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Neckargartach ist auf Salz gebaut

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Die Südwestdeutsche Salzwerke AG und die Energie Baden-Württemberg AG gaben den Menschen aus Neckargartach früher Arbeit. Auch wenn die beiden Unternehmen nicht auf Neckargartacher Gemarkung liegen, bestanden einst enge Verbindungen.

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Beim Salzabbau gehen die Salzwerke ab Mai 2006 neue Wege: Sie setzen auf den Continuous Miner. Neben dem Abbau mittels Bohren und Sprengen wird nun auch durch Schneiden Salz gewonnen.
Foto: SWS
Beim Salzabbau gehen die Salzwerke ab Mai 2006 neue Wege: Sie setzen auf den Continuous Miner. Neben dem Abbau mittels Bohren und Sprengen wird nun auch durch Schneiden Salz gewonnen. Foto: SWS  Foto: sws

Das Bergwerk der Südwestdeutschen Salzwerke AG und das Heizkraftwerk der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) liegt zwar auf Heilbronner Gemarkung, wurde früher aber von den Neckargartacher Bürgern als zu Neckargartach gehörend empfunden. "Einerseits wegen der Nähe und andererseits, weil viele Menschen im Salzwerk und im Kraftwerk arbeiteten", erläutert der Neckargartacher Heimatforscher Peter Hahn. Gründe, ein wenig die Geschichte der beiden Unternehmen und der Standorte lebendig werden zu lassen.

Schon im Jahre 1765 wurde auf den Feldern beim Alt-Böllinger Hof nach Kohle gegraben. Allerdings vergebens. Hätten man in jener Zeit tiefer bohren können, wäre man schon damals auf Salz gestoßen. In Jagstfeld wurde im Jahr 1816 das weiße Gold gefunden.

Theodor Lichtenberger war die treibende Kraft

1881/82 gruben in Heilbronn gleich drei Gruppen nach Salz, darunter auch die Stadt Heilbronn unter Führung des Fabrikanten Theodor Lichtenberger. Als Stadtrat hatte er bereits 1876 in einer Denkschrift auf Salzvorkommen hingewiesen. Durch die erfolgreichen Bohrungen 1882/83 sicherte sich die Stadt die Abbaurechte. Am 16. November 1883 wurde die Aktiengesellschaft Salzwerke Heilbronn, ausgestattet mit einem Kapital von drei Millionen Mark, gegründet. Am 4. Dezember 1885, am Barbaratag, dem Festtag der Bergleute, wurde erstmals Salz gefördert.

Ein finanzieller "Heilbrunnen" für die Stadt

Wie schon beim Bau der Neckarbrücke 1905 wirkte das Salzwerk auch beim Bau der Neckargartacher Straßenbahn (1928) unterstützend mit. 1908 war das Salzwerk zum größten Steuerzahler der Stadt aufgestiegen und hatte sich so zu einer Art "Heilbrunnen" entwickelt. Während des Zweiten Weltkriegs nutzte die Rüstungsindustrie das Bergwerk und es wurden Kunstgegenstände eingelagert. 1944 wurde in Kochendorf ein unterirdisches Konzentrationslager errichtet.

1971 fusionierten die Salzwerk Heilbronn AG und die Südwestdeutsche Salz AG zur Südwestdeutschen Salzwerke AG. Mit dem unterirdischen Verbund der Bergwerke Heilbronn und Kochendorf feierte das Unternehmen 1984 ein historisches Ereignis. Zur Entsorgung von bergbaufremden Abfällen ging 1987 die Untertagedeponie Heilbronn in Betrieb. 1994 kam das Ende des Salzabbaus in Kochendorf.

Strom für mehrere 100.000 Haushalte

Blick aus der Vogelperspektive auf den Kraftwerksstandort Heilbronn der Energie Baden-Württemberg AG. Zwischen dem Kühlturm (140 Meter) und den beiden Schornsteinen steht Block 7.
Foto: Daniel Maier-Gerber
Blick aus der Vogelperspektive auf den Kraftwerksstandort Heilbronn der Energie Baden-Württemberg AG. Zwischen dem Kühlturm (140 Meter) und den beiden Schornsteinen steht Block 7. Foto: Daniel Maier-Gerber  Foto: Daniel Maier-Gerber

Seit fast 100 Jahren steht Heilbronn für die Stromerzeugung aus Kohle und seit mehr als 50 Jahren auch für die Versorgung mit Fernwärme. 1923 wurden im E-Werk die ersten Turbinensätze in Betrieb genommen. Das Maschinenhaus von Block E wird heute von der Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins als Kletterarena, das Kesselhaus als Veranstaltungshalle und als Diskothek (Creme 21) genutzt.

Mit den Planungen für ein Großkraftwerk war Anfang der 1950er Jahre begonnen worden. Das neue Dampfkraftwerk der Energie-Versorgung Schwaben (EVS), dem Vorgängerunternehmen der EnBW, nahm 1954 den Betrieb auf. Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts entstanden sechs Kraftwerksblöcke. Die EVS investierte dafür 275 Millionen Mark. 1985 wurde Block 7, rund 1,3 Milliarden Mark teuer, in Betrieb genommen. Es war damals eines der modernsten und leistungsfähigsten Steinkohlekraftwerke der Welt.

Neckargartacher befürchteten Rußbelästigung

Nicht die Kraftwerksdimensionen brachten Ende der 1970er Jahre die Neckargartacher in Rage, sondern sie befürchteten durch den erhöhten Kohleumschlag eine erhöhte Staubbelästigung. 1988 wurden die Kraftwerksblöcke 1 und 2, 1997 die Blöcke 3 und 4 stillgelegt. Die Blöcke 5 und 6 dienen seit 2016 der sogenannten Netzreserve.

Mit dem bevorstehenden Ausstieg aus der Kohleverstromung zeichnet sich die nächste große Veränderung für den Kraftwerksstandort Heilbronn, der eine Fläche von mehr als 300.000 Quadratmetern hat, ab. Wie diese genau aussehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, heißt es vonseiten der EnBW.

 

Die Unternehmen

Die Südwestdeutsche Salzwerke AG mit ihren Standorten Heilbronn, Bad Friedrichshall, Bad Reichenhall und Berchtesgaden beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter. Die beiden größten Aktionäre sind die Stadt Heilbronn und das Land Baden-Württemberg. Mit jeweils 49 Prozent sind sie am Unternehmen beteiligt. Das unter Tage liegende Streckennetz ist rund 700 Kilometer lang.

Das Heizkraftwerk Heilbronn der Energie Baden-Württemberg AG wird in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben und gehört mit einer elektrischen Leistung von gut 1000 Megawatt (MW) sowie einer thermischen Leistung von rund 390 MW zu den größten Steinkohlekraftwerken der EnBW. 300 Mitarbeiter sind für die Kraftwerke Heilbronn, Walheim und Marbach im Einsatz; die drei Kraftwerke sind zu einer betrieblichen Einheit zusammengefasst. 

 
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