"Wir passen gut zusammen"
Bürgermeister Thomas Einfalt spricht über die Vorzüge von Hardthausen und seinen Einwohnern. Der 31-Jährige hat noch viel vor - trotz Corona.

In Hardthausen bewegt sich gerade so einiges. Es wird viel gebaut, die Gemeinde wächst und erwartet noch mehr Zuzug. Wie die Entwicklung weitergehen soll und wie Bürgermeister Thomas Einfalt die Folgen der Corona-Krise einschätzt, beantwortet er im Interview.
Herr Einfalt, kurz nach ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren sagten Sie im Interview, dass Sie sich die Namen aller 90 Gemeindemitarbeiter merken wollen.Kennen Sie inzwischen alle?
Thomas Einfalt: Nicht mehr. Wir haben allein in diesem Jahr im Bildungs- und Betreuungsbereich 16 neue Mitarbeiter eingestellt. Die Namen kenne ich vom Papier, aber jedem ein Gesicht zuzuordnen, da bin ich jetzt gerade dabei.
Ihnen ist also der persönliche Kontakt wichtig. Wie sehr erschwert da die Corona-Krise Ihre Arbeit?
Einfalt: Wahnsinnig. Zum einen fehlt einem tierisch der persönliche Kontakt. Normalerweise mache ich Bürgergespräche oder treffe Menschen auf Festlichkeiten, wo man ganz anders miteinander reden kann. Das fehlt. Zum anderen war die Umsetzung der Corona-Maßnahmen für mich eine ganz andere Anspannung als sonst.
Wenigstens entspannt sich die finanzielle Situation für 2020 auch in Hardthausen. Wie groß sind Ihre Sorgen für die nächsten Jahre?
Einfalt: Keiner kann die wirtschaftliche Lage prophezeien. Ich mache mir schon Sorgen, dass die Situation für unsere Unternehmen schwierig sein wird. Es kommt auf die weltweite Lage an, da sind auch unsere Unternehmen aktiv - von der Automobil- bis zur Raumfahrtindustrie. Davon sind wir abhängig.
Sie haben ja noch einiges auf dem Zettel für die kommenden Jahre, zum Beispiel den Bau eines Ärztehauses mit Lebensmittelversorgung. Wird das trotz der Corona-Krise klappen?
Einfalt: Diese Vorhaben sind von vielen Faktoren abhängig. Durch Corona sind keine zusätzlichen Herausforderungen hinzugekommen. Es geht hier vor allem um das Thema Eigentum, also den Kauf der benötigten Flächen, aber auch um die Frage der Genehmigungsfähigkeit. Es sind noch viele Schritte zu gehen, aber wir sind auf einem guten Weg.
Zur Person
Thomas Einfalt ist 31 Jahre alt und verheiratet. Er ist in Kochertürn aufgewachsen. Nach seinem Abitur 2008 am Eduard-Mörike-Gymnasium in Neuenstadt studierte er Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg. Nach seinem Bachelor-Abschluss arbeitete Einfalt als Leiter der Allgemeinen Verwaltung in Oedheim. Vor seiner Kandidatur zum Bürgermeister war er Haupt- und Bauamtsleiter in Löwenstein. Am 17. Juni 2018 wurde Einfalt zum neuen Bürgermeister von Hardthausen gewählt und im August in sein Amt eingesetzt. Damit löste er Harry Brunnet ab, der 40 Jahre im Amt war.
Hardthausen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Was sagen Sie denen, denen das zu schnell ging?
Einfalt: Die Ängste muss man ernst nehmen. Nicht nur in den letzten Jahren sind wir stark gewachsen, wir werden auch noch stark wachsen. Wir haben 150 Bauplätze erschlossen, das war viel. Unsere Priorität wird künftig aber nicht darauf liegen noch mehr Bauplätze auszuweisen und den Außenbereich zu versiegeln. Natürlich wollen wir auch wachsen, aber durch stetige Innenentwicklung. Nicht die Einwohnerzahl ist entscheidend, sondern, dass wir die richtige Infrastruktur schaffen. Da sind wir dabei. Ein erster Schritt war die neue Kita "Ob dem Kirchhof". Dann befassen wir uns mit der Schullandschaft und eben auch mit der Lebensmittelnahversorgung und der medizinischen Versorgung.
In Ihrer bisherigen Amtszeit wurde einiges umgesetzt oder angestoßen: Viele Bauplätze, Verbesserung des Hochwasserschutzes, Wassernetzanalyse, Gemeindeentwicklungskonzept 2035, Innenentwicklung, neue Kita. Was hat nicht geklappt?
Einfalt: Mein Wunsch wäre gewesen, zwei Dinge schneller umzusetzen. Zum einen die Baulandentwicklung in Lampoldshausen: ein kleines abrundendes Baugebiet mit zehn oder elf Bauplätzen. Zum anderen der Hochwasserschutz im Steinbachtal mit zwei Hochwasserrückhaltebecken. Beides ist bisher am Eigentum gescheitert. Jeweils ein Eigentümer wollte nicht unter den Bedingungen mitmachen. Da gings ums Geld. Wir bleiben aber dran.
Tun Sie jetzt mal so, als gäbe es kein Corona. Was stünde jetzt auf der To-Do-Liste?
Einfalt: Wir haben einiges sofort gestoppt, wie einen Teil der Sanierung der Wasserversorgung, bei der es um einen hohen Betrag geht. Zudem die Schulsanierung in Gochsen und den Ausbau des Feldwegs beim Roßbachweg in Gochsen. Das sind drei Maßnahmen, die zusammen 600.000 bis 700.000 Euro ausmachen. Das steht jetzt als nächstes an - trotz Corona. Was nächstes Jahr ist, werden wir sehen.
Liegen die Pläne für 2021 also auf Eis?
Einfalt: Nein. Wir sind ganz konkret in der Planung, was wir nächstes Jahr machen. Wir wollen tatkräftig das Gemeindeentwicklungskonzept umsetzen, Schritt für Schritt. Das fängt bei Bildung und Betreuung an, geht über Spielplatzentwicklung und das Thema Ortsbild. Wir werden mit den Einnahmen konservativ planen.
Warum sind Sie so gern Bürgermeister in Hardthausen?
Einfalt: Das, was man sich vorgestellt hat, wie es ist, hier Bürgermeister zu sein, hat sich bewahrheitet. Man ist toll aufgenommen worden, hat ein schönes Miteinander. Das Schöne an einer kleinen Gemeinde ist, dass die Menschen einen einfach morgens beim Bäcker ansprechen und man über Probleme ganz normal diskutieren kann. Man kann nah an den Menschen dran sein, die auch kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie mit mir reden. Das gefällt mir, das ist gut, das ist bodenständig, das ist ehrlich und manchmal auch direkt, aber da passen wir sehr gut zusammen.
Hardthausener sind Sie aber noch nicht, oder?
Einfalt: Noch habe ich die doppelte Staatsbürgerschaft - die Neuenstädter und die Hardthäuser. Aber die Neuenstädter werde ich im Februar aufgeben, wenn wir hoffentlich unser Haus beziehen können.

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