Keine Bewegung im Streit um Jagsttalbahntrasse
Die Jagsttalbahnfreunde pochen auf den Erhalt, die Stadt Krautheim fordert die Entwidmung der Trasse. Ein Rück- und Ausblick.

Seit Jahrzehnten geht es auf dem Bahnhofsareal im Herzen von Krautheim-Tal nicht vorwärts. Die Stadt wünscht sich eine Entwicklung der Fläche mit einem geordneten Parkplatz und die Verlegung des zentralen Busbahnhofs an die Götzstraße.
Die Pläne liegen bereit, doch keine Bagger rücken an, um das Ganze in die Tat umzusetzen. Hintergrund ist ein Streit um die Trasse der Jagsttalbahn, dessen Ende nicht in Sicht scheint.
Eine Reaktivierung der Jagsttalbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs wird es nicht geben. Das steht fest. Ein Museumsbahnbetrieb aber ist es, den die Jagsttalbahnfreunde anstreben. Auch für diesen braucht es die Trasse, die noch vorhanden und eisenbahnrechtlich gewidmet ist.
Das bedeutet, dass die Jagsttalbahn juristisch gesehen noch existiert. Das bedeutet auch, dass eine sogenannte Eisenbahninfrastrukturgesellschaft für die Trasse zuständig ist. In diesem Fall ist das die Jagsttalbahn AG, zu deren Eignern die Gemeinde Dörzbach sowie der Verein Jagsttalbahnfreunde zählen.
Eigentümer, der nicht handeln kann
Die Stadt Krautheim wiederum ist zwar Eigentümer der Fläche, hat rechtlich aber keine Planungshoheit. Sie fordert - inzwischen auch per Anwalt - die Entwidmung, um ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Doch genau das ist der Knackpunkt, wo beide Parteien nicht zusammenkommen.
Der Krautheimer Bürgermeister Andreas Köhler argumentiert, dass die Kosten, um die Schienen und die Durchgängigkeit von Dörzbach bis Krautheim herzustellen, auch für einen Museumsbetrieb so hoch seien, dass das Vorhaben nicht zu realisieren sei. Demnach solle die Entwicklung der Stadt nicht weiter behindert werden. Bei bestehender Widmung sieht Köhler keine Möglichkeit, das Areal sinnvoll zu bebauen.
Entwidmung ist K.o.-Kriterium
Eine Entwidmung kommt für die Jagsttalbahn AG jedoch nicht in Frage. Denn dann ist es kaum realistisch, die Widmung irgendwann wiederherzustellen. Es käme einer Aufgabe des gesamten Vorhabens gleich.
"Wir finden es schade, dass die Stadt inzwischen rechtlich gegen uns vorgeht", sagt Michael Rothenhöfer, Sprecher des Vorstands der Jagsttalbahn AG. "Auf dem Bahnhofsareal könnte längst gebaut sein", wenn die Stadt ihre Pläne in wenigen Punkten anpasst. So fordert die AG den Erhalt des Haupt- und eines Umsetzgleises.
Man wolle die Entwicklung der Stadt nicht ausbremsen, sei immer gesprächsbereit gewesen. Zumal man, als 2002 die Planungen begonnen haben, die AG nicht miteinbezogen habe. Damit hätte man vieles zu Beginn klären können, ist Rothendörfer sicher.
Das Verkehrsministerium ist involviert
Auch das Verkehrsministerium habe in einem Gespräch signalisiert, dass es eine Lösung bevorzuge, die beides möglich mache - Busbahnhof und Erhalt der Widmung, berichtet Rothendörfer. Und er ergänzt: "Es gilt, die rechtlichen Schritte zu stoppen." Das koste beide Seiten unnötig viel Geld und Zeit.
Seine Hoffnungen liegen nun auf einem Vor-Ort-Termin, den er den Räten von Dörzbach und Krautheim in einem Brief vorgeschlagen hat. Wegen der Corona-Krise habe der bislang aber nicht stattfinden können.

Stimme.de
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