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Zur Ruhe kommen auf dem "Pfad der Stille"

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Pfade der Stille liegen voll im Trend. Sie sind Orte der inneren Einkehr in schwierigen Zeiten. Franz Jakob, früherer Ortsvorsteher von Zaisenhausen, hat den Pfad in Mulfingen geplant.

Von Andreas Scholz
Das historische Schloss in Buchenbach ist weithin sichtbar.
Das historische Schloss in Buchenbach ist weithin sichtbar.  Foto: Andreas Scholz

Die Corona-Krise ist für die meisten Menschen keine einfache Zeit: Es gilt, Abstandsregeln einzuhalten und Hygienevorschriften zu beachten. Gut besuchte Veranstaltungen wie Weinfeste, die den geselligen Charakter fördern und dem Herz sowie der Seele gut tun, wurden aus Sicherheitsgründen in diesem Jahr gleich ganz abgesagt. Auch das Badevergnügen ist im Corona-Sommer etwas getrübt.

Neue Kraft schöpfen

Viele Menschen machen daher aus der Not eine Tugend und entdecken ihre Heimat neu. Statt Massenveranstaltungen heißt das Motto: In der Ruhe liegt die Kraft. Den Bewohnern der Gemeinde Mulfingen dürfte es besonders leicht fallen, den Alltag mal hinter sich zu lassen. Schließlich liegen besonders reizvolle Abschnitte der "Pfade der Stille" direkt vor der Haustür. Die "Pfade der Stille" in den Jagsttalgemeinden Dörzbach, Krautheim, Langenburg, Mulfingen und Schöntal hat Franz Jakob, der frühere Ortsvorsteher von Zaisenhausen, konzipiert.

Bildstöcke wie am Ortsrand von Ochsental laden zum Innehalten ein.
Bildstöcke wie am Ortsrand von Ochsental laden zum Innehalten ein.  Foto: Andreas Scholz

Mittlerweile werden die stillen Pfade nicht nur von den Jagsttalbewohnern zur inneren Einkehr genutzt, wie Sabine Weiland vom Herrenhaus in Buchenbach weiß. "Die Pfade liegen zurzeit sehr im Trend. Seit Anfang Mai die Pfade der Stille in der Apothekerzeitung präsentiert wurden, haben wir eine erhöhte Nachfrage", bestätigt sie. Auch im Sommer wird weiter über die Pfade der Stille berichtet. So entführt die Diözese Rottenburg-Stuttgart im Lauf der Sommerferien in der Reihe "Kraftorte" die Leser auf ihrer Website ebenfalls ins mittlere Jagsttal.

Wenn Sabine Weiland in ihrem Büro im Herrenhaus mal nicht mit Organisationsaufgaben rund um die Jagsttal-Wiesenwanderung beschäftigt ist, läuft sie gerne den Pfad der Stille, der von Buchenbach nach Heimhausen führt. "Da kehre ich dann in meinem Lieblingsrestaurant, der Jagstmühle, ein. Aber auch die Sankt-Anna-Kapelle in Mulfingen ist ein Muss für jeden, der mal innerlich zur Ruhe kommen möchte", ergänzt sie. Von der pittoresken Kapelle wandert Sabine Weiland gerne noch zum Jagstberg hoch. "Aber auch der Meditationsweg in Zaisenhausen mit der bekannten Lourdesgrotte gehört zu meinen Lieblingspfaden."

Romantische Täler

Die Pfade der Stille führen über Stock und Stein durch das mittlere Jagsttal. Neben der reizvollen Natur gibt es auch immer wieder imposante Steinbrücken zu entdecken.
Fotos: Andreas Scholz
Die Pfade der Stille führen über Stock und Stein durch das mittlere Jagsttal. Neben der reizvollen Natur gibt es auch immer wieder imposante Steinbrücken zu entdecken. Fotos: Andreas Scholz  Foto: Andreas Scholz

Die Rundtouren, die durch das Gemeindegebiet von Mulfingen führen, liegen dem Initiator der Pfade der Stille besonders am Herzen. "Mulfingen liegt schön in einem romantischen Teil des Jagsttals und lädt mit seinen Seitentälern ein zum Wandern und zur Naherholung", betont Franz Jakob. "In Ailringen ist der Friedhof mit den Holzkreuzen das herausragende Kleinod. Im Sommer werden die Gräber nur mit Gottesaugen bepflanzt, um eine Gleichheit der Verstorbenen darzustellen", erklärt der heimatverbundene Rentner.

Ebenfalls ein Kleinod auf den Pfaden der Stille ist für Franz Jakob das schon von Weitem sichtbare Schloss in Buchenbach. Dort erinnert der Gedenkstein am Eingang an eine Begebenheit, die sich hier einst zugetragen haben soll. "Der Schlossherr wurde eines Tages im Schloss überfallen. Nachdem die Verfolger ihn im Turm eingezingelt hatten, sprang der Schlossherr mit dem Hund voraus vom Turm." Der Legende nach ist der Hund dabei umgekommen, während der Schlossherr entkommen konnte.

Denkmäler am Wegesrand

Ebenfalls einen näheren Blick wert ist das Geburtshaus von Theodor Häcker in Eberbach. "Theodor Häcker war der geistige Vater der Weißen Rose, der Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl", so Jakob.

Die Kirche St. Martinus in Ailringen wurde 1621 erbaut. Der Friedhof mit seinen schlichten Eichenholzkreuzen gilt als Besonderheit.
Die Kirche St. Martinus in Ailringen wurde 1621 erbaut. Der Friedhof mit seinen schlichten Eichenholzkreuzen gilt als Besonderheit.  Foto: Andreas Scholz

Auch auf die stillen Pfadabschnitte in den Teilorten Hollenbach, Jagstberg und Hollenbach, die nicht unten im Flusstal, sondern auf den Hochebenen liegen, verweist Franz Jakob viele Ruhesuchende immer wieder gerne.

In Hollenbach ist die 700-jährige Linde mit integriertem Kriegerdenkmal ein Blickfang. In Jagstberg beeindruckt die Burganlage mit der alten Stadtmauer sowie das Krugs Käppele mit dem Kreuzweg zur Annakapelle nach Mulfingen. In Simprechtshausen finden Wanderer bei der alten Madonna im Seelengärtlein im Gewann Saubühl eine Möglichkeit zum Innehalten. "Simprechtshausen ist sowieso wegen der vielen Bildstöcke am Wegesrand einen Besuch wert", meint Jakob.

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