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Klepsau ist durch Reben mit Baden verbandelt

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Klepsau ist der größte Weinbauort im Jagsttal. Die Wengertertradition prägt auch das kulturelles Leben im Dorf.

von Barbara Griesinger
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Zwischen Jagst und den Rebhängen kuschelt sich Klepsau ins Jagsttal. Foto: Barbara Griesinger
Zwischen Jagst und den Rebhängen kuschelt sich Klepsau ins Jagsttal. Foto: Barbara Griesinger  Foto: Griesinger, Barbara

"Oh", sagt Karl Hofmann mit einem Schmunzeln, "Weinbau gibt es in Klepsau seit ich denken kann". Tatsächlich liegen die Wurzeln des Klepsauer Weinbaus im Mittelalter. Gut 800 Jahre werden in dem Krautheimer Teilort, der einst zum Herzogtum Baden gehörte, die edlen Gewächse angebaut. Das verrät bereits das große Holzfass an der Klepsauer Ortsdurchfahrt.

Der einzige Weinort unter den Krautheimer Stadtteilen ist obendrein der "größte Weinbauort im ganzen Jagsttal", erzählt Hofmann, der im Vorstand des Klepsauer Weinbauvereins aktiv ist, nicht ohne Stolz.

Hauptlage Heiligenberg

Insgesamt 40 Hektar Rebland wird in Klepsau bewirtschaftet, seit die Rebflurbereinigung in den 70er Jahren die Anbaufläche fast verdoppelt hat. In der Hauptlage Heiligenberg werden vor allem der Müller-Thurgau und der Schwarzriesling angebaut. Aber auch Bacchus. "Das ist unser Aushängeschild", betont Hofmann.

Auf dem Heiligenberg werden vor allem die Rebsorten Müller-Thurgau, Schwarzriesling und Bacchus angebaut. Foto: Barbara Griesinger
Auf dem Heiligenberg werden vor allem die Rebsorten Müller-Thurgau, Schwarzriesling und Bacchus angebaut. Foto: Barbara Griesinger  Foto: Griesinger, Barbara

Früher, als die meisten Dorfbewohner noch von Acker- und Viehwirtschaft lebten, sei der Weinbau ein wichtiges zweites Standbein gewesen. Damals, 1950, hat Klepsau seine eigene Winzergenossenschaft, die Bezirkskellerei Jagst, gegründet. 1953 wurde der Winzerkeller gebaut, in dem der Wein gekeltert, in die klassischen Bocksbeutelflaschen gefüllt und wo auch Weinfeste gefeiert wurden.

Zwei Jahre später hat die Genossenschaft "mit vielen freiwilligen Helfern ohne Bezahlung" in der Hauptlage Heiligenberg eine eigene Beregnungsanlage gebaut. Die Anlage diente früher dem Frostschutz, heute wird sie in den immer trockeneren Sommern zur Bewässerung genutzt.

Badischer Wein in Hohenloher Lagen

Längst reift der Klepsauer Wein nicht mehr im Winzerkeller. Bereits 1969 schlossen sich die Klepsauer der Genossenschaft in Beckstein an. Ein anderer Zusammenschluss als der mit den badischen Nachbarn aus dem Taubertal sei für die damals noch badischen Klepsauer gar nicht in Frage gekommen.

"Jetzt ginge es, aber damals war das unmöglich", erklärt Hofmann, warum der Hohenloher Weinort nahe Dörzbach noch heute zum Weinbaugebiet Baden gehört und im Winzerkeller seit 2007 Becksteiner Weine verkauft. Auch im kulturellen Leben der Klepsauer spielt der Weinbau keine geringe Rolle: Die Winzerkapelle ist im Ort ein "großer Kulturträger, der bei jedem Anlass zu Stelle ist".

Die Klepsauer Musiker firmieren seit 1986 unter diesem Namen, nachdem der damalige Krautheimer Bürgermeister Gustav Meyer unter der Bedingung, dass die Kapelle künftig in einer Tracht auftrete, die Uniformen der Musiker finanzierte. "Was lag da näher, als sich am Weinbau zu orientieren", erklärt Hofmann den Hintergrund.

Als Erinnerung: Karl Hofmann zeigt eine klassische Bocksbeutelflasche. Foto: Barbara Griesinger
Als Erinnerung: Karl Hofmann zeigt eine klassische Bocksbeutelflasche. Foto: Barbara Griesinger  Foto: Griesinger, Barbara

Anfänge der Weintage

Auch die drei, früher sogar vier, Weintage sind aus dem Krautheimer Veranstaltungskalender nicht wegzudenken. Die Anfänge liegen in den 1950er Jahren. Es sei ursprünglich aber "aus der Not geboren", verrät Karl Hofmann.

Der Sportverein habe sein jährliches Sportfest zu spät angemeldet, und deshalb habe man es zum Weinfest umgemünzt. Bis Anfang der 70er sei das Fest dann immer größer geworden, so dass schließlich im 1000-Mann-Zelt gefeiert wurde. Auch ein Buttenlauf gehörte dazu.

Allerdings hätten schlechte Weinjahre dafür gesorgt, dass das Fest im Juli immer wieder ausgefallen sei. Die Winzerkapelle hat dem Fest dann 2001 neues Leben eingehaucht. Seitdem wird es im September gefeiert - und zwar im Winzerkeller.

Weinprobe sehr beliebt

Dort beginnen die drei Festtage, die Winzerkapelle, Sportverein und Weinbauverein gemeinsam stemmen. Mit einer "richtig lustigen Weinprobe", die vor allem bei der jungen Generation voll im Trend liege. Die Winzerkapelle sorge zwischen den Weinen für Musik und Spaß. Ob sie auch in diesem Jahr nicht nur Besucher aus Krautheim und Umgebung anlockt, steht in den Sternen: "Bis Ende August fallen ja alle Großveranstaltungen aus.

Ob die Weintage am ersten Septemberwochenende tatsächlich stattfinden, weiß man daher leider noch nicht", sagt Karl Hofmann.

Klima macht Probleme

Längst haben nicht mehr die meisten Klepsauer einen Wengert. Ein Großwinzer bewirtschafte über 50 Prozent der Fläche, zwei bis drei würden noch größere Mengen abliefern. Rund 20 kleine Nebenerwerbswengerter seien noch dabei und "einer vermarktet selbst. Die Kleinen sterben aus", so Karl Hofmann vom Weinbauverein.

Dafür sorgen die Mühen im Weinberg sowie die Klimaveränderungen. Der frühe Vegetationsbeginn mache die Reben frostanfällig. "Seit 2011 haben wir Frostprobleme", sagt er. In den Hochlagen seien in diesem Jahr im Mai 80 Prozent der jungen Triebe erfroren.

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