Stimme+
Lesezeichen setzen Merken

Auch bei Krankheiten wie Krebs kann die Kommunikation klappen

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Patienten finden nach Tumoren im Mund- und Rachenraum Unterstützung - Sprechen selbst nach Entfernung des Kehlkopfes möglich

von Christian Klose
   | 
Lesezeit  1 Min
Annerose Keilmann zeigt, wie eine Untersuchung der Stimmlippen am Bildschirm aussieht.
Foto: Christian Klose
Annerose Keilmann zeigt, wie eine Untersuchung der Stimmlippen am Bildschirm aussieht. Foto: Christian Klose  Foto: privat

Kommunikationsfähigkeit, Nahrungsaufnahme auf natürlichem Wege und ungestörte Atemfunktion stellen für den Menschen grundlegende Bedürfnisse dar und sind wesentliche Voraussetzungen für die Teilhabe an der Gesellschaft. Doch was ist, wenn dies durch eine schwere Krankheit so nicht mehr möglich ist? Auch für Patienten, die nach einer Tumorerkrankung im Kopf-Hals-Bereich und entsprechender Operation oder Bestrahlung eine kommunikative Rehabilitation brauchen, ist das Stimmheilzentrum in Bad Rappenau Anlaufstelle.

Auf die Stimmlippen kommt es an

Die menschliche Stimme wird durch das Zusammenwirken der Stimmlippen im Kehlkopf und den Ansatzräumen wie Mund, Rachen und Nase erzeugt. Der Kehlkopf bildet den oberen Abschluss der Luftröhre, er liegt vorne im Hals. Im Kehlkopf sind die beiden Stimmlippen gespannt, komplexe Muskel- und Gewebeschichten, deren Stellung und Spannung durch Muskeln, Knorpel und Gelenke verändert werden kann. Die Stimmlippen können die Luftröhre bis auf einen kleinen Spalt verschließen. Diese engste Stelle im Kehlkopf bezeichnet man als Stimmritze. Sie wird zum Atmen weit geöffnet, damit die Luft ungehindert ein- und ausströmen kann. Um stimmhafte Töne zu erzeugen, versetzt die aus der Lunge strömende Luft die bis auf einen schmalen Spalt geschlossenen Stimmlippen in Schwingungen. Je entspannter die Stimmlippen sind, desto langsamer schwingen sie und der Grundton des Klanges wird tiefer. Bei höherer Spannung schwingen sie schneller und der Ton wird höher. Ist der Kehlkopf schwach, können Betroffene zum Beispiel nur leise sprechen.

Ohne Kehlkopf wird es schwierig

Muss der Kehlkopf wegen einer Krebserkrankung gar entfernt werden (Laryngektomie), "dann ist das ein großes Problem", sagt Prof. Annerose Keilmann. Bei der Laryngektomie geht für die Betroffenen der Verlust des Kehlkopfes als Stimmgenerator mit der kompletten Trennung von Atem- und Speiseweg einher, wodurch eine Stimmproduktion in der vertrauten physiologischen Weise zunächst gar nicht mehr möglich ist.

Dennoch gibt es verschiedene operative Eingriffe und konservative Verfahren, die es möglich machen, dass solche Patienten weiterhin sprechen können. Eine gängige Methode ist die Speiseröhrenersatzstimme, die sogenannte Ruktusstimme. Sie muss jedoch im Rahmen eines langwierigen Behandlungsprozesses erlernt werden. Die Betroffenen lernen dabei, Luft in die Speiseröhre zu führen. Aus anfänglichen Rülpslauten schaffen sie es nach und nach Worte zu bilden. "Es gibt Menschen, die können das mit der Speiseröhre so gut, dass ein Laie das kaum hört. Das Sprechen per Ruktusstimme lernen sie auch bei uns", sagt Keilmann.

Kommentare öffnen
  Nach oben