Viele Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in Obersulm
Die Evangelische Stiftung Lichtenstern beschäftigt in Obersulm Klienten in Werkstatt, Radladen, Sternboutique und auf dem Pferdehof.

"Wir sind Teil von Obersulm und mittendrin", sagt Sybille Leiß, Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Stiftung Lichtenstern. Die Einrichtung für geistig Mehrfachbehinderte hat in der unmittelbaren Nachbarschaft des Löwensteiner Stammsitzes mehrere Angebote aufgebaut. Am Willsbacher Standort der Lichtensterner Werkstätten finden Menschen mit Behinderung Arbeit, genauso wie im Radladen, der Sternboutique oder auf dem Pferdehof. Mittendrin in Obersulm leben Lichtensterner Klienten in betreuten Wohngemeinschaften. Menschen mit einem hohen Hilfebedarf können in der Zweigeinrichtung im Friedrichshof mit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung wohnen. Dort ist auch eine Kurzzeitunterbringung möglich, wenn Angehörige eine Auszeit benötigen oder Klienten diese alternative Wohnform ausprobieren möchten.
Idealer Standort für Radladen
Im Mai 2019 ist der Radladen von Weiler nach Willsbach umgezogen. Im ehemaligen Baywa-Gebäude in der Raiffeisenstraße gibt es viel mehr Platz für neue und gebrauchte Räder sowie Zubehör und für die Reparatur. "Es läuft hier deutlich besser, und wir haben mehr Laufkundschaft", sagt Leiter Uli Pickenhan-Schäfer. "Wir schätzen die Stadtbahn-Anbindung", weist Mathias Blinzinger, der die Lichtensterner Werkstätten leitet, auf den benachbarten Bahnhof hin. Der Umzug hat sich gelohnt. "Wir haben den Umsatz vervielfacht."
"Ich bin das Mädchen für alles", sagt eine 27-Jährige, eine von drei Mitarbeitern mit Behinderung im Radladen. Einer ihrer Kollegen geht Pickenhan-Schäfer und Lukas Bräuninger bei der Reparatur und dem Verkauf zur Hand.
In Montage und Verpackung gibt es noch freie Plätze

Durch die Bahnunterführung gelangt man zu Fuß ins Gewerbegebiet Dimbacher Straße, zur Produktionsstätte für Montage und Verpackung. 2014 hat die Stiftung Lichtenstern den Neubau mit 76 Arbeitsplätzen eingeweiht. Nur die Hälfte ist besetzt. Das bedauert Blinzinger. "Wir haben hier ein so tolles Angebot", weist er auf die modernen, großzügigen Räumlichkeiten mit Speisesaal und die Anbindung an die Stadtbahn, die nicht besser sein könnte, hin. Aber: Lichtenstern stehe im Wettbewerb mit anderen Behinderteneinrichtungen, nennt er einen Grund für die vielen freien Stellen. Deshalb müsse der Bekanntheitsgrad des Willsbacher Standorts gesteigert werden. Arbeit gebe es genug, es könnten mehr Aufträge abgewickelt werden. "Dennoch ist es für uns eine betriebswirtschaftlich gute Geschichte."
Benjamin Ruoff gefällt seine Arbeit gut. Voller Stolz zeigt er, was er macht: Mit der Druckluftpistole presst er Nieten in ein Blechteil eines Traktors. "Man kriegt sehr viel zurück. Die Gruppe ist praktisch eine Familie", sagt Betreuungsassistentin Katharina Hermann.
Sternboutique wird gut angenommen

Während des Corona-Lockdowns im Frühjahr mussten die Menschen mit Behinderung zu Hause bleiben. "In dieser Situation hat man ganz arg gemerkt, dass sie an ihrem Arbeitsplatz, der Tagesstruktur und den Kollegen hängen", erzählt Blinzinger. Jetzt herrscht wieder Normalität. Auch in der Sternboutique in Weiler, die 2015 mit dem Auszug der Werkstatt ihre Verkaufsfläche hat verdoppeln können.
"Der Laden läuft super. Er wird sehr gut angenommen", sagt Blinzinger. Dennoch wolle man ihn noch bekannter machen. "Wir haben ein kunterbuntes Publikum", berichtet Mitarbeiterin Marianne Büchler. Das Angebot ist breit gefächert: Textilien, Bettwäsche, Haushaltswaren, Bücher, Spiele, Kinderartikel, Deko-Material und Modeschmuck. Die Spenden annehmen, sichten, sortieren, für den Verkauf vorbereiten, Regale und Kleiderständer bestücken: Das sind die Aufgaben der neun Behinderten, die von sechs Mitarbeiterinnen angeleitet werden.
Neue Möglichkeiten auf dem Pferdehof
Das jüngste Projekt der Stiftung Lichtenstern in Obersulm ist der Pferdehof, der 2018 in Betrieb gegangen ist. Das angemietete Anwesen am Zeilhofweg in Willsbach eröffne den Klienten ganz neue Möglichkeiten: Sie können mit Tieren und viel an der frischen Luft arbeiten. Rasen mähen, Stall ausmisten, Hühner, Ziegen und Minischweine füttern, teilweise auch ausführen, Zaun bauen und bei der Reittherapie unterstützen, zählen Blinzinger und Pferdewirt Simon Weilach auf. "Sie wachsen an den Aufgaben und erlangen Selbstständigkeit. Die Sinnhaftigkeit ihres Tuns können sie hier leichter verstehen", beobachtet der Gruppenleiter. Für ihn selbst ist dieser Job eine dankbare und aufrichtige Arbeit, wie er sagt. "Weil die Klienten gut signalisieren, ich bin gut oder schlecht drauf. Da weiß man, woran man ist."
Stiftung Lichtenstern baut in Obersulm neues Angebot für Autisten auf
Ausbildung ist ein weiteres Thema, dem sich die Evangelische Stiftung Lichtenstern am Standort Obersulm widmet. Im ehemaligen Baywa-Verkaufsraum gleich neben dem Radladen befindet sich der Berufsbildungsbereich. Nach der Schule werden hier Menschen mit Behinderung zwei Jahre lang in Theorie und Praxis für den Arbeitsmarkt qualifiziert, erklärt Werkstätten-Leiter Mathias Blinzinger. Danach können sie in eine der Werkstätten oder an die Außenarbeitsplätze wechseln. Nur ganz selten gelingt allerdings der Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt. Sowohl die Berufsbildung als auch die betreuten Arbeitsplätze in Betrieben sollen ausgebaut werden. Derzeit gibt es eine zwölfköpfige Gruppe bei Würth Orsy in Willsbach.
Der Produktionsstätte im Gewerbegebiet ist der Förder- und Betreuungsbereich angegliedert. Der wird umfunktioniert. Sechs bis acht Autisten sollen hier betreut werden, gibt Gesamtwerkstattleiter Mathias Blinzinger zur Auskunft. "Das Angebot wird dringend gebraucht." Autistische Klienten benötigten ein reizarmes Umfeld, etwa einen Snoezelenraum und speziell ausgebildetes Personal. Dieses wird gerade dafür qualifiziert.
Ehrenamtliche unterstützen die Einrichtung
Die Evangelische Stiftung Lichtenstern bietet rund 200 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung an und 200 Plätze im Förder- und Betreuungsbereich. Die Zahl der Beschäftigten an den Standorten in Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie im Hohenlohekreis liegt bei 700. 300 Ehrenamtliche unterstützen die Arbeit der Löwensteiner Behinderteneinrichtung. Der Name Lichtenstern taucht in Obersulm auch in der gGmbH Wohnen - Pflegen - Fördern auf. Diese betreibt das Pflege- und Seniorenheim Rosengarten in Willsbach mit 66 stationären Plätzen, drei Tagespflegeeinrichtungen mit 45 Plätzen und den ambulanten Pflegedienst. Die gGmbH hat rund 100 Beschäftigte.

Stimme.de
Kommentare