Dörzbach präsentiert sich ländlich und städtisch zugleich
Der Spaziergang einer Ortsfremden durch Dörzbach zeigt: Die Hohenloher Gemeinde hat viel zu bieten - dem Engagement ihrer Bürger und Fans von außerhalb sei Dank.

Als Erstes springt der BAG-Siloturm ins Auge - Zeuge landwirtschaftlicher Betriebsamkeit. Wenig weiter zeigt sich Dörzbachs Kern überraschend schnuckelig-romantisch und städtisch-repräsentativ zugleich. Wie es sich für einen historisch gewachsenen Ort gehört, dominiert ein Sakralbau das Zentrum: Das freundlich-schlichte Gebäude der Dreifaltigkeitskirche und ihr trutziger Turm laden zum Stopp ein. Und die Parkplätze ringsum.

Sei es, um beim Bäcker oder Metzger gegenüber einzukaufen, in der Apotheke nahebei Medikamente zu besorgen oder den Lottoschein im Schreibwarenladen abzugeben. Oder aber, um durch einen efeubewachsenen Torbogen den Innenhof von Schloss Eyb zu betreten und märchenhafte Fassaden zu bestaunen. Dahinter leben Schlossherr und Mitglied des Landtags Arnulf von Eyb samt Familie als auch Mieter. Einladend wirkt der Eingang zur psychotherapeutischen Praxis im Erdgeschoss.
Es ist offensichtlich: Dörzbach wächst
Nur ein paar Schritte sind es von hier in die Schloßstraße. Die Tänzerin Stefanie Goes und der Pianist Christoph Soldan haben in der Gasse das, was früher mal ein Schafstall war, zum Theater und kulturellen Zentrum des Ortes ausgebaut. Fündig wird an der evangelischen Hauptkirche von Dörzbach auch, wen ein dringendes Bedürfnis plagt: Im Gemeindegebäude gegenüber dem modernen Rathausbau finden sich saubere Toiletten. Und in der Nähe bewegt sich ein Baukran: Von wegen Landflucht - Dörzbach wächst.
Mütter schieben Kinderwägen über den Marktplatz, Kinder mit Ranzen auf dem Rücken rollern aus der nahgelegenen Grundschule heran. Hier müsste man eigentlich alles zu Fuß erledigen können. Doch auf der Hauptstraße herrscht reger Verkehr. Kein Wunder: Sie führt nicht nur in die Teilorte der weitgestreckten Gesamtgemeinde, sondern als B19 auch nach Künzelsau, Bad Mergentheim und weiter bis Würzburg.
Aber ob sie in Dörzbach oder in den Teilorten Laibach, Hohebach oder Meßbach wohnen - die Viertklässler von Schulleiterin Danny Chrzan loben gute Luft und Ruhe. "Es ist toll, dass wir mit unseren Fahrzeugen auf der Straße spielen können", freut sich Waveboarderin Fiona. Eine zweite Fiona findet an Dörzbach besonders schön, "dass hier ein Fluss durchfließt. Da können wir im Sommer baden und im Winter Eislaufen." Lasse liebt Wasser aus einem anderen Grund: "Im Laibach und im See kann man gut angeln."
Turnen, Jazztanz und Reiten sind Sophias Hobbys. Alles möglich in Dörzbach. Den Reitstall vom Birkenhof Wunderlich besuchen gleich mehrere Klassenkameradinnen. Im Sommer müssen die Kinder jedoch ihre heimelige Grundschule verlassen. Die einen werden nach Bad Mergentheim pendeln, andere zu den weiterführenden Schulen von Mulfingen, Künzelsau oder Krautheim ziehen.
Ohne Auto lebt es sich in Hohebach nicht so gut
"Die Verbindung nach Mulfingen ist gut, nur von Hohebach kommt man schlecht weg ohne Auto", sagt Annerose Stühler. Seit 1976 lebt die 68-Jährige in der Gemeinde. Was für die Lehrerin und ihren Mann eine Übergangsstation sein sollte, wurde endgültig zur Heimat, als in Hohebach Bauplätze erschlossen wurden. "Wir haben es nicht bereut", lacht Stühler, seit Jahren pensioniert.

Sie deutet vom gegenüberliegenden Grashang aus auf die Baustellen im aktuellen Neubaugebiet Gäßleinsau: "Dort wird gerade der zweite Teil erschlossen." Neben Neu-Dörzbachern, die ihre Arbeitsplätze in der Hohenloher Industrie dank B19 gut erreichen, seien es viele Hohebacher, die bauen: "Viele junge Leute wollen hierbleiben, wenn es irgendwie geht. Viele sind im Sportverein, die fühlen sich hier einfach wohl".
Wer sich einbringt, wird gut aufgenommen
So wie sie, die viele Kontakte als Grundschullehrerin geknüpft hat. Aber auch im Gesangverein, wo sie seit mehr als 40 Jahren Mitglied ist: "Man muss sich irgendwo einbringen, dann wird man auch gut aufgenommen", ist Stühler überzeugt. Auch jetzt ist sie nicht müßig. So betreut sie unter anderem die Bücherei im Turm der Hohebacher Jakobuskirche mit. Zwei Räume mit Aussicht laden nicht nur zum Schmökern ein.

Kaffeegeschirr, Stühle um einen Tisch, ein Sofa: Die einzige öffentliche Bibliothek Dörzbachs dient auch - allsamstäglich am Mittag - als Treffpunkt. Morgen, 7. Februar, liest hier der gebürtige Hohebacher Hans G. Hirsch aus seinem Lokal-Krimi. Allerdings nicht im Turm, sondern im Gemeindehaus nebenan. Dessen Gewölbekeller eignet sich ideal für Veranstaltungen aller Art.
Begegnung auf dem Generationenpfad

Hohe- und Dörzbach verbindet der Generationenpfad Jeudenstein: gleichzeitig Fitness-, Spiel- und EU-finanzierter Bienenlehrpfad. Just am Hang mit Blick hinüber zur malerischen Kapelle St. Wendel am anderen Jagstufer röhrt Hugo Götzelmanns Motorsäge. Der 87-Jährige fällt einen Nadelbaum. Ordentlich möchte er sein Waldstück dem Sohn übergeben. An Dörzbach hängt sein Herz. "Ich bin wegen Heirat weggezogen, aber ich komme wöchentlich her. Der Kontakt ist nie abgerissen", sagt der vitale Großvater.
Jagsttalbahnfreunde engagieren sich energisch fürs Ziel

Dauerbesucher Dörzbachs ist auch Volker Elgner aus Jagsthausen. Begeistert spricht der Polizist im Ruhestand über sein zeitaufwendiges Hobby: Als zweiter Vorsitzender der Jagsttalbahnfreunde setzt er sich dafür ein, die "Modelleisenbahn im Maßstab 1:2" wieder aufs Gleis zu bringen. Und überhaupt erstmal das Schmalspurgleis bis in den Krautheimer Bahnhof zu verlegen, gegen den Widerstand des dortigen Bürgermeisters. Dass das noch zehn bis 20 Jahre dauern kann, schreckt den energiesprühenden 60-Jährigen nicht.
Aus blauen Augen blitzt Zuversicht: "Es gibt nichts, was uns jetzt noch aufhalten kann". Elgner weiß vom Gänsehautgefühl, das eine anspringende Dampflok auslösen kann: "Das ist eine Leidenschaft, die man niemandem erklären kann, der das noch nicht erlebt hat".

Allerdings: Aus Dörzbach könnten es mehr Mitglieder sein. Viertklässlerin Anna wäre sicher gerne dabei. Für sie ist es das Größte, wenn der Zug ein paar Meter bewegt wird und sie mitfahren darf. Und im Café des Edeka, großer Treffpunkt, verwickelt ein Fan den Bahnbauer gleich in ein Gespräch.
Kultur gibt es auch am Bahnhof
Schon jetzt ist der Bahnhof ein Schmuckstück. Das Gebäude haben die Jagsttalbahnfreunde "alles in Eigenregie" (Elgner) renoviert, energetisch isoliert. Sogar neue Toilettenanlagen stehen da. Im Wartesaal überrascht ein stylisches Café. KulturKüche nennt sich die GbR von vier Frauen, die hier bei Feiern und Veranstaltungen für individuelle Verköstigung sorgen.
Natur, Kultur und Gemeinschaftsgefühl: In Dörzbach scheint es an nichts zu fehlen. "Doch", sagt Danny Chrzan, die Grundschulleiterin, "eine gute Eisdiele". Kommt bestimmt noch. Bürgerengagement macht es sicher möglich.

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