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Ittlingens Bürgermeister singt das Badnerlied immer mit

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Ittlingen ist eine der kleinsten eigenständigen Gemeinden im Landkreis Heilbronn. Wann der Bürgermeister zuletzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren ist und warum er in seinem Vorgarten die Baden-Fahne hisst, verrät Kai Kohlenberger im Stimme.de-Interview.

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Man darf ja mal träumen: Kai Kohlenberger würde über die Ansiedlung einer Megafactory nicht traurig sein. Foto: Jörg Kühl
Man darf ja mal träumen: Kai Kohlenberger würde über die Ansiedlung einer Megafactory nicht traurig sein. Foto: Jörg Kühl  Foto: Kühl, Jörg

Herr Kohlenberger, wie beginnen Sie ihren Tag?

Kai Kohlenberger: Mit einem ausgiebigen Frühstück im Kreis der Familie.


Nehmen wir mal an, Elon Musk würde zwischen Neckar und Rhein eine Megafactory errichten wollen. Würden Sie Ittlingen als Standort empfehlen?

Kohlenberger: Zur Stärkung unseres Gewerbesteueraufkommens wäre eine solche Ansiedlung sehr zu begrüßen. Ich fürchte nur, dass uns diesbezüglich Grenzen gesetzt sind. 300 Hektar, wie die Gigafactory vor den Toren Berlins, das wäre mehr als ein Fünftel unserer Gemarkungsfläche. Zudem beschränkt uns der Regionale Grünzug, welcher eine ausufernde Bebauung verhindert.


Der Ort hat sich seit der Nachkriegszeit einwohnermäßig nahezu verdoppelt. Woran liegt das?

Kohlenberger: Ittlingen ist ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort mit schöner Umgebung. Zur Autobahn sind es nur fünf Kilometer, es gibt einen S-Bahn-Anschluss in Richtung Eppingen und Sinsheim.


Wann sind Sie zuletzt mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren und was war der Anlass?

Kohlenberger: Vor etwa fünf Jahren besuchte ich ein Verwaltungs-Seminar in Stuttgart. Da ich in Kirchardt wohne, musste ich allerdings erst ein Stück mit dem Auto fahren. Wir setzen uns im Verwaltungsraum dafür ein, dass die Taktung der S-Bahn von stündlich auf halbstündlich verdoppelt wird. Doch leider ist die Strecke nur eingleisig ausgebaut.


Ittlingen ist eine der Spargelhochburgen im Kraichgau. Was ist Ihr Lieblingsrezept?

Kohlenberger: Ich mag ihn klassisch: mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise. Den besten Spargel meines Lebens habe ich tatsächlich in Ittlingen genossen, bei einem Hoffest.


Welches Thema bringt sie garantiert zur Weißglut? Und womit kann man Sie danach wieder runter bringen?

Kohlenberger: Was mich ärgert, ist Ignoranz, so wir das gerade mit den Corona-Leugnern erleben. Wenn Fakten einfach nicht zählen. Oder wenn Gerüchte aus dem kommunalen Bereich verbreitet werden. Dabei wäre es doch ein Leichtes, im Rathaus nachzufragen, wie es wirklich geregelt oder beschlossen worden ist und was die tatsächlichen Hintergründe sind. Meine Familie und Sport sorgen wenn nötig für den emotionalen Ausgleich.


Wofür würden Sie nachts um 3 Uhr aufstehen?

Kohlenberger: Den Konjunktiv können Sie weglassen. Als Vater zweier Kinder passiert das schon mal, dass man nachts geweckt wird. Als Bürgermeister und erster Verantwortlicher der Gefahrenabwehr der Gemeinde ist man bei größeren Einsätzen zumindest rufbereit, solche Einsätze können Tag und Nacht stattfinden. Ich habe einen eigenen Melder von unserer Feuerwehr.


Ittlingen liegt an der Grenze Baden-Schwaben: Ist die Unterscheidung antiquiert oder spielt sie real oder ideell doch noch irgendwo eine Rolle?

Kohlenberger: Man sollte es nicht glauben, aber tatsächlich spielt diese Unterscheidung bis heute mental eine Rolle. Verwaltungstechnisch zählen wir zum Landkreis Heilbronn, also zu Schwaben, historisch und kulturell gesehen sind wir aber Badener. Aus diesem Grund weht an meinem Privathaus in Kirchardt auch die badische Fahne. Das Badnerlied singe ich bei jedem Anlass mit. Bösartige Zungen behaupten ja, Ittlinger wurden im Zuge der Verwaltungsreform zu Beute-Schwaben. Ich denke, diese Diskussion ist mit einem gewissen Augenzwinkern zu verstehen.


Wie hart trifft Corona die Gemeinde?

Kohlenberger: In unserem jüngst beschlossenen Nachtragshaushalt haben wir ein coronabedingtes Defizit in Höhe von etwa 125.000 Euro eingeplant. Wie schlimm es letztlich kommt, können wir jetzt noch gar nicht einschätzen. Mit dem jüngsten Rettungspaket für die Kommunen können zumindest für dieses Haushaltsjahr die schlimmsten Risiken abgefangen werden.

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