Stimme+
Gundelsheim
Lesezeichen setzen Merken

Eine Stadt, die von ihren Vereinen lebt

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Gundelsheim ist eine Stadt mit einer langen Geschichte - und einem regen Vereinsleben. Momentan veranstaltet der Carneval-Verein wieder seine Prunksitzungen in der Faschingshochburg am Neckar.

von Michael Schwarz
   | 
Lesezeit  3 Min
Die Altstadt Gundelsheims mit ihren engen Gassen zeugt von einer Jahrhunderte alten Geschichte. Heute befinden sich hier unter anderem etliche Gastronomiebetriebe. Foto: Michael Schwarz
Die Altstadt Gundelsheims mit ihren engen Gassen zeugt von einer Jahrhunderte alten Geschichte. Heute befinden sich hier unter anderem etliche Gastronomiebetriebe. Foto: Michael Schwarz  Foto: Schwarz, Michael

Wer durch die Gundelsheimer Innenstadt schlendert, kommt sich vor, als wäre die Zeit stehen geblieben. Mit ihren alten Fachwerkhäusern und engen Gassen ist die Deutschordensstadt immer einen Besuch wert. Sie ist im Jahr 767 - damals noch als kleine Siedlung - unter dem Namen Gundolfsheim erstmals urkundlich erwähnt worden.

Zwölf Stadtführer in Gundelsheim

Einer, der jede Ecke Gundelsheims kennt und historisch die Höhen und Tiefen der Kommune am Neckar quasi per Knopfdruck wiedergeben kann, ist Leo Achtziger. Als einer von zwölf Stadtführern zeigt er Besuchergruppen seinen Heimatort. Bis zu 25 Personen können an einer Führung teilnehmen. Er habe zwar Gruppen aus ganz Deutschland, die meisten kommen aber aus Baden-Württemberg, sagt Achtziger. "Es nehmen verschiedenste Gruppen teil - von Firmen bis hin zu Junggesellenabschieden", so der Gundelsheimer weiter.

Das Schloss Horneck ist das Wahrzeichen Gundelsheims − und Anziehungspunkt für viele Besucher. Foto: Michael Schwarz
Das Schloss Horneck ist das Wahrzeichen Gundelsheims − und Anziehungspunkt für viele Besucher. Foto: Michael Schwarz  Foto: Schwarz, Michael

Jede Menge Sehenswertes

Achtzigers Route verläuft meist entlang der 17 Stationen des historischen Pfads, der die prägnantesten Punkte in der Gundelsheimer Altstadt ansteuert. Der Weg beginnt an der katholischen Stadtpfarrkirche und macht unter anderem Halt am Siebenbürgischen Museum, dem Stadtbrunnen, dem Bildstock von Erzengel St. Michael und natürlich am Schloss Horneck, dem Anziehungspunkt der Stadt.

Carneval-Verein in der Deutschmeisterhalle

Eine Station des historischen Pfads ist auch die Deutschmeisterhalle. Früher war sie die Kelter des Deutschen Ordens, in der die Winzer ihre Weintrauben anlieferten. 1983 wurde sie dann zur Veranstaltungshalle umgebaut - und ist heute der Ort, an dem der Carneval-Verein beheimatet ist.

Hans-Peter Bechtold ist seit 13 Jahren Präsident des Carneval-Vereins. Foto: Michael Schwarz
Hans-Peter Bechtold ist seit 13 Jahren Präsident des Carneval-Vereins. Foto: Michael Schwarz  Foto: Schwarz, Michael

Doch warum ist Gundelsheim eine Narrenhochburg? Auch hier weiß Achtziger Bescheid. Bereits Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sollen die Gurken-Fabrikanten Theresia und Wilhelm Kühne aus Berlin zur Kur ins Schloss Horneck gekommen sein. In Gundelsheim kauften sie die Gurkeneinlegerei Ziegler. Theresia stammte aus Mainz und hatte gute Kontakte zur dortigen Karnevalsgesellschaft.

Und: Ihre Tochter war noch vor dem Zweiten Weltkrieg Faschingsprinzessin in Mainz. Auch Gundelsheimer Delegationen besuchten regelmäßig den Mainzer Fasching, fanden gefallen daran und trugen 1962 die erste Prunksitzung in Gundelsheim aus. So weit die Überlieferung, die Achtziger bekannt ist.

Über den Autor

Michael Schwarz ist Korrespondent im Stuttgarter Büro der Heilbronner Stimme und hat im Rahmen der Aktion 50-50 das Los für den Ortsspaziergang in Gundelsheim gezogen. Hintergrund ist ein anderer Blick auf den Ort. Zuständig für Gundelsheim ist Redakteurin Kirsi-Fee Rexin.

Bechtold seit 13 Jahren Präsident

Heute ist Hans-Peter Bechtold Präsident des Gundelsheimer Carneval-Vereins. Momentan hat er wieder alle Hände zu tun, schließlich ist die Zeit der Prunksitzungen. Drei Termine sind schon vorbei, fünf stehen noch an. Bechtold, der seit 13 Jahren den Verein leitet, steht auf der Bühne der leeren Halle. Laufen hier die Sitzungen, haben bis zu 500 Gäste Platz. "Wir haben in einem Jahr in der Regel immer das gleiche Programm", sagt er. Kleine Abweichungen natürlich inbegriffen. Wie groß die Bedeutung der fünften Jahreszeit ist, zeigen die Zahlen: Rund 7300 Einwohner hat Gundelsheim mit seinen Teilorten, 1100 Mitglieder zählt der Verein.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - die alte Fußball-Weisheit von Sepp Herberger gilt auch für Bechtolds Tätigkeit. "Die Organisation für die Prunksitzungen läuft über das ganze Jahr", erklärt er. Dazu kämen noch Sitzungen für Senioren, Kinder, der Rosenmontagsball und der große Umzug am 24. Februar, mit dem die Faschings-Saison dann endet.

Umzug mit einem guten Zweck

Wer den Umzug in diesem Jahr besucht, muss drei Euro Eintritt bezahlen. Davon kommt ein Euro einem guten Zweck zugute: Mit dem Geld werden die Sportfreunde Tiefenbach unterstützt. Das Sportheim in dem 630-Seelen-Ort, der seit der großen Gemeindereform im Südwesten im Jahr 1971 zu Gundelsheim gehört, ist Ende November vergangenen Jahres komplett abgebrannt.

Auch die angebaute Turnhalle wurde vom Feuer erfasst, das durch einen technische Defekt verursacht wurde. Für Schlagzeilen sorgte nicht nur der Brand selbst, sondern auch die anschließende Solidarität der umliegenden Vereine, die die Sportfreunde finanziell unterstützten. "Das war überwältigend", sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Birn.

Ende November vergangenen Jahres ist im Stadtteil Tiefenbach das Sportheim mit der angebauten Halle abgebrannt. Umliegende Vereine unterstützten die Tiefenbacher danach mit Spenden. Foto: Michael Schwarz
Ende November vergangenen Jahres ist im Stadtteil Tiefenbach das Sportheim mit der angebauten Halle abgebrannt. Umliegende Vereine unterstützten die Tiefenbacher danach mit Spenden. Foto: Michael Schwarz  Foto: Schwarz, Michael

Abgebrannt sind nicht nur Gaststätte und Halle, sondern auch alles, was in dem Gebäude gelagert wurde - von Turnmatten bis hin zu den Utensilien der Theatergruppe, die in der Halle probte und spielte. Die Polizei ging zunächst von einem Gesamtschaden von bis zu 600.000 Euro aus. Ob diese Summe tatsächlich zutrifft, vermag niemand in Tiefenbach vorherzusehen. "Die Versicherung beschäftigt sich gerade noch damit", sagt Birn.

Sportheim soll wieder aufgebaut werden

Im Laufe des Februars könnte mit dem Abriss des Sportheims und der Halle begonnen werden, lauten die Hoffnungen in Tiefenbach. Bis alles wieder aufgebaut ist, müssen Turngruppen und auch die Theater-Mitglieder in Hallen der umliegenden Orte unterkommen. Wie wichtig der Wiederaufbau für die Gemeinschaft in Tiefenbach ist, zeigt die Tatsache, dass hier drei von vier Einwohnern Mitglied bei den Sportfreunden sind. Ein reges Vereinsleben herrscht auch in den anderen Stadtteilen Gundelsheims.

Elvira Gärtner arbeitet seit 33 Jahren in der Stadtbücherei, die sich im Gundelsheimer Rathaus befindet. Über 12.000 Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs können dort ausgeliehen werden. Foto: Michael Schwarz
Elvira Gärtner arbeitet seit 33 Jahren in der Stadtbücherei, die sich im Gundelsheimer Rathaus befindet. Über 12.000 Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs können dort ausgeliehen werden. Foto: Michael Schwarz  Foto: Schwarz, Michael

Stadtbücherei mit rund 12.000 Medien

Zurück in den Hauptort. Im Rathaus befindet sich die Stadtbücherei. Rund 12.000 Medien gibt es hier. Die Bücherei ist seit 33 Jahren der Arbeitsplatz von Elvira Gärtner, die sich die Arbeit mit Jennifer Kühn teilt. "Vor allem Kinder kommen zu uns", sagt Gärtner. Ein Anziehungspunkt für Kinder im Sommer ist auch das Terrassenfreibad, das wegen seiner Lage auf einer Anhöhe inmitten eines Wohngebietes eine Besonderheit ist. Denn: Wer das Freibad besucht, hat einen fast so schönen Blick auf das Neckartal wie vom unweit entfernten Schloss.

Kommentare öffnen
  Nach oben