Die Ära des Ritterordens wirkt hier lange nach
Eine besondere Historie, viel Natur und ein guter Zusammenhalt prägen den Stadtteil Kirchhausen. Eine Blütezeit gab es in der Zeit unter dem Orden, Nationalsozialisten spielten vor der Machtergreifung Hitlers keine große Rolle.

"Hart, aber herzlich": So charakterisiert Bezirksbeiratssprecher Theo Rappold seine Mitbürger in Kirchhausen, Heilbronns westlichsten Stadtteil. Mit Ausdauer für ihre Interessen kämpfen, das können die Bürger, was sich im langwierigen Projekt für einen Kreisverkehr in der Schlossstraße in der Ortsmitte zeigt.
Rappold nennt die Entlastung der Ortsdurchfahrt durch den Kreisverkehr als wichtigstes aktuelles Ziel - weil man dadurch das Tempo verringere und Lastwagen im Gegenverkehr keine Staus mehr verursachten.
Fruchtbare Lößböden, ein wichtiger Getreidelieferant
Wer durch den Stadtteil geht, erlebt ein gepflegtes Ortsbild mit einem absoluten Höhepunkt im Zentrum, dem markanten Deutschordensschloss samt Schlossgraben und schmucken Türmen. Von 1570 bis 1576 wurde es erbaut, als das Amt Kirchhausen lange Zeit zum Deutschritterorden gehörte und in der über 300-jährigen Periode eine Blütezeit erlebte. Geprägt war der Ort lange durch Landwirtschaft und Handwerk, die fruchtbaren Lößböden machten ihn zu einem wichtigen Getreidelieferanten in der Region.
Erstmals erwähnt ist Kirchhausen im zehnten Jahrhundert, als nach dem Ungarnsturm 926 in den Quellen des Klosters Weißenburg im Elsass der Name "Kirchhusen" auftaucht, von einer Kirche und verwüsteten Huben (Bauernhöfe) die Rede ist. Das Rittertum prägte die Menschen. Kurz vor der Machtergreifung Hitlers erreichten die Nationalsozialisten in Kirchhausen bei zwei Wahlen nur zehn Prozent der Stimmen. Die Zentrumspartei, Partei der Katholiken, war 1932 stärkste Kraft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen mehr Protestanten zu
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Stadtteil vor allem durch Vertriebene stark an. Heute leben neben rund 1500 Katholiken auch etwa 1100 Protestanten im Ort.
1972 wurde Kirchhausen in die Stadt Heilbronn eingemeindet. Einige Geschäfte gibt es im Ortskern, ein größeres Gewerbegebiet ebenso. In Sachen Gastronomie sieht es in der Wohngemeinde eher mau aus. Den Zusammenhalt im Ort und die schöne Natur nennt Theo Rappold als Pluspunkte.
Die Zehntscheune, die Kirchen, die renovierte Dreifaltigkeitskapelle sind Besonderheiten, ebenso das idyllische Freibad, das vom Förderverein mit Herzblut betreut wird. Der Sportverein FCK, Karneval-Club, Chor Sunrise, Musikverein oder der Interessenkreis Heimatgeschichte sind unter anderem rührige Vereine im Ort. "Es gibt viele, die sich engagieren", lobt Rappold.
Das Neubaugebiet Buckelgärten ist für den Bezirksbeirat ein ganz wichtiges Zukunftsprojekt. Rappold: "Das brauchen wir dringend." Und in der Ortsmitte ist geplant, aus ehemaligen Kleingärten eine "grüne Mitte" zu gestalten. Eine Parkanlage soll den Stadtteil dort verschönern.
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