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Interview
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Ideengeber, Antreiber, Arbeiter

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Timo Wolf ist Bürgermeister von Gemmingen. Er arbeitet dort. Er ist zusammen mit seiner Familie dort aber auch zu Hause. Im Interview erzählt er von Lieblingsplätzen, dem Verhältnis der Ortsteile zueinander und von Verkehrsproblemen.

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Timo Wolf, Bürgermeister von Gemmingen, an einem seiner Lieblingsplätze: dem Schlosspark im Kernort. Dürfte er einen Lieblingsplatz in Stebbach aussuchen, würde er das Landschaftsschutzgebiet Schomberg-Streichenberg wählen.
Foto: Plapp-Schirmer
Timo Wolf, Bürgermeister von Gemmingen, an einem seiner Lieblingsplätze: dem Schlosspark im Kernort. Dürfte er einen Lieblingsplatz in Stebbach aussuchen, würde er das Landschaftsschutzgebiet Schomberg-Streichenberg wählen. Foto: Plapp-Schirmer  Foto: nicht angegeben

Herr Wolf: Was gefällt Ihnen an Gemmingen?

Wolf: Gemmingen ist ein sehr attraktiver Wohnort mit allem, was man an öffentlicher und privater Infrastruktur braucht. Die Menschen nehmen einen offen und interessiert an. Gemmingen ist eine Gemeinde, in der das soziale Miteinander stimmt.

 

Das passt auch zu Ihnen als Person?

Wolf: Ja. Ein Umfeld, in dem man konstruktiv und miteinander in die Zukunft arbeitet, ist für alle Seiten einfacher. Und das ist hier seit vielen Jahren so.

 

Betrifft das auch das Verhältnis der beiden Ortsteile Gemmingen und Stebbach zueinander?

Wolf: Im Großen und Ganzen sind Gemmingen und Stebbach sehr eng verbunden. Wie gut die beiden Orte zusammengefunden haben, hat man aber im Jubiläumsjahr 2019 gesehen. Gemmingen wurde 1250 Jahre alt - und Helfer, Ideengeber und viele Fördervereinsmitglieder, die Vereine und die Besucher kamen aus beiden Ortsteilen. Das Jubiläumsjahr war ein gemeinsames Fest.

 

Gemmingen hat aktuell 5301 Einwohner und ist in den zurückliegenden Jahren überproportional gewachsen. Woran liegt das?

Wolf: Wir liegen verkehrsgünstig, haben eine weiterführende Schule, attraktive Kindergärten, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten und ein eigenes Freibad. Seit 2005 haben wir innerörtlich nachverdichtet, also auch attraktiven Wohnraum geschaffen.

 

 

Wie hat sich der Ort durch diese Nachverdichtung optisch verändert?

Wolf: Gemmingen hat in den 1980er Jahren eine Sanierung durchlaufen. Da ist viel ältere Bausubstanz weggefallen. Damals entstand schon ein modernes Ortsbild. Die Nachverdichtung sorgt nun dafür, dass auch Mehrfamilienhäuser hinzugekommen sind: Wir haben ein etwas städtischer geprägtes Bild.

 

Wenn ich an das Pflegeheim und die betreuten Seniorenwohnungen denke, dann können Sie in Gemmingen allen Generation was anbieten?

Wolf: Wir haben uns bereits Mitte der 2000er Jahre mit dem demografischen Wandel beschäftigt und im Gemeinderat lange diskutiert, was das für uns bedeutet. Schließlich haben wir für alle Generationen was getan: das Kindergartenangebot geändert, die öffentliche Infrastruktur barrierefrei gemacht, dafür gesorgt, dass junge Familie herkommen. Mit dem Bau des Pflegeheims und des betreuten Wohnens haben wir zugleich den Rathausplatz geschaffen. Der wird für Veranstaltungen genutzt. Also haben wir hier Städtebau betrieben und eine wertvolle Einrichtung geschaffen.

 

Jetzt gibt es im Ort einen Wermutstropfen - und das ist der Verkehr.

Wolf: Ja. Das ist tatsächlich das größte Problem. Für die Einzelhändler ist der Verkehr positiv, das darf man nie verkennen. Aber die 40-Tonner, die zur Autobahn fahren, die sind seit Jahren das Problem, das wir nicht gelöst bekommen, obwohl wir mit Eppingen und Ittlingen im Schulterschluss vorangehen. Doch beim Land gibt es keine Bereitschaft.

 

Warum nicht?

Wolf: Schwer zu sagen. Am Anfang war es das fehlende Geld, dann war es die fehlende Priorisierung. Dann hat man uns Hoffnungen gemacht und wir haben Geld für Planungen ausgegeben. Heute ist es wohl so, dass die Paradigmen gewechselt haben und die Versiegelung der Natur stärker gewertet wird als der Schutz der Bevölkerung vor Verkehrslärm.

 

Bei einem anderen Thema waren Sie erfolgreicher: Stichwort Schule. Die sollte 2009 geschlossen werden. Heute ist die Wolf-von-Gemmingen-Schule eine der erfolgreichsten Gemeinschaftsschulen im Kreis Heilbronn.

Wolf: Schulleiter Helmut Thomaier, die Schulgemeinde, der Gemeinderat und ich haben immer schon an der Attraktivität der Schule gearbeitet. Dennoch stand diese 2009 mit 109 Schülern in der Sekundarstufe vor dem Aus. Wir haben dann den damals schon eingeschlagenen Gemminger Weg mit der Verknüpfung zu den Berufsschulen und zu Betrieben ausgebaut. Heute werden dort in der Sekundarstufe weit über 300 Schüler unterrichtet. In der gesamten Schule sind es 530 Kinder.

 

Was wünschen Sie sich für die beiden Orte? Wie geht es weiter?

Wolf: Ich wünsche mir für beide Orte, dass wir unser Sozialgefüge in der Form erhalten können. Und es aber auch durch Zuzug noch bereichern werden, denn mit 5300 Einwohnern sind wir grenzwertig, um unsere Infrastruktur in Zukunft erhalten zu können. Also müssen wir geordnet wachsen.

 

Und wo sehen Sie sich in dieser Entwicklung?

Wolf: Als Ideengeber, als Antreiber, als Arbeiter und als Teil eines Teams. Wir arbeiten kooperativ zusammen mit unseren Bürgern, mit der Verwaltung und insbesondere auch mit dem Gemeinderat.

 

Zur Person

Timo Wolf ist 47 Jahre alt und in Hüffenhardt geboren und aufgewachsen. Nach der Fachhochschulreife schlug er die Verwaltungslaufbahn ein und ist seit 2001 Bürgermeister der Gemeinde Gemmingen. Mit seinen Kollegen Klaus Holaschke, dem Oberbürgermeister der Stadt Eppingen, und Kai Kohlenberger, Bürgermeister von Ittlingen, arbeitet Wolf in der Verwaltungsgemeinschaft eng zusammen. Wie sein Namenvetter Timo Wolf, Bürgermeister von Wüstenrot, ist Timo Wolf als Kreisrat Mitglied der Freien-Wähler-Fraktion.

 
 
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