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Verein rettet Familien die Freibad-Saison

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Die Freibadfreunde Neudenau erreichen das, wovon viele Kommunen träumen: Der Verein erhält ein Freibad, das sich die öffentliche Hand nicht mehr leisten kann.  Im Jahr 2004 eröffnete die Gruppe die sanierte Anlage, und gerade in der Corona-Badesaison hat sich die Einrichtung über einen sehr hohen Zuspruch erfreut.

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Gehören zu den Stützen der Freibadfreunde (von links): Claudia und Berthold Oßner, Günter Geißler, Anita Brechter und ihr Schwager Manfred Brechter.
Foto: Simon Gajer
Gehören zu den Stützen der Freibadfreunde (von links): Claudia und Berthold Oßner, Günter Geißler, Anita Brechter und ihr Schwager Manfred Brechter. Foto: Simon Gajer  Foto: Gajer, Simon

Die Ehrenamtlichen wissen: "Eine Kommune wie Neudenau kann so ein Bad nicht stemmen", sagt der Vereinsvorsitzende Berthold Oßner. Er gehört zu den umtriebigen Helfern, die sehr oft vor Ort sind. "Ich kann die Stunden nicht zählen", sagt er über sein Engagement. Tausende seien es in den zurückliegenden Jahren gewesen. Seine Ehefrau Claudia Oßner hat zu Beginn der Freibadfreunde die geleistete Arbeitszeit aller Helfer addiert. "Bei 5000 Stunden habe ich aufgehört zu zählen", erinnert sie sich. Die magische Zahl war bereits nach vier Wochen erreicht.

Die Ehrenamtlichen packen an, wo immer etwas anfällt. Auch jetzt in der kalten Jahreszeit ist die Gruppe im Einsatz und steigt ab in die Keller, um Rohre und Leitungen in Stand zu halten. Manfred Brechter ist einer der Einsatzkräfte, für Oßner ist er sogar einer wichtigsten. Da ist zum Beispiel der Bereich um die Rutschen: Als der gestaltet werden sollte, hatte Manfred Brechter so eine Idee - und die wurde umgesetzt. "Pro Woche bin ich mindestens einmal hier." Berthold Oßner kommt sogar täglich, egal ob es Herbst oder Winter ist. "Ich muss auf jeden Fall einmal durch und nach der Technik schauen." Im Sommer bleibt er vor Ort, um die Aufsicht zu übernehmen. Zehn bis zwölf Stunden ist er dann im Freibad. Pro Tag.

Das Freibad liegt idyllisch im Jagsttal

Es ist diese Bereitschaft, die das idyllisch an der Jagst gelegene Freibad am Leben erhält. Beispielsweise sitzen ältere Damen an der Kasse. "Die schätzen es", erzählt Anita Brechter. Das Bad ist auch ein Ort, um Kontakte zu pflegen. Falls Anita Brechter niemanden findet, der den Eintritt kassiert, macht sie es selbst.

Wenn kommunale Bäder vor dem Aus stehen, klingelt auch bei den Freibadfreunden das Telefon. Die Neudenauer sollen Tipps geben, um ein Becken zu erhalten. Oßners Warnung: Ohne eine Person ganz vorn, die sich sehr einsetzt, wird es nichts. In Neudenau ist das Oßner, der aber auch schon 68 Jahre alt ist. "Wir kommen an unsere Altersgrenzen", appelliert Anita Brechter an Jüngere, sich stärker zu engagieren.

Die Freibadfreunde profitieren von der Infrastruktur

Neben den Ehrenamtlichen kommt dem Bad die Infrastruktur zugute: Frischwasser muss nicht gekauft werden, es wird über einen in der Nähe befindlichen Brunnen gefördert. Trotzdem summieren sich die Betriebskosten, unter anderem für Strom und die Chemie, auf jährlich 50.000 Euro. Reinigungskräfte und eine Aufsicht werden vom Verein bezahlt, ebenso die Großinvestitionen: Die Sanitäranlage kostete 170.000 Euro, eine neue Filteranlage ist als nächstes dran. Kosten: halbe Million Euro.

 
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