer sichelartigen Form angelegt und besteht aus verschiedenen Schichten aus Lehm, Steinen und Kalksteinplatten.
Der Wall war sowohl Schutz als auch Statussymbol
Bis heute trotzt der Wall Wind und Wetter. "Auf ihm stand noch ein etwa vier Meter hoher Holzzaun, der durch Stützbalken im Boden fest verankert war", erläutert Volk. Dieser brannte vermutlich bei einem Angriff ab. Das erkennt man an verkokelten Steinen. Gräben umschlossen den Wall. "Wie bei einer Burg", erklärt Volk. "Der Wall galt schließlich auch als Statussymbol. Die Kelten haben ihn mithilfe von Werkzeugen und Geräten errichtet."

Mehrere hundert Bewohner lebten vermutlich auf dem fünf bis sechs Hektar großen Gebiet in Häusern aus Flechtwerk und Lehm. Sie betrieben Ackerbau und Viehzucht und gingen im Wald auf die Jagd. Die Gemeinschaft war organisiert. So gab es einen Stammesfürsten. Zudem trieben die Kelten Handel und errichteten dafür Straßen. Vermutlich war das auch der Fall in Aschhausen. Bewiesen ist das jedoch nicht.
Funde, die in die Zeit passen
Wie lange die Kelten in Aschhausen lebten, ist unbekannt. "Es gibt keine Aufschriebe, nur Funde, die in die jeweilige Zeit passen", gibt Anja Volk zu bedenken. Ein Bronzeknebel, der bei der Wallanlage ausgegraben wurde, ist im Württembergischen Landesmuseum ausgestellt. Zudem fand man Bronzeringe und Scherben von Tongefäßen sowie Werkzeuge aus der späteren Eisenzeit. Wissenschaftler gehen von zwei größeren Siedlungsperiodenaus. Spätestens als die Römer nach Hohenlohe kamen, waren die Kelten von dannen gezogen, sagt Volk.

"Der Wall ist ein Geländedenkmal. Er ist geschützt und darf nicht verändert werden", betont Volk. Erstmals erwähnt wurde die Anlage 1880 in einer Forstamtsbefragung. Von 1909 bis in die 1970er gab es mehrere Grabungen. "Die Generation unser Großväter beschäftigte sich mit dieser Zeit im Heimatkunde-Unterricht", weiß Volk zu berichten. Ausflüge zum Wall gehörten selbstverständlich mit dazu. Einige von ihnen durften als Erwachsene bei Ausgrabungen kräftig mit anpacken. Wer mehr zum Wall und der Kultur der Kelten erfahren möchte, kann an Führungen teilnehmen. Die Natur- und Landschaftsführerin Heike Kuhn bietet diese an. Wegen Corona pausiert sie jedoch derzeit.
Führungen: Weitere Informationen, unter anderem zur Historie Aschhausens, und Kontakte zu Natur- und Landschaftsführern gibt es auf der Internetseite www.natur-landschaftsfuehrer-hohenlohe.de.

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