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Langenbrettach
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Die alten Hausnamen dokumentieren

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Hausnamen stammen aus Zeiten, als genaue Anschriften Nebensache waren. Jeder wusste, wo Bauersbecks oder Brunnenfritzes zu finden waren.

Von Ute Plückthun

Braun, Fritz oder Reichert: "Wenn man an einem Namen zupft, gehen 50 Leute hoch", formuliert Wolfgang Gebhard scherzhaft. Eine bewährte Methode aus früheren Zeiten, als genaue Anschriften im Dorf Nebensache waren: Hausnamen, die sich am Beruf des Familienvaters, der Umgebung des Hauses oder auch an einem Laster orientierten.

Jede Arbeitsgruppe des im Mai 1984 gegründeten heimatgeschichtlichen Vereins Langenbrettach hat sich einen Ortsteil vorgenommen. Dora Bender, Hartmut Müller, Fritz Knauß und Liesel Frey haben sich vor Corona zu zwei langen Sitzungen getroffen und für Langenbeutingen 61 Hausnamen zusammengetragen.

Haus für Haus betrachtet

"Wir haben Haus für Haus durchgemacht", sagt Hartmut Müller: Oben im Dorf angefangen, ging es im alten Ortskern einmal komplett durch, die Schulstraße und die Schleife wieder zurück. Auf die Frage, wohin man denn gehe, lautete die Antwort damals folglich: zum Gäulreichert, weil dieser Reichert im Gegensatz zu Hansjörgreicherts Pferde hatte. Zum Bauersbeck, weil sich im Bauernhaus die Bäckerei befand.

Nicht ganz leicht war auch die Unterscheidung bei den Angehörigen der Familie Fritz: "Das Ehepaar hatte elf Kinder, die Mutter ist 1918 an der spanischen Grippe gestorben", hat Dora Bender herausgefunden. Also unterschied man sie nach "Brunnenfritzes", weil deren Haus bei einem Brunnen stand, oder nach "Molkers", weil der Zweig der Fritz-Familie eine Molkerei betrieb.

Wie man Metzger und Schmiede unterscheiden konnte

Dora Bender heute: Die Langenbeutingerin vor ihrem Wohnhaus in der Hohenloher Straße, das früher zugleich die Schmiede ihres Vaters und Gasolin-Tankstelle war.Foto: Ute Plückthun
Dora Bender heute: Die Langenbeutingerin vor ihrem Wohnhaus in der Hohenloher Straße, das früher zugleich die Schmiede ihres Vaters und Gasolin-Tankstelle war.Foto: Ute Plückthun  Foto: Plückthun, Ute

Dora Bender hat eine lange Tabelle angelegt. Sie entstammt dem "Gäwertschmied"-Haus, genannt nach ihrem Großvater Ludwig und ihrem Vater Otto Gebert, die beide Schmied waren. Zur Unterscheidung vom Braunenschmied, die Hermann Braun betrieb. Auch der Braunenmetzger war nicht zu verwechseln mit dem Reichertsmetzger.

Hartmut Müller hat viele Bilder, die anderen Teammitglieder viel Wissen aus längst vergangenen Tagen beigesteuert. "Damit es nicht verloren geht, weil die Generation danach fast nichts mehr darüber weiß", beschreibt er die Motivation zur Lokalforschung. So sieht das auch Wolfgang Gebhard, der gemeinsam mit Dieter Streeb und Rudolf Seeberger seit November damit in Brettach beschäftigt ist.

Dora Bender damals: Vater Otto Gebert, Freundin Gudrun Schwab, Dora Bender sowie Schwester Ruth Breuninger mit Baby Rainer im Kinderwagen.
Foto: privat
Dora Bender damals: Vater Otto Gebert, Freundin Gudrun Schwab, Dora Bender sowie Schwester Ruth Breuninger mit Baby Rainer im Kinderwagen. Foto: privat  Foto: Plückthun, Ute

"Fünf bis sechs Monate werden wir schon noch brauchen", räumt er ein. Denn im Unterschied zu den Langenbeutingern nehmen sie den kompletten Vorkriegsbestand an Häusern des am 13. April 1945 zu 70 Prozent zerstörten Brettachs auf. "200 bis 300 werden es werden, 100 davon haben Hausnamen."

Nicht immer stießen die Hausnamen auf Gegenliebe, wie Dora Bender lachend erzählt. Als ihr Ehemann Werner als Kind nichtsahnend einen Langenbeutinger mit der für ihn im Ort gebräuchlichen Bezeichnung anredete: "Zack, schon hat er eine Watsche gehabt."

 
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