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In den Highlands der Deutschordensstadt

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Die Höchstberger Paniker feiern im kommenden Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Der rührige Verein erinnert sich gerne zurück: Die Aktiven denken dabei vor allem an die Einladung von Rock-Idol Udo Lindenberg.

Von Ute Plückthun
Früher eingefleischte Udo-Fans, jetzt mit breitem Programm: Im kommenden Jahr besteht der Panikerclub seit 40 Jahren und vereint Jung und Alt im Ort.
Foto: Ute Plückthun
Früher eingefleischte Udo-Fans, jetzt mit breitem Programm: Im kommenden Jahr besteht der Panikerclub seit 40 Jahren und vereint Jung und Alt im Ort. Foto: Ute Plückthun  Foto: Plückthun, Ute

Udo macht sein Ding. Und das nicht erst im aktuellen Kinofilm, sondern schon sein ganzes Leben lang. Dass der Deutschrocker mit seinem Panikorchester eine geniale Bühnenshow ablieferte, "vor allem aber, dass er schon immer ein bisschen anders war als die anderen, ein Revoluzzer", das hat die Höchstberger Paniker voll angetörnt. Gegründet 1981 als Fanclub von ein paar Jugendlichen, feiert der eingetragene Verein 2021 seinen 40. Geburtstag. Vorsitzender Matthias Lang staunt: "Dass wir so lange durchhalten, hätte wohl niemand gedacht."

Angst vor Kuttenträgern

An die Anfänge des Panikerclubs erinnert sich der 54-Jährige, der kurz nach der Gründung dazugestoßen ist, lachend: "Wenn wir uns früher bei Ausflügen in einer Wirtschaft angemeldet haben, wurde oft doppelt geprüft, wer wir eigentlich sind." Angesichts des Namens und der Udo-Kutten hätten doch einige Schiss vor dem vermeintlichen Chaotenclub bekommen: Und das, "obwohl wir herzensgute Leute sind", versicherte er.

An die alten Zeiten erinnert das vergrößerte Farbfoto, das eine Wand des Vereinsheims ziert: die im Bus angereisten Paniker 1984 vor dem Konzert in der Stuttgarter Schleyerhalle und Udo mittendrin. "Wir hatten ihn angeschrieben, dass wir voll die Fans sind, und er hat uns eine Einladung geschickt", erzählt der Vorstand. Die rote Rückantwort im Umschlag aus dem Hotel Inter-Continental samt Zeichnung kam prompt und ist sorgfältig aufbewahrt: "Hallo liebe Paniker, kommt am besten ca. 17-18 Uhr in die Halle zum Soundcheck. Gut möglich, dass wir da die Zeit finden, uns"n paar Takte zu unterhalten."

Vor einem Konzert 1984 gehen die Paniker auf Tuchfühlung mit ihrem Idol. Auf den versprochenen Gegenbesuch warten sie allerdings bis heute.
Fotos: privat
Vor einem Konzert 1984 gehen die Paniker auf Tuchfühlung mit ihrem Idol. Auf den versprochenen Gegenbesuch warten sie allerdings bis heute. Fotos: privat  Foto: privat

Eine Scheune in Höchstberger Ortsrandlage fungierte bald als Treffpunkt. "Wir sind zum Bürgermeister und haben gesagt, dass wir ein Clubheim brauchen", erinnert sich Matthias Lang. Die Stadt hat das Grundstück von einem Landwirt erworben und der Club hat die Scheune in Eigenregie ausgebaut. Heute steht das gemauerte und mit vereinten Kräften unterkellerte Vereinsgebäude schmuck da: Der Stil mit viel Eiche rustikal und dunklen Decken ist nach zwischenzeitlicher Modernisierung von hellen Räumen, modernen Möbeln und einer Bar abgelöst, entworfen in einem Projekt der Bauzeichner von der Heilbronner Johann-Jakob-Widmann-Schule, das Matthias Lang als Lehrer an der benachbarten Maybachschule an Land gezogen hat.

Udo mit Schlapplippe als Karikatur haben Agnes Zink und ihre Tochter Janina auf grünen Grund gezaubert. Im Keller haben "Technix" und "Wirtsnix", wie Technik-und Wirtschaftsteam heißen, Platz.

Cool und ein bisschen unangepasst

Für echte Paniker eine echte Reliquie: eine persönliche Einladung von Udo.
Für echte Paniker eine echte Reliquie: eine persönliche Einladung von Udo.  Foto: privat

"Um das kulturelle Leben aufzumischen" sind die Vereinsaktivitäten cool und auch ein bisschen unangepasst geblieben. Oder, wie es die Satzung formuliert: um "die Höchstberger Jugend aus der Isolation zu führen". So machten die Mitglieder 25 Jahre lang bis 2011 ihr Ding beim Schefflenztal-Open-Air mit Bands und bis zu 1500 Besuchern.

Die panischen Sommerfeste mit Highlandgames, zu denen Disziplinen wie Baumstammwerfen oder Bungee-Running gehören, gehen vom 15. bis 16. August in die neunte Runde.

Eingeführt wurden sie unter Matthias und Manuel Lang, die heute noch gemeinsam den Vorsitz innehaben. Was Manuel Lang, den 35 Jahre alten Paniker der neuen Generation, der kein ausgesprochener Udo-Fan ist, am Club begeistert, ist die Gemeinschaft und dass man sich als Jugendlicher mit eigenen Ideen verwirklichen und sein Ding machen kann. Freunde, Bruder und Schwester waren dabei: "Da ist was geboten, wenn man 14 oder 15 ist."

Konzerte sind für Mitglieder der ersten Stunde noch immer Pflicht. Auf einen Besuch vom Panikrocker warten sie aber heute noch. Bis dahin gibt es nur einen Udo in Höchstberg: "Richie" Richard Rittenauer, der als einzig wahres Höchstberger Double mit Hut, angeklebten Haaren und Sonnenbrille fast so cool rüberkommt wie das Original.

 

Der Verein

Was mit rund zehn jugendlichen Gründern angefangen hat, wurde zur Massenbegeisterung: Heute zählt der Panikerclub 120 Aktive, von ganz jung bis fast ins Rentenalter, und 50 Jugendliche, rund ein Drittel davon Frauen. Feste Öffnungszeiten wie früher mittwochs und freitags gibt es zwar nicht mehr. Dafür stehen neben Sommerfest mit Highlandgames, Bergfest an Fronleichnam oder 80er/90er Party zwölf weitere Veranstaltungen im Terminkalender - zum Beispiel eine Motto- oder Likörchenparty, Superbowl, Weißwurstfrühstück, Binokelturnier oder eine Besenwanderung.

 
 
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