Ländlicher Charme in Stadtnähe
Erlenbach hat neben Weinbau und vielen Besen auch allerlei Vereine und ein intaktes Gemeinschaftsleben zu bieten.

Gerade einmal sieben Kilometer sind es von Heilbronn in den kleinen Ort Erlenbach. Das Örtchen liegt am Fuße des 319 Meter hohen Kaybergs. Er eignet sich gut, um einen ersten Überblick über den fremden Ort zu bekommen. Es geht über enge serpentinenartige Straßen, die links und rechts von Weinstöcken gesäumt sind, erstmal hoch auf den Berg.
Trotz des heißen Sommertages weht hier oben ein laues Lüftchen. Unten sieht man einige alte Fachwerkhäuser, die Kirchen St. Michael in Binswangen und St. Martinus in Erlenbach und die angrenzende Autobahn. Auch das Rauschen der Autos, die dort in langen Schlangen entlangfahren ist zu hören. Wie das wohl unten im Ort ist? Zeit, das herauszufinden.
Nicht überall hört man den Autobahnlärm
Die nächste Station ist die Kaybergschule. Dort endet gerade die Kernzeitbetreuung. Die Kinder werden von ihren Eltern abgeholt. Die Mitarbeiterinnen versammeln sich auf einen abschließenden Plausch auf dem Schulhof. "Es kommt ganz darauf an, wo man wohnt. Es gibt Stellen, da hört man es sehr und es gibt Stellen, da hört man es gar nicht", sagt Cornelia Hirrle auf die Frage ob man denn den Autobahnlärm im Ort höre. "Je weiter oben man wohnt, desto lauter hört man es."
Ein weiteres Problem, ebenfalls mit der Autobahn verknüpft, ist der Verkehr, der sich durch Erlenbachs enge Straßen drückt. Riesige Lastwagen brauchen dort beide Spuren. Das Problem sei, so Maren Löhe vom gleichnamigen Weinbaubetrieb, dass gerade die Autobahn verbreitert werde. "Da suchen sich die Lastwagen ihre Schleichwege." Außerdem seien viele Zentralen in der Nähe wie beispielsweise die von Lidl und Kaufland in Neckarsulm. "Zu den Hauptverkehrszeiten ist viel los."

Soviel zur Autobahn. Aber was macht eigentlich dieses Erlenbach aus, und was beschäftigt die Einwohner? Der Wein, die Besen und das gute Miteinander sind wohl wichtige Punkte, wenn man sich so im Ort umhört. "Normal hätten wir ja jetzt das große Weinfest. Das fällt aber Corona zum Opfer", sagt Hirrle, die bereits seit 18 Jahren in Erlenbach lebt. Und das "sehr gerne", wie sie sagt. "Erlenbach, das ist ein Weinort mit Charme, wie es immer so schön heißt." Auch Selina Hamzic mag den Ort, in den sie vor neun Jahren mit ihrer Familien gezogen ist. "Man kennt sich hier, und man schwätzt miteinander."
Der Marktplatz mit seinem Brunnen begeistert
Auf dem Weg von der Kaybergschule zum Marktplatz geht es vorbei an gepflegten Vorgärten. Hier ist es ruhig. Kleine, zum Teil etwas schiefe alte Häuser säumen den Weg. Da läuft Fabienne Otto die Straße entlang. Die 17-Jährige kommt gerade vom Altenheim, in dem sie ihre Ausbildung macht. Sie mag an Erlenbach vor allem den Marktplatz. "Der ist so schön gemacht mit dem Brunnen und den Blumen." Außerdem seien die Weinberge sehr nah. Ein Paar aus Neckarsulm kommt gerade aus einer der vielen Besenwirtschaften. "Der Löhe, der ist sehr zu empfehlen", ruft die Frau noch, bevor sie ins Auto steigt.

Um die Seele Erlenbachs zu erfassen, muss man also wohl mal in einem Besen gewesen sein. "1955 hat meine Familie angefangen im Wohnzimmer Viertele zu verkaufen", erzählt dort Inhaberin Maren Löhe, die den Weinbaubetrieb vor 20 Jahren von ihren Eltern übernommen hat. Die vielen Feste und Veranstaltungen würden den Ort ausmachen. "Ich sag immer: Man kann eine Weinflasche und zwei Gläser auf den Marktplatz stellen, und schon hat man hier ein Fest."
Sehr gesellig seien sie, die Erlenbacher. Das spiegele sich auch in der Vereinslandschaft wider. "Es gibt ganz viele Vereine hier." Und auch die vielen Gastronomiebetriebe seien ein Zeichen dieser Freude am Zusammensein. "Weinsberg hat gerade einmal einen Besen. In der Relation ist Erlenbach da sehr gut bestückt."
Winzern kann ein harter Job sein
Wenn sie nicht gerade in ihrem Besen arbeitet, ist Löhe, wie viele Erlenbacher, in den Weinbergen und bewirtschaftet die Reben. Gerade in den Hauptzeiten von März bis Juli sei das Winzern ein harter Job. "Der Tag fängt früh an und hört spät auf."

Weil das Weinfest wegfällt, haben sich die Erlenbacher Winzer andere Dinge überlegt, um ihren Wein unter die Leute zu bringen. So veranstalten die Jungwinzer ab und an ein Meet and Greet am Geissbergbrünnle. "Das ist ein Stand in den Weinbergen, an dem die Jungwinzer ihre Weine verkaufen." Außerdem gebe es Weinfestpakete, die man im Rathaus bestellen kann. "Damit die Winzer und vor allem die Vereine, die damit unter anderem auch ihre Jugendarbeit finanzieren, Unterstützung bekommen."
Weinurlaub in Erlenbach
Unterstützung bekommen die Winzer aber nicht nur aus der Region. Ilona und Frank Janzik kommen aus Sachsen und machen gerade eine Urlaubstour durch die Weinanbaugebiete Deutschlands. Da darf Erlenbach natürlich nicht fehlen. "Wir sind im Internet auf den Ort gestoßen und wollen hier Wein kaufen", sagen die beiden und schlendern weiter Erlenbachs Gassen entlang.
Über die Autorin
Anna-Lena Sieber ist Volontärin bei der Heilbronner Stimme. Sie hat bei der Aktion "50 Wochen - 50 Orte" das Los für Erlenbach gezogen. Hintergrund ist die Idee, einen anderen Blick auf den Ort zu werfen. Zuständig für Erlenbach ist Kirsi-Fee Rexin.

Stimme.de
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