Die Toskana liegt im Herzen des Kraichgau
Eine Bauernfamilie sorgt in Gemmingen mit ihrem Hofcafé für südliches Flair. Dem Hofladen, der mit dem Café in einem schmucken Pavillon untergebracht ist, beschert es trotz etwas abgelegener Lage stetigen Zulauf. Derzeit muss das Café wegen Corona pausieren.

Flirrende Hitze auf grob behauenen Steinplatten, Zypressen, Blüten, soweit das Auge reicht: Auf der Terrasse des Hofcafés Toskana in Gemmingen hat man an sonnigen Tagen tatsächlich das Gefühl, im Süden zu sein. Dabei handelt es sich um eine besondere Form der Direktvermarktung: Baden-Württembergs erstes bäuerliches Hofcafé. Normalerweise werden hier Kuchen und Torten gereicht, die Inhaberin Adelheid Schukraft und eine Helferin in liebevoller Handarbeit selbst herstellen. Wegen der aktuellen Corona-Krise muss das Café bis auf Weiteres geschlossen bleiben.
Das Toskana in Gemmingen ist ein Hofcafé mit Hofladen. Doch eins nach dem anderen. Familie Schukraft, eine Bauernfamilie in vierter Generation, hatte ihren Bauernhof samt Hofladen ursprünglich im Ort selbst. Dort wurde es zu eng, 1978 siedelt der Familienbetrieb teilweise in die Schleifweghöfe aus. 1982 zieht die Familie dann in das neu errichtete Wohnhaus in den Schleifweghöfen nach. In dieser Zeit wird auch der Legehennenstall neu gebaut.
Die Schleifweghöfe werden die neue Adresse
Am ursprünglichen Standort in Gemmingen hatte es bereits einen Hofladen gegeben. "Nachdem meine Schwiegereltern gestorben waren und wir als Bauernfamilie ausgesiedelt waren, konnte der Hofladen im Ort nicht mehr gehalten werden", erläutert Adelheid Schukraft.
Der neue Standort in den Schleifweghöfen wird weiter modernisiert: 1996 und 1997 werden die Maschinenhalle und der Legehennenstall neu gebaut, 2004 tritt Sohn Michael als Gesellschafter in die elterliche GbR mit ein.
Für Familie Schukraft ist dies der richtige Zeitpunkt, um mit einem weiteren Standbein durchzustarten. Adelheid Schukraft entscheidet, für den Hofladen, der nun nicht mehr im Ort fußläufig erreichbar ist, ein besonderes Marketingmittel einzusetzen: Die Kunden, darunter traditionell viele Gemminger, sollten durch kulinarische Genüsse zum Aussiedlerhof gelockt werden. "Aus damaliger Sicht eine Schnapsidee", meint die Caféinhaberin rückblickend. 2005 schon wird mutig geplant. Es trifft sich gut, dass Tochter Sabine als angehende Innenarchitektin die Bauzeichnungen für einen spektakulären Pavillon anfertigen kann. Auch das Außengelände planen die Schukrafts selbst. "Toskana": Auf den Namen kam Adelheid Schukraft, als sie in einer Broschüre las, der Kraichgau sei die Toskana Süddeutschlands. Und Urlaubsgefühle zu verbreiten war auch das erklärte Ziel der Neu-Gastronomin. Alles passte also.
Was aus der "Schnapsidee" geworden ist

2006 dann die Eröffnung. Adelheid Schukraft staunt, wie gut ihre "Schnapsidee" sofort ankam. Bis heute, wenn nicht gerade Corona-Krise ist, besuchen zahlreiche Gäste das Café. Und beinahe alle nehmen etwas aus dem Laden mit. Da das Hofcafé an dem Kraichgau-Radweg liegt, kommen auch viele Gäste auf zwei Rädern vorbeigerollt. Als Mitglied der Touristikgemeinschaft Heilbronner Land gilt das "Toskana" inzwischen als Adresse für Gäste aus Nah und Fern.
Sechs Mal bereits hat Familie Schukraft an der Aktion "Gläserne Produktion" teilgenommen. Auf dem Hof werden 20 000 Legehennen und 420 Mastschweine gehalten. Das Futter stammt aus eigenem Anbau. Zu diesem Zweck hat die Familie im Jahr 2000 das Hofgut Schomberg dazu gepachtet. Als Ackerfrüchte werden unter anderem Weizen, Gerste, Mais und Zuckerrüben angebaut.
Wie der Betrieb die Corona-Krise meistert
Die Schweine werden vor Ort in der Metzgerei Pfenninger weiterverarbeitet. Die fertigen Produkte sind natürlich im Hofladen der Familie erhältlich.
Wie der Familienbetrieb die Corona-Krise meistert? Nach Ansicht von Adelheid Schukraft bisher gut. Die ausbleibenden Einnahmen des Hofcafés würden durch ein deutliches Absatzplus im Hofladen wie auch bei den 3000 Lieferkunden ausgeglichen: "Im Moment sind wir ausverkauft."

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