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Eine ewige, grün-weiße Liebe

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Die Handballer des TV Flein sinnd ein Stück der Gemeinde-DNA und haben eine stolze Historie. Die jüngste Vergangenheit war zwar weniger erfolgreich, aber die Trendwende scheint geschafft.

von Dominik Knobloch und Stephan Sonntag
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1952 gewannen die Fleiner um Kurt Wieland (li.) und Willi Lutz (re.) die Kreismeisterschaft. Im Finale wurde der TSB Horkheim mit Friedrich Kühner bezwungen.
Foto: TV Flein
1952 gewannen die Fleiner um Kurt Wieland (li.) und Willi Lutz (re.) die Kreismeisterschaft. Im Finale wurde der TSB Horkheim mit Friedrich Kühner bezwungen. Foto: TV Flein  Foto: diverse

Handball hat in Flein seit jeher verbindenden Charakter. Mitunter hilft der Sport schonmal, etwas hurtiger vor dem Traualtar zu stehen. Zumindest war es bei Krunoslav Jelinic so. Der Mann, der die sportliche Entwicklung des TVF in den vergangenen beiden Jahrzehnten immer wieder maßgeblich geprägt hat, stand Anfang der 2000er vor einem Dilemma. Einst im Bottwartal am Ball, verguckte er sich nach einer neuerlichen Rückkehr aus der kroatischen Heimat nicht nur in die alte Liebe Württemberger Handball, sondern auch in ein Beilsteiner Mädchen. Was zu seinem Glück fehlte, war eine Aufenthaltsgenehmigung.

Die einzige Chance, die Wolfgang Wörner bei einem Gespräch mit dem potenziellen Fleiner Zugang Jelinic und seiner Nadine damals sah: "Ihr heiratet." Etwa ein halbes Jahr später war der kühne Vorschlag des einstigen sportlichen Leiters von dem jungen Paar in die Tat umgesetzt. Eine gute Entscheidung. Denn aus der Blitz-Ehe ist bis heute eine glückliche Familie mit zwei Kindern entstanden.

Großer Fortschritt: Trainieren auf einem Asphaltplatz

Es ist eine Anekdote, die Wörner mit Blick auf die Fleiner Handball-Historie gerne erzählt. Die lange Geschichte des TVF reicht weiter zurück. Sie beginnt in den 40er Jahren mehr schlecht als recht. Und ist auch in der Nachkriegszeit nicht immer nur von grün-weißer Liebe geprägt. Ein lange andauerndes Spannungsverhältnis entwickelt sich ebenfalls früh. 1952 erringt die aufstrebende Fleiner Mannschaft in der Sontheimer Halle ihren bis dato größten Erfolg. Nach einem Mammutturnier krönt sie sich zum Kreismeister - mit einem 15:13-Endspielerfolg über den TSB Horkheim.

Härte für die ewige Rivalität mit dem großen Horkheimer Handball-Nachbarn holen sich die Fleiner später auf einem Asphalt-Platz. "Die alte Gemeindehalle war nicht spielfähig. Wo heute die Trainingshalle steht, ist deshalb ein Hartplatz mit einem Handball-Spielfeld gebaut worden - der war asphaltiert", schildert Wolfgang Wörner die spartanischen Zeiten schmunzelnd.

Leistungssportliche Ambitionen tragen Früchte

Krunoslav Jelinic (re.) war eine prägende Figur der vergangenen Jahre.
Krunoslav Jelinic (re.) war eine prägende Figur der vergangenen Jahre.  Foto: diverse

In der Sandberghalle spielt Wörner für seinen TVF erst nach ihrem Bau seit 1973. Hier ist es wiederum eine Verbindung zu Horkheim, die Flein mehr als 20 Jahre später erstmals in Richtung Leistungssport brachte. Der Rumäne Daniel Ene bringt als abgelegter TSB-Ausländer Schwung in den Bezirksliga-Verein. Unter den Trainern Jürgen Kaufmann, Steffen Schulze und Rudolf Wagner trägt die leistungssportliche Ausrichtung Früchte. Im Mai 2006 schafft der Verein mit dem Oberliga-Aufstieg einen Meilenstein. "Etwas Geileres als vor diesem Publikum aufzusteigen, kann man sich nicht vorstellen", jubelte damals Torhüter Alex Rieck.

Da Rivale Horkheim ein Jahr zuvor in die Oberliga abgestiegen war, kommt es in den folgenden zwei Saisons zu heißen Duelle, an deren Ende der Sieger immer TSB heißt. 2008 trennen sich die Wege wieder, der TSB steigt auf, die Fleiner ab. "Obwohl wir in dem Jahr wahrscheinlich die beste Mannschaft der Vereinsgeschichte hatten, aber wir waren vom Verletzungspech verfolgt", erinnert sich Wörner.

Spieler-Eklat mit dramatischen Folgen

2013 gelingt ein zweites Mal der Sprung in die viert-höchste Spielklasse. Doch auf das "Freudenfest in Grün-Weiß", wie die Stimme titelt, folgt die bitterste Zeit der Vereinsgeschichte. Nach einem enttäuschenden Saisonstart kommt es zum Eklat. Acht Spieler verlassen knall auf Fall den Verein. "Das war ein düsteres Kapitel und ein herber Einschnitt. Im Nachhinein sind viele Dinge bereinigt worden und wir haben unsere Lehren daraus gezogen", sagt Abteilungsleiter Ralf Pitzke. Die Auswirkungen des Aderlasses führen 2017 zum Abstieg in die Landesliga. Dort hat sich der Verein konsolidiert und ist 2020 in die Verbandsliga aufgestiegen.

Das Sonntagsprogramm in Flein

Zwischen 2006 und 2008 standen sich die Lokalrivalen Flein und Horkheim vier Mal in der Oberliga gegenüber. Vier Mal gewann der TSB.
Fotos: Archiv/Veigel
Zwischen 2006 und 2008 standen sich die Lokalrivalen Flein und Horkheim vier Mal in der Oberliga gegenüber. Vier Mal gewann der TSB. Fotos: Archiv/Veigel  Foto: diverse

"Handball hat in Flein nach wie vor einen gesellschaftlichen Stellenwert", sagt Wolfgang Wörner: "Wenn die Leute sonntags in die Halle kommen, ist es ein bisschen Sehen und Gesehen werden. Es kommen Geschäftsleute, Wengerter, Gemeinderäte, es ist ein großes Zusammentreffen." Der Fleiner Sonntag für Pitzke: "Um 13 Uhr hat man gegessen, geht spazieren, kurz auf den Fußballplatz und danach um Fünf zum Handball. Hinterher gibt"s ein Schorle und dann den Tatort."

Während der Talfahrt der Männer feiern die Frauen ihre bisher größten Erfolge. 2019 gelingt der Aufstieg in die Württembergliga. Erstmals spielen die Frauen in einer höheren Klasse als die Männer.

Nächste Saison herrscht wieder Augenhöhe in der Verbandsliga. "Wir werden weiter zweigleisig fahren. Das ist für das Miteinander besser", betont Pitzke und schiebt schmunzelnd nach: "Es ist aber nicht so, dass wir irgendwelche heiratswilligen Spielerinnen suchen."

Hintergrund

Seit 2016 arbeiten die Lokalrivalen TV Flein und TSB Horkheim in der Spielgemeinschaft Jugend Handball Flein-Horkheim (JHFH) zusammen. Die Ambitionen bei der Gründung waren hoch: "Unser Ziel ist es, in allen männlichen Jugendklassen jeweils in der höchsten Liga zu spielen", sagte Fleins Abteilungsleiter Ralf Pitzke damals. Davon ist die JHFH heute meilenweit entfernt. "Wir hinken weit hinterher", gesteht Pitzke offen. Was fehlt, sei eine echte Identifikationsfigur. 

 
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