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Hardthausen
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Der Harthäuser Wald ist kein Wald wie jeder andere

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Die Gemeinde Hardthausen hat als einzige im Landkreis einen eigenen Forstrevierleiter. Der hat es im Harthäuser Wald mit Besonderheiten wie Windräder und Triebwerksversuchen zu tun.

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Windräder gehören inzwischen zum Bild des Harthäuser Walds dazu. Sie beeinflussen aber auch die Arbeit an Bäumen und Wegen. Fotos: Katharina Müller
Windräder gehören inzwischen zum Bild des Harthäuser Walds dazu. Sie beeinflussen aber auch die Arbeit an Bäumen und Wegen. Fotos: Katharina Müller  Foto: Müller, Katharina

Mit dem Harthäuser Wald hat Theo Zinser ein Forstrevier mit vielen Besonderheiten zu verwalten. Der 60-Jährige ist aber auch selbst eine Rarität - zumindest für die Gemeinde Hardthausen. Denn keine andere Kommune im Landkreis hat einen eigenen Forstrevierleiter. Diese Position hat seit 30 Jahren Theo Zinser inne und kümmert sich um rund 1000 Hektar Wald - 700 gehören der Gemeinde, 300 der Familie von Graevenitz. Da auf dieser Fläche auch Windräder und das Raumfahrtzentrum stehen, hat Zinser mit Aufgaben und Themen zu tun, die nicht in jedem Wald vorkommen.

Windpark hat Priorität

Was die Windräder angeht, die auf Hardthausener Gemarkung stehen, gilt es, die Wege dorthin immer frei zu halten. Zum Beispiel für Reparaturarbeiten müssten die Windräder immer erreichbar sein. Deshalb gilt bei Stürmen, die immer häufiger vorkommen, dass neben dem Freiräumen von Straßen auch die Wege zum Windpark Priorität haben, erläutert Zinser.

Aber auch beim Fällen im Wald beeinflussen die Windräder die Arbeit. Die Schlagschatten der Rotoren haben dem ein oder anderen Forstarbeiter schon einen riesen Schreck versetzt. "Das sieht aus, als falle ein Baum um", erzählt Zinser. Bei Arbeiten mit Gehörschutz und Schutzbrille sei das nicht ohne. Im Winter kann zudem Eis von den Rotoren fallen, weshalb auf vielen Schildern im Harthäuser Wald vor "Eiswurf" gewarnt wird.

Gefährlich wäre es für Waldarbeiter und Fußgänger auch, wenn sie sich bei Tests des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu nah an den Prüfständen befinden würden. "Allein der Lärm wäre tödlich", berichtet Zinser. Deshalb werde er zuvor informiert und müsse dafür sorgen, dass keine Arbeiter in der Nähe sind. Schranken und die Feuerwehr des DLR sorgen für zusätzliche Sicherheit. Dafür müsse er auch schon mal seinen Zeitplan umstellen, aber die Kommunikation funktioniere gut, betont der Förster.

Forstrevierleiter Theo Zinser pflanz alternative Baumarten wie den Speierling, um den Wald gut für die Zukunft zu wappnen.
Forstrevierleiter Theo Zinser pflanz alternative Baumarten wie den Speierling, um den Wald gut für die Zukunft zu wappnen.  Foto: Müller, Katharina

Den Zustand des Harthäuser Waldes in Zeiten des Klimawandels ordnet Zinser in der Mitte ein - nicht gut, aber auch nicht schlecht. Ein Vorteil sei, dass der Wald auf Lössboden stehe, der Feuchtigkeit aufnehme und wieder abgebe. Nach zwei sehr trockenen Jahren nütze aber auch das nicht mehr viel. Deshalb nähmen jetzt auch die Schäden am Laubholz zu.

Ohnehin sehr hohe Schäden verzeichne er beim Nadelholz. "Der Harthäuser Wald hat im nordöstlichen Landkreis den höchsten Fichtenanteil", sagt Zinser. Die meisten Bäume seien um die 70 Jahre alt, wurden also nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt. Bei den Fichten hat der Borkenkäfer leichtes Spiel und sorgt für extreme Schäden.

Keine Pestizide seit 20 Jahren

Deshalb werden auch im Harthäuser Wald, dort wo Fichten sterben, Laubbäume nachgepflanzt. An anderen Stellen setzt Zinser auf Naturverjüngung. So wachsen zwischen den großen Bäumen junge nach und sorgen dadurch für ein gutes Waldklima. "Der Wind kann so nicht durchpfeifen, die Feuchtigkeit bleibt im Wald", erläutert der Fachmann. In seinem Forstrevier werde außerdem seit 20 Jahren nicht mehr mit Pestiziden gearbeitet. "Wir versuchen, logistische Lösungen zu finden." Das heißt, dass das Borkenkäferholz schnellstmöglich abtransportiert wird. Wenn das allerdings nicht möglich sei, müsse man mit gewissen Schäden leben.

Zinser macht aktuell aber auch auf eine positive Entwicklung aufmerksam. Manche Bäume im Harthäuser Wald seien durch den Regen der letzten Tage noch einmal grün geworden. Sie werden ihr Laub doch noch etwas länger behalten als gedacht. Trotzdem musste in diesem Jahr schon viel mehr Holz geschlagen werden als normal - sogar im Frühjahr und Sommer. Dabei sei die traditionelle Holzerntezeit im Winter.

Einsatz für Unken

Kleine Wasserstellen sind lebenswichtig für die Gelbbauchunke.
Kleine Wasserstellen sind lebenswichtig für die Gelbbauchunke.  Foto: Müller, Katharina

Zu den Besonderheiten im Harthäuser Wald gehört das aktive Engagement der Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald, wie Theo Zinser berichtet. Sie hätten sich zum Beispiel den Schutz der Gelbbauchunke auf die Fahnen geschrieben. Die Unken brauchen für ihren Laich temporäre Gewässer, die immer weniger werden. Zinser erklärt, dass die Pfützen und Furchen früher zum Beispiel durch schwere Fahrzeuge entstanden sind.

Um den Waldboden zu schonen, wird das Gewicht heute auf mehr Achsen verteilt. Die Löcher für die Unken werden jetzt teils künstlich angelegt und alle paar Jahre erneuert, erklärt Zinser. Bis der Harthäuser Wald einmal komplett durchforstet sei, vergingen ohnehin rund fünf Jahre. Im Zuge dessen lege man auch immer neue Wasserstellen für die Unken an.

 
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