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Krautheim
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Musik überwindet die Isolation

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Die Band Keep Alive sorgt für ausgelassene Stimmung bei den Rolli-Fahrern des Eduard-Knoll-Wohnzentrums in Krautheim.

Von Sonja Reichert
Die Band Keep Alive bringt mit Frontmann Timo Pfeiffer Abwechslung für die Körperbehinderten im Krautheimer Eduard-Knoll-Wohnzentrum.
Foto: Sonja Reichert
Die Band Keep Alive bringt mit Frontmann Timo Pfeiffer Abwechslung für die Körperbehinderten im Krautheimer Eduard-Knoll-Wohnzentrum. Foto: Sonja Reichert  Foto: Sonja Reichert

Die Sonne knallt vom Himmel am Himmelfahrtsnachmittag. Ein ungewöhnlicher Ort zu einer ungewöhnlichen Zeit: Vor dem Eduard-Knoll-Wohnzentrum fahren die Bewohner auf Rollstühlen aus dem Haus. Die fünf Mitglieder der Band Keep Alive bauen auf. Die Freifläche für die Band ist mit Sicherheitsband abgegrenzt.

Schon Stimmung beim Warmspielen

Schon beim Warmspielen kommt bei Tom Pettys "Free fallin" Stimmung auf. Lange hatten die Bewohner keinen Kontakt mehr nach außen. Erst seit vergangenem Montag können wieder Gruppen von fünf Personen das Gelände betreten.

Nadine Wiese, Geschäftsführerin des Wohnzentrums, freut sich mit den etwa 80 Bewohnern, dass das strikte Verbot aufgehoben ist. Gleichzeitig ist sie auch erleichtert, dass "alle Schutzmaßnahmen akzeptiert und eingehalten wurden". Schließlich sind ein Drittel der Bewohner Wochenend-Heimfahrer, die ihre Angehörigen wochenlang nicht mehr treffen konnten.

Die fünf Bandmitglieder aus der Umgebung warten mit Rock- und Popsongs aus den 60er Jahren bis heute auf. Unter dem Motto "stay home, stay safe, stay positive" haben sie in den letzten Wochen die konzertfreie Zeit überbrückt, indem sie auf Balkonen und Privatgrundstücken immer sonntags um 18 Uhr spielten.

Ein wenig Normalität

Timo Pfeiffer, Sänger und Frontmann, formuliert es so: " Es tut uns gut, in Zeiten der Isolation ein wenig Normalität aufkommen zu lassen. Und da die Körperbehinderten des Wohnzentrums nur bedingt mobil sind, wollten wir ihnen Abwechslung bieten und für den herzlichen Empfang beim Weihnachtskonzert etwas zurückgeben."

Neben Pfeiffer brilliert Oliver Dörr an der Akustik-Gitarre. Christian Feser am Schlagzeug, Sebastian Hettinger am Bass und Noa Pfeiffer an der E-Gitarre sorgen für den vollen Sound bei Titeln wie dem Beatles-Klassiker "Get together" oder auch mal hard and heavy bei "Breaking the law" von Judas Priest.

"Wollt ihr noch ne Schnulze haben?", brüllt Timo Pfeiffer in die große Runde. Bei "Hymn" von Barcley James Harvest fahren Arme in die Höhe, wippen Füße im Takt, singt und grölt, wer den Text kennt oder auch nicht. Zwei Frauen fahren mit ihren Rollis vor Begeisterung im Kreis.

Zaungäste am Straßenrand

Die Band setzt noch zwei Titel drauf, obwohl der Auftritt nur eine halbe Stunde dauern sollte. "Dein ist mein ganzes Herz" von Heinz Rudolf Kunze und "Hinterm Horizont" von Udo Lindenberg begeistern auch die Zaungäste am Straßenrand. Nach einer Stunde sind sich alle einig: super Idee, klasse Konzert, großartige Stimmung. Das Abendessen kann kommen.

 
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