Planungen zur Ilsfelder Ortsumfahrung machen Fortschritte
Was passiert mit der umstrittenen Erweiterung der Tank- und Rastanlage Wunnenstein West, wann kommt die Ortsumfahrung und was tut sich sonst in Ilsfeld? Bürgermeister Thomas Knödler über Entwicklungen und wichtige Themen in der Gemeinde.

Seit gut vier Jahrzehnten ist der Bau einer Ortsumfahrung in Ilsfeld ein Thema. Planungstechnisch soll es jetzt vorangehen. Was passiert mit der umstrittenen Erweiterung der Tank- und Rastanlage Wunnenstein West? Und was tut sich sonst gerade in der 9550-Einwohner-Gemeinde? Darüber spricht Bürgermeister Thomas Knödler im Interview.
Herr Knödler, Sie sind seit 1998 im Amt. Was macht Ihnen besonders Spaß?
Thomas Knödler: Wenn Gegner von Projekten nach deren Umsetzung ihre Meinung ändern. Ein Beispiel: Der Bau des Sportparks am Tiefenbach erschien vielen Menschen unrealistisch. Am Ende waren 700 000 Euro übrig. Das hat die Zweifler bekehrt. Tolle Begegnungen mit Menschen, die erwähnenswert wären, gab es reichlich. Unvergessen bleiben die Begegnungen mit Ministerpräsident Lothar Späth, der hier seine Kindheit verbrachte.
Welche denn?
Knödler: Späth war 2007 Ehrengast bei der offiziellen Wiedereröffnung des sanierten Kindergarten Dorastift, den er als kleiner Junge besucht hatte. In der Kirche saß er neben mir und fragte plötzlich: Worum geht es genau, und was soll ich eigentlich tun (lacht). Er hielt dann eine lange Rede, die Gäste waren natürlich begeistert.
2022 endet Ihre dritte Amtszeit. Wissen Sie schon, ob Sie wieder kandidieren werden?
Knödler: Diese Frage stellt sich aktuell nicht, die Sacharbeit und Corona überdecken alles. Zu gegebener Zeit werde ich unsere Mitarbeiter und den Gemeinderat informieren.
Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Wo liegen die Herausforderungen der nächsten Jahre für Ilsfeld?
Knödler: Es gilt, die Ortszentren zu stärken, die ärztliche Betreuung auszubauen und das familiengerechte Umfeld aufrecht zu halten. Auch die Sanierung von Straßen, Kanälen und vielem mehr steht auf der Agenda. Die Verwaltung würde gern die Umgestaltung der Auensteiner Ortsmitte vorantreiben. Dazu müssen aber erst noch einige Mietverhältnisse aufgekauften Gebäude beendet werden. Das Thema ärztliche Versorgung in Auenstein hingegen wird bald im Gemeinderat beraten werden: Es gibt vielversprechende planerische Entwürfe eines privaten Investors.
Die größte Herausforderung bleibt derzeit die Corona-Pandemie. Wie trifft sie die Gemeinde finanziell, und bremst sie aktuelle Projekte aus?
Knödler: Als die Steuereinnahmen im April für das Veranlagungsjahr 2020 erhoben wurden (7,1 Millionen Euro, Anm.d.Red.), vermuteten wir erhebliche Einnahmeausfälle. Zwischenzeitlich konnten sie in weiten Teilen etwa durch Nachzahlungen aus den guten Jahren 2018 und 2019 mehr als kompensiert werden. Dennoch war es gut, dass wir im ersten Halbjahr 2020 vorsichtiger waren. Noch nicht begonnene Maßnahmen gehen wir mit der gebotenen Vorsicht an.
In Ilsfeld sind in den vergangenen Jahren Gewerbe- und Wohngebiete hinzugekommen. Dafür wurde die Landwirtschaft aber zurückgedrängt. Geht es mit der Flächenversiegelung so weiter?
Knödler: Eine expansive Ausweitung von Gewerbe- oder Wohnflächen ist nicht vorgesehen. Wir haben schließlich erreicht, was wir uns vor Jahren vorgenommen haben: Dass sich junge Familien bei uns ansiedeln wollen, und dass wir jährlich dauerhaft und gesichert fünf bis sechs Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen generieren. Auch im Corona-Jahr werden wir dieses Ziel deutlich überschreiten.
Ilsfeld entwickelt sich weiter: Am Ortseingang West entstehen das neue Wohn- und Geschäftshaus, in das Bürgerbüro und Bücherei einziehen, und die alte Kelter wird zur Markthalle. Könnte sie nicht zu einer Konkurrenz zum Einzelhandel werden?
Knödler: Die Beschicker der Markthalle sind heute schon im Ort aktiv. Die Bündelung an einem Standort wird die Attraktivität aus unserer Sicht erhöhen, die Läden im Umfeld werden durch die Kaufkraftbindung profitieren.
Seit 2015 hat Wüstenhausen seine Ortsumfahrung. Hat das eine spürbare Entlastung gebracht?
Knödler: Und wie: Mehr als 95 Prozent des Durchgangsverkehrs und nahezu 100 Prozent des Schwerlastverkehrs konnten aus der Ortsmitte verbannt werden. Dementsprechend groß ist der Zuspruch.
Ganz anders sieht es im Kernort aus. Wie weit sind die Pläne des Landes für eine Ortsumfahrung?
Knödler: Der Planungsprozess des Regierungspräsidiums Stuttgart für die Landesstraße ist endlich abgeschlossen, die Planunterlagen an die Planfeststellungsbehörde beim RP übergeben. Wir rechnen mit einer Erörterungsverhandlung Anfang 2021. Das RP ist bestrebt, das Planfeststellungsverfahren kommendes Jahr abzuschließen, damit mit dem Bau begonnen werden kann - das wäre die Weichenstellung, auf die wir schon so lange warten.
Der Bund plant die Erweiterung der Tank- und Rastanlage Wunnenstein West - ein Projekt, das in Ilsfeld ja umstritten ist. Der Gemeinderat hat deshalb eine eigene Ausbauvariante vorgelegt. Hat sich das Regierungspräsidium mittlerweile zum aktuellen Stand des Abstimmungsverfahrens geäußert?
Knödler: Laut RP soll die Umweltplanung für die Erweiterung zum Abschluss kommen. Über den Jahreswechsel wird der Vergleich der beiden Varianten detailliert überarbeitet. Wann das abgeschlossen wird, ist nicht sicher, zumal die bundeseigene Gesellschaft ,Die Autobahn" ab 2021 übernehmen könnte. Die gemeinsamen Haltung von Bürgerschaft, Landwirtschaft und Gemeinde bleibt dieselbe: Ein Ausbau ist erforderlich, aber bitte nehmt auf die Belange der Bürger Rücksicht.
Zur Person
Thomas Knödler wird am 16. September 1964 in Ludwigsburg geboren. Sein Studium zum Verwaltungsfachwirt absolviert er an der Hochschule Ludwigsburg. Bevor er 1998 in Ilsfeld zum Bürgermeister gewählt wird, arbeitet Knödler seit 1994 bei der Gemeinde Kirchheim am Neckar als Kämmerer. Der 56-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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