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Kupferzell
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Die 21 Orts-Originale von Kupferzell

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Großgemeinde Kupferzell hat wegen Geschichte und Gemeindereform zahlreiche Teilorte: Ein kurzer Überblick.

von Christian Nick
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Zentrum eines ganzen Spinnennetzes an Weilern und Dörfern: Im Hauptort Kupferzell lässt es sich gut und gerne leben.
Foto: Heimatreporter Heinrich Brehm
Zentrum eines ganzen Spinnennetzes an Weilern und Dörfern: Im Hauptort Kupferzell lässt es sich gut und gerne leben. Foto: Heimatreporter Heinrich Brehm  Foto: privat

Es ist ein ganzes Sammelsurium an Teilorten und Weilern, das zu Kupferzell gehört. Und selbst mancher Einwohner muss einen Moment überlegen, ehe er alle 21 Ortsteile aufzählen kann, die mit einst sechs selbständigen Kommunen bei der Gemeindereform 1972 die Großgemeinde Kupferzell formten. Eine Übersicht. Um den Lokalpatriotismus nicht zu kränken natürlich streng nach Alphabet.

Pittoreskes Panorama: Eschental hat eine lange Geschichte, denn die erste urkundlicher Erwähnung datiert aus dem frühen 12. Jahrhundert.
Foto: Archiv/Doering
Pittoreskes Panorama: Eschental hat eine lange Geschichte, denn die erste urkundlicher Erwähnung datiert aus dem frühen 12. Jahrhundert. Foto: Archiv/Doering  Foto: Döring

Eschental: Im bereits 1103 erstmals urkundlich erwähnten Dorf Eschental und dem Weiler Einweiler leben im Südosten des Gemeindegebiets rund 350 Menschen. Bekannt für seine kulinarischen Schmankerln lockt Eschental jedes Jahr zahlreiche Gäste aus Nah und Fern in die dortigen renommierten Landhotels. Fern in der Vergangenheit wurde dort auch die Burg Günzburg errichtet, wo dereinst wohl die ersten Menschen in Eschental siedelten. Von der Ruine ist allerdings kaum mehr etwas übrig. Im März dieses Jahres rückte Eschental dann unrühmlich in die Schlagzeilen: Das dortige Kirchenkonzert wurde zur Keimzelle der Corona-Epidemie im Hohenlohekreis.

Heute Zentrum des Dorflebens: Die Feßbacher haben das alte Rathaus in liebevoller Arbeit restauriert. 2019 feierte der Teilort das 700-Jahr-Jubiläum.
Fotos: Christian Nick
Heute Zentrum des Dorflebens: Die Feßbacher haben das alte Rathaus in liebevoller Arbeit restauriert. 2019 feierte der Teilort das 700-Jahr-Jubiläum. Fotos: Christian Nick  Foto: Nick, Christian

Feßbach: In diesem Gemeindeteil liegen außer dem namensgebenden Dorf selbst noch die Weiler Künsbach, Kubach und Rüblingen - alle nicht viel kleiner als dieses. Daneben gibt es auch noch die Aussiedlerhöfe Bühlingsweiler. Knapp 500 Personen leben in dieser ehemaligen Gemeinde östlich des Hauptorts, der vor einem Jahr mit einem großen Fest das 700-Jahr-Jubiläum feierte. Damals hieß Feßbach noch "Velselsbach" . Mit viel Eigeninitiative haben die Dorfbebewohner erst vor wenigen Jahren das historische Rathaus saniert, das heuer als Museum und Dorfgemeinschaftshaus genutzt wird.

Nur mal mächtig reinhauen! Bei den Vorbereitungen zum Dreschschuppenfest schnappt sich in Goggenbach auch die Jugend gerne die Flegel.
Foto: Archiv/Färber
Nur mal mächtig reinhauen! Bei den Vorbereitungen zum Dreschschuppenfest schnappt sich in Goggenbach auch die Jugend gerne die Flegel. Foto: Archiv/Färber  Foto: Färber

Goggenbach: Dieser Kommunen-Teil ist ein Unikum: Und zwar im Wortsinne. Denn anders als mit den restlichen Teilorten kam mit Goggenbach 1972 nur genau ein Dorf zur neu formierten Gemeinde Kupferzell hinzu: nämlich Goggenbach. Rund 150 Menschen, fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägt, Wahrzeichen: das Gemeindehaus mit dem Glockenturm in der Ortsmitte, in dem bis 1867 noch die Schüler an den Pulten saßen. Als ein Jahrhundert später - im Zuge der Schulreform - die Goggenbacher Kinder nach Braunsbach zur Schule geschickt werden sollten, organisierten die Eltern einen Schulstreik, der landesweit für Aufsehen sorgte. Für örtliches Aufsehen indes sorgt - zumindest in Nicht-Pandemie-Zeiten - der Höhepunkt des Ortslebens: das Dreschschuppenfest.

Kupferzell: Zum Hauptort gehören die Weiler Rechbach und Ulrichsberg und das Gehöft Schafhof. Warum Kupferzell so heißt, wie es eben heißt? Das klang am Montag im Ortsporträt bereits an und kann hier denn nun auch noch in Gänze erklärt werden: Im Hochmittelalter schlug dereinst ein der Welt und ihren Bewohnern überdrüssiger Mönch namens Dietrich im Ohrnwald an der Kupfer eine sogenannte "Einsiedlerzelle" auf. Hieraus leitet sich der Name "Celle" ab, der zunächst um die geografische Bezeichnung "uf dem Ornwald" und bis ins 15. Jahrhundert dann nach der Lage an der Kupfer erweitert wurde: Die erste urkundliche Erwähnung von Kupferzell als "Celle" datiert bereits auf das Jahr 1236.

Mangoldsall: Im Dorf Mangoldsall und dem Weiler Füßbach sind rund 230 Menschen zuhause. Und in Füßbach lebt es sich besonders nachhaltig. Denn 2011 war Füßbach ein echter Pionier, als das erste Bioenergiedorf Nordwürttembergs ans Netz ging. Eine Biogasanlage versorgt dort die meisten Haushalte autark mit Strom und Wärme. Mangoldsall indessen verdankt seinen Namen - zumindest nicht unmittelbar - nicht der gleichnamigen Rübenpflanze, sondern schlicht der Tatsache, dass die Ortschaft dereinst wohl von einer Familie namens Mangold gegründet wurde.

Kupferzeller Symbolcharakter: Landwirtschaftliche Prägung in Form dieser Westernacher Schafe gepaart mit Hightech-Industrie im Gewerbepark.
Kupferzeller Symbolcharakter: Landwirtschaftliche Prägung in Form dieser Westernacher Schafe gepaart mit Hightech-Industrie im Gewerbepark.  Foto: Nick, Christian

Westernach: Kurz vor Ende des Alphabets nähern wir uns noch Westernach, das neben dem Hauptort auch noch mit einigen Weilern aufwartet, die den Reigen der Ortsteile komplettieren: Bauersbach, Beltersrot, Belzhag, Hesselbronn, Löcherholz sowie Neu-Kupfer und Stegmühle. Macht insgesamt rund 1370 Menschen. Markant hier? Natürlich auch der Blick in die Geschichte: 1977 rückte Bauersbach mit einem Schlag ins Licht der Öffentlichkeit, als dort der größte Saurierfriedhof Europas entdeckt wurde.

Apropos Grabstätte: Auf dem Westernacher Friedhof sind in einem Sammelgrab 17 deutsche Soldaten begraben, die im Zuge der letzten Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs in Hohenlohe Mitte April 1945 bei der Eroberung Westernachs durch die US-Truppen gefallen waren. Im Jahr 1990 gab es in Westernach dann den bislang größten Massenauflauf der Kupferzeller Geschichte: Am 31. März protestierten damals dort über 20 000 Menschen gegen die geplante Sondermüll-Verbrennungsanlage. Mit Erfolg: Denn die Kupferzeller Luft trüben bis heute heute lediglich Autobahn, B19 - und Gülle.

 
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