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Faustball
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Niedernhall war einst eine Faustball-Macht

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Niedernhall galt einst als das Zentrum des Faustballs: Der TSV hatte Mannschaften in der ersten Bundesliga, zeitweise bis zu acht Jugendmanschaften und Niedernhall war gleich mehrmals Austragungsort der Deutschen Meisterschaften. Diese Zeiten sind vorbei

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Gerhard Göker trainierte über 30 Jahre die Damen-Faustball-Mannschaften des TSV Niedernhall und führte sie in die erste Bundesliga.
Gerhard Göker trainierte über 30 Jahre die Damen-Faustball-Mannschaften des TSV Niedernhall und führte sie in die erste Bundesliga.

Noch vor einigen Jahren war Faustball ein Muss für jeden sportbegeisterten Niedernhaller. Und es gab gute Gründe dafür, immerhin spielte sowohl die Damen- als auch die Herrenmannschaft lange in der ersten Bundesliga, der TSV Niedernhall hatte zeitweise bis zu acht Jugendmannschaften und gleich in mehreren Jahren fanden die Deutschen Meisterschaften im Faustball in der Stadt am Kocher statt. Heutzutage scheint die Sportart, nicht nur lokal, zum Niedergang verdammt.

"Bereits seit 1912 wird in Niedernhall Faustball gespielt", erklärt Roland Kull. Der 63-Jährige war, mit Unterbrechung, fast 25 Jahre lang Abteilungsleiter für Faustball beim TSV Niedernhall. "Das ist unser Familiensport", erklärt Kull. Schon der Vater war Faustballer und Roland Kull, als Jüngster von neun Geschwistern, "von denen nur zwei Schwestern kein Faustball gespielt haben", kam fast automatisch zu der Randsportart.

In den 70er Jahren begann der Aufstieg für die Niedernhaller Faustballer. "Mitte der 70er Jahre wurde die Großsporthalle gebaut, das war die Voraussetzung für erfolgreichen Faustball hier", erklärt Kull. "Dann hat Gerhard Göker das Training übernommen und trainierte 32 Jahre lang die Faustball-Damen."

Gerhard Göker führte seine Mannschaft 1981 auch in die erste Bundesliga. "Dort blieben sie über 30 Jahre", erinnert sich Kull mit Stolz in der Stimme. Dreimal Bronze und einmal Silber konnten die Niedernhaller bei einer Deutschen Meisterschaft holen. Und eine von Gökers Spielerinnen wurde sogar Bundestrainerin: Sabine Carle.

Niedergang der Sportart

Auf dem Höhepunkt des Niedernhaller Faustballs wurden die Damen 1987 in Mannheim deutscher Vizemeister. 
Fotos: privat
Auf dem Höhepunkt des Niedernhaller Faustballs wurden die Damen 1987 in Mannheim deutscher Vizemeister. Fotos: privat

Für Kull ist die Sportart nach wie vor faszinierend. "Faustball erfordert Koordination und Kondition", so Kull. Und die Faszination teilten früher viele Niedernhaller: Bis zu drei Mannschaften, alleine bei den Männern, stellte der Verein. "Das wurde immer weniger und seit drei Jahren gibt es gar keine Männer-Mannschaft mehr", stellt er mit Bedauern fest. Die Frauen stellen immerhin noch zwei Damenmannschaften, eine auf Landesebene, Schwabenliga genannt, und eine in der Jugend.

Doch der Stellenwert hat deutlich abgenommen. Auch zu sehen am nicht mehr existierenden jährlichen Faustball-Turnier, das immer am ersten Septemberwochenende im Jahr stattfand. "Es waren zum Teil 90 Mannschaften aus ganz Deutschland hier", erinnert sich Kull. "Damals war Niedernhall das Zentrum des Faustballs." Gründe für den Niedergang der Sportart in Niedernhall zu finden, fällt ihm schwer."Ich denke, das Sportangebot ist hier generell groß und vielfältig", versucht er sich an einer Erklärung, "wir haben intern eine große Konkurrenz."

Interne Konkurrenz

Zudem weist er auf die allgemeine Entwicklung im TSV hin. "Selbst Fußball hat hier eine Spielgemeinschaft mit anderen Vereinen, sogar die tun sich schwer. In den Randsportarten ist das noch schwerer." Vor allem, wenn dann der persönliche Kontakt durch Familie oder Bekannte fehlt, ist sich Kull sicher, kommt man gar nicht erst in Berührung mit dem Thema Faustball. Damen-Mannschaften würden sich vielleicht eher halten können, da hier die Fußball-Konkurrenz nicht ganz so groß sei, vermutet Roland Kull.

"Wir hätten vielleicht vermehrt eingreifen müssen, aber wir haben ja vieles versucht und nichts hat funktioniert", erklärt Kull. Zudem ist der Niedergang des Faustballs kein Niedernhaller Spezifikum. Auch national gibt es heute nur noch etwa die Hälfte der ehemals bestehenden Mannschaften.

 
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