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Pfedelbach
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Pfedelbach bringt alte und junge Menschen zusammen

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Seit 2017 arbeitet Pfedelbach mit Aktionen und Projekten daran, eine Brücke zwischen Generationen zu bauen. Playstation zu spielen trauen sich die Älteren zwar noch nicht im Jugendtreff, aber dennoch: Jung und Alt haben hier viel zusammen erlebt - das verbindet.

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Beim Generationengespräch wieder vereint: (v. li.) Klaus Mayer, Ramona Senghaas, Martin und Selina Jakob, Maxima Stangl, Wolf und Ute Kadau. Foto: Stefanie Jani
Beim Generationengespräch wieder vereint: (v. li.) Klaus Mayer, Ramona Senghaas, Martin und Selina Jakob, Maxima Stangl, Wolf und Ute Kadau. Foto: Stefanie Jani  Foto: Jani, Stefanie

Es bleibt nicht viel Zeit, wenn man ein perfekter Jugendlicher sein will": Mit diesen Worten erntet Maxima Stangl zustimmendes Nicken in der Runde. Auf den großen Holzstühlen im Garten hinter dem Pfedelbacher Jugendtreff Freetime im Marstallgebäude haben sich ein paar Jugendliche und Senioren seit langem wieder mal zu einem Kreis zusammengesetzt. Die Corona-Pandemie hat der engen Zusammenarbeit eine Zwangspause auferlegt, umso freudiger ist das Wiedersehen.

Was gibt es für Senioren in der Gemeinde, wie ist die Situation für Jugendliche und wie bitter ist die Verschiebung des gemeinsamen Generationenparks? Alles das wird eifrig diskutiert. "Wenn ihr wüsstet, was wir alles gemacht haben", erzählt Senior Wolf Kadau lachend. Heutzutage stehe man viel mehr unter Beobachtung und habe viel zu wenig Zeit für Freiraum.

Ramona Senghaas bringt Alt und Jung zusammen

Von Generationendistanz ist bei diesen Gesprächen nicht viel zu spüren. Alt und Jung zu vereinen, ist seit vier Jahren ein Thema, das der Gemeinde Pfedelbach besonders am Herzen liegt. In einem Workshop begann sich die Gemeinde mit dem Thema auseinanderzusetzen. Seit drei Jahren setzt man dafür auch personale Ressourcen ein.

Ramona Senghaas ist Demografiebeauftragte in der Verwaltung, ein Posten, den sie mit viel Herzblut ausfüllt.Thema des Generationenworkshops 2017 war, die Generationen mittels verschiedener Aktionen zusammenzubringen und sich den Herausforderungen der Demografie zu stellen, etwa wenn Menschen auf dem Land nicht mehr mobil sind oder Hilfe im Haushalt brauchen.

Klaus Mayer sitzt auf der Seite der Senioren. Steckenpferd der gemeinsamen Arbeit ist die Taschengeldbörse. Junge Menschen helfen beim Rasenmähen oder hängen Vorhänge zum Waschen ab. Dabei geht es auch um Verständnis. "Gerade unsere Generation hat oft falsche Bilder von der Jugend, die nichts tut, oder die Jungen denken, die Älteren meckern nur", so der 69-Jährige. Maxima Stangl ergänzt: "Ich finde, wenn man älteren Menschen hilft, formt das den Charakter. Es hilft auch, wenn man weiß, dass sie schon alles durchgemacht haben."

Oft tausche man sich auch mal bei Kaffee und Kuchen über Alltagsfragen aus – zumindest früher vor der Corona-Pandemie. "Wir achten darauf, dass es nur kleine Hilfen sind, und sich nicht jemand auf diese Weise eine billige Putzfrau beschafft", erklärt Senghaas. "Es soll sein, als würde der Enkel kommen."

Im Jugendtreff sind die Senioren gern gesehen

Die Taschengeldbörse läuft nach der Corona-Pause wieder, ebenso der Jugendtreff Freetime. Er leite seit 16 Jahren und vier Monaten das Freetime, erzählt der Pfedelbacher Jugendreferent Martin Jakob und grinst. Auch im Jugendtreff seien die Senioren gern gesehene Gäste bei verschiedenen Projekten. So wie bei einem Spielenachmittag. "Der war interessant für alle."

Von Tischtennis bis zu Brettspielen seien die Senioren mit den Jugendlichen aktiv gewesen. "Nur an die Playstation hat sich niemand rangewagt", erzählt der 42-Jährige. Der Rückblick auf das Rollatortraining sorgt für Lachen. Doch solche gemeinsamen Projekte würden derzeit nur von der Erinnerung leben. Jakob: "Wir freuen uns schon, wenn es weitergeht."

Gemeinderat musste das Projekt Generationenpark auf Eis legen

Ein Projekt eint die Jüngeren und Älteren besonders: Im Juni 2019 stellten beide Gruppen in enger Zusammenarbeit ihren Generationenpark dem Gemeinderat vor. "Sie haben es als Einheit präsentiert, das war wichtig", ergänzt Senghaas. Und die Vorschläge waren gut ausgearbeitet: Tisch, Trampolin, Chill-Ecke: Die Arbeitsgruppe hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. In seiner Sitzung Anfang Juli musste der Gemeinderat das Projekt, das mit schätzungsweise rund 250.000 Euro zu Buche schlägt, auf Eis legen.

"Es wäre die ideale Anlaufstelle für beide Generationen gewesen. Ich habe selbst zu meinen Großeltern ein gutes Verhältnis und hätte mich gefreut, auch mal mit ihnen hinzugehen", sagt Maxima Stangl (16). Was in der Gemeinde für Jugendliche fehle, sei ein Ort, wo man sich einfach nachts treffen und sitzen könne, findet auch Selina Jakob. "Sitzt man an der Schule, bekommt das gleich einen schlechten Ruf", ergänzt Stangl. Der ehemalige rote Platz, der der Gemeindehalle Nobelgusch weichen musste, fehlt vielen Jugendlichen sehr.

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