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"Wir bleiben auf einem super Leistungsniveau"

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Mulfingens Bürgermeister Robert Böhnel befürchtet durch die Corona-Krise für seine Gemeinde keinen dramatischen Einschnitte. Großprojekte sollen umgesetzt werden.

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Der Hollenbacher See ist ein Platz, an dem sich Robert Böhnel wohlfühlt. Trotz der schwieriger werdenden Zeiten, blickt der Mulfinger Bürgermeister optimistisch in die Zukunft.
Foto: Thomas Zimmermann
Der Hollenbacher See ist ein Platz, an dem sich Robert Böhnel wohlfühlt. Trotz der schwieriger werdenden Zeiten, blickt der Mulfinger Bürgermeister optimistisch in die Zukunft. Foto: Thomas Zimmermann  Foto: Zimmermann, Thomas

Seit 2008 ist Robert Böhnel Bürgermeister der Jagsttalgemeinde Mulfingen. In der Zeit hat der 50-Jährige Höhen und Tiefen erlebt und zwei Bürgerentscheide bestritten. Inzwischen ist in der finanzstarken Gemeinde Mulfingen wieder Ruhe eingekehrt. Doch in Corona-Zeiten sitzt das Geld nicht mehr so locker. Dennoch will Böhnel an den geplanten Großprojekten festhalten.

Herr Böhnel, wie fühlt man sich als Bürgermeister einer Gemeinde, die lange als Insel der Seligen galt und sich in der Corona-Krise mit Bergen von Problemen rumschlagen muss?

Robert Böhnel: Ich fühle mich immer noch gut. Natürlich haben wir in Einnahmeausfälle zu verzeichnen. Wir müssen uns auch mit Problemen befassen, die wir in der Vergangenheit nicht hatten. Die Kindergärten mussten schließen, das war schlimm vor allem für die Eltern, die mit Kinderbetreuung, Homeschooling und Homeoffice vor ganz neuen Herausforderungen standen. Ich bin froh, dass wir so langsam wieder in einen normalen Tritt kommen, mit ersten Veranstaltungen. Das Leben nimmt Fahrt auf und auch die Firmen können langsam zum normalen Alltag übergehen.

Plötzlich muss aber auch Mulfingen sparen. Wie dramatisch trifft die Krise die Gemeinde?

Böhnel: Wir kommen gut durch, weil wir immer kräftig investiert haben. Die Herausforderung ist jetzt, kluge und transparente Politik zu machen. Die Pflichtaufgaben müssen gemacht werden. Aber was ist von den freiwilligen Aufgaben wichtig? Wir hatten in der jüngsten Gemeinderatssitzung das große Thema Breitbandausbau auf der Tagesordnung und das klare Votum war, wir machen das, auch wenn es die Gemeinde über eine Million Euro kostet. Es wäre falsch, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken.

 

Es zeigt sich aber, dass die günstigen Gebühren nicht zu halten sind, dass Steuern erhöht werden müssen. Wie sehr schmerzt das?

Böhnel: Wenn wir das transparent erklären können, ist, so glaube ich, auch das Verständnis bei den Leuten da. Weil wir in Mulfingen auch auf einem sehr hohen Leistungsniveau bleiben. Wir bieten weiterhin eine Ganztageskinderbetreuung mit Mittagessen. Wir haben eine Panamainsel, für die die Nachmittagsbetreuung bisher im Monat rund 40 Euro gekostet hat, das ist geschenkt. Wenn wir etwas teurer werden, ist das immer noch ein super Leistungsniveau im Vergleich zu Nachbarkommunen.

 

Mulfingen hat viel zu bieten. Aber wurden nicht Entwicklungen verschlafen. Stichworte: Kindergartenausbau, schrumpfende Bevölkerung.

Böhnel: Nein, beim Kindergartenbau sind wir auf einem sehr hohen Niveau. Was den Wertplatz betrifft, sind wir im Zeitplan. Wir haben bereits vielversprechende Gespräche geführt. Wir wollen dort auch betreute Wohnformen anbieten, um Rentnern lange ein selbstbestimmtes Leben zu bieten. Und wir wollen unser Defizit bei Miet- und Eigentumswohnungen ausgleichen, um auch für Auswärtige attraktiver zu werden, denn wir bieten weit über 4000 Arbeitsplätze bei einer Einwohnerzahl von knapp 3700. Wir hoffen, dass wir 2022 mit dem Bau der ersten Gebäude beginnen können. Das Verfahren läuft, wir sind auch mit Bauträgern, Betreibern und Investoren in guten Gesprächen.

 

Sie hatten es nicht immer leicht. Es gab große Kämpfe im Gemeinderat, besonders bei den Bürgerentscheiden. Würden Sie manches anders machen im Rückblick?

Böhnel: Jain. Ich weiß nicht, ob man die Bürgerentscheide hätte verhindern können. Ich weiß auch nicht, ob man sie hätte verhindern sollen. Bei der Schulentwicklung und beim Wertplatz standen sich zwei Meinungen unversöhnlich gegenüber. Insofern waren die Entscheide gut weil sie einen Schlussstrich gezogen haben. Wir haben jetzt auch seit Monaten ein ganz anderes Arbeitsklima. Jeder hat Vertrauen, dass er das Beste für die Gemeinde will, und der Gemeinderat vertraut auch der Verwaltung.

 

Blicken wir in die Zukunft, welche Pläne wollen Sie unbedingt noch umsetzen, wo vielleicht nachjustieren?

Böhnel: Das Thema Breitbandausbau beschäftigt mich, seit ich in Mulfingen bin. Die große Herausforderung für die Zukunft wird sein, die Trendwende in der Einwohnerentwicklung hinzubekommen. Dabei ist der Wertplatz ein ganz wichtiger Baustein. Wenn mir die Leute fehlen, brauche ich nicht mehr darüber nachdenken, ob es in der Gemeinde Schulen oder Kindergärten gibt. Auch die Kaufkraft hängt damit zusammen. Wenn die Leute fehlen, gibt es keine Gemeinde.

 

Können Sie sich vorstellen, noch einmal etwas anderes zu machen?

Böhnel: Beruflich möchte ich nichts mehr anderes machen, für neue Wege bin ich zu alt.

 

Eine neue Gemeinde?

Böhnel: (lacht) Nö.

 
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