Um 11 Uhr zaubert Schwester Mia im Weinsberger Franken-Hospiz allen ein Lächeln ins Gesicht
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Im Weinsberger Franken-Hospiz sorgt die Hündin der Einrichtungsleiterin Franziska Frank für eine entspannte Stimmung. In einem Zimmer warten immer kulinarische Überraschungen auf sie.
Franziska Frank leitet das Franken-Hospiz in Weinsberg. Immer an ihrer Seite: Ihre Hündin, von allen liebevoll Schwester Mia genannt.
Foto: Hofmann, Elfi
Wenn Schwester Mia um die Ecke kommt, geht die Sonne auf. Auch wenn Mia auf den ersten Blick nur zwei Dinge im Sinn hat: essen und natürlich den Bauch gestreichelt zu bekommen. Die "gute Seele des Hauses" nennt Franziska Frank ihre schwarze Hündin liebevoll, während die vorsichtig ihren kleinen Stoffbären in den Mund nimmt und durch das Franken-Hospiz in Weinsberg trägt. "Für unsere Gäste und ihre Angehörigen ist Mia ein Trostpflaster", erzählt die Einrichtungsleiterin.
Überall hin darf die Hündin allerdings nicht: Küche und die meisten Zimmer sind tabu. Daran hält sich Mia, auch wenn es ihr sichtlich schwer fällt. Doch in einem Raum hat sie so gut wie immer Zutritt: Am Ende des Flurs, etwas versteckt, lebt Carola Merz. Im Mai ist sie nach Weinsberg gezogen, hat selbst zwei Hunde. Sie weiß, was Mia möchte. Und das befindet sich in der Schublade ihres Nachtschränkchens. Kurz raschelt es, dann zaubert Carola Merz ein paar Leckerlie hervor. "Sie weiß ganz genau, dass sie hier etwas bekommt", sagt Franziska Frank lächelnd.
Im Franken-Hospiz wird selbst gekocht
Die Freude über den tierischen Besuch zaubert auch der krebskranken Carola Merz Farbe ins Gesicht. Um ihre Schmerzen in Schach zu halten, bekommt sie starke Medikamente über einen Zugang. Auch Mittel gegen Verkrampfungen fließen so in ihre Venen. Aufstehen kann sie nicht mehr. "Recht gelassen" sei sie, sagt Carola Merz. Auch wenn sie verstehen könne, dass andere in einer solchen Situation unruhig werden. Denn neben dem Fernseher und den regelmäßigen Besuchen von Schwester Mia gibt es nur wenig Abwechslung im Hospiz-Alltag. "Mein Mann kommt aber jeden Tag. Wir brauchen uns." Auch er ist an Krebs erkrankt.
Wie schwer die Situation für die gemeinsamen Söhne ist, lässt sich nur erahnen. Einer der beiden arbeitet in Weinsberg und isst oft gemeinsam mit seiner Mutter zu Mittag. "Das ist unsere Zeit", sagt Carola Merz. Heute gibt es Linsen mit Spätzle und Würstchen, zum Nachtisch hat Köchin Viktoria Wisotzki einen Pfirsichkuchen vorbereitet. Einen Tag vorher können die Gäste aus mehreren Optionen ein Gericht auswählen. Eingekauft wird selbst, Abstriche bei den Waren machen sie keine, trotz der Inflation, sagt Franziska Frank.
Die Warteliste für ein Bett ist lang
Und trotz der Tatsache, dass die Spendenbereitschaft in den vergangenen Jahren nachgelassen hat. Die Menschen seien zögerlicher geworden, dabei sind monetären Zuwendungen essenziell für die Einrichtung, die fünf Prozent der Kosten selbst trägt. Den Rest übernimmt die Krankenkasse.
Den Gästen wird die Zeit so angenehm wie möglich gemacht. "Es herrscht viel Fröhlichkeit und Warmherzigkeit", sagt die Leiterin. "Auch wenn es natürlich auch Trauer und Leid gibt." Denn das Hospiz ist die letzte Station im Leben der Menschen. Das wissen sowohl Mitarbeiter als auch Gäste. Acht Betten stehen zur Verfügung, über 150 bräuchte es laut aktueller Warteliste. Alle sechs Monate muss man einen neuen Antrag stellen. Ein Arzt stellt dafür eine Notwendigkeitsbescheinigung aus. So hart es klingen mag: Sobald ein Gast stirbt, rückt eine Person von der Liste nach.
Personalschlüssel macht eine gute Betreuung möglich
Dass sie in ein Hospiz ziehen möchte, war Carola Merz schon lange klar. Dass ihre Wahl auf die Einrichtung in Weinsberg fällt, ebenso. "Mein Opa war auch hier", sagt sie. Das war vor dem Umzug in die aktuellen Räumlichkeiten. Auch wenn sie sich bewusst für diesen Weg entschieden hat: Der Einzug sei auch ein Lernprozess für sie gewesen: "Es sind so viele Menschen für mich da. Das kannte ich vorher nicht." Möglich macht das der Personalschlüssel: Auf 1,5 Gäste kommt eine Pflegekraft. "Tendenz steigend", sagt Franziska Frank.
Kein gewinnorientiertes Wirtschaften
Die 30 Mitarbeiter haben deshalb viel Zeit, ab und an auch für ein bisschen Blödsinn, ergänzt die Leiterin. Es werde viel gelacht, traurig sei es selten. Das hat auch dem Sohn von Carola Merz einen Teil der Angst, seine Mutter zu besuchen, genommen. Groß sei die zu Beginn gewesen, erinnert er sich. "Aber es ist einfacher als erwartet." Man merke, dass die Mitarbeiter Lust auf ihre Aufgaben haben. "Und wenn man zufrieden ist, ist man auch freundlicher." Ein Grund für die entspannte Atmosphäre: "Wir haben nicht den kapitalistischen Druck im Nacken wie Krankenhäuser und sind nicht gewinnorientiert."
Gewinnorientiert? Ein Begriff, den Schwester Mia nicht kennt. Während sich die Menschen um sie herum unterhalten, liegt die Hündin vor dem Bett von Carola Merz und döst vor sich hin. Plötzlich knistert es wieder in der Schublade, Mia hebt den Kopf: noch eine Runde Leckerlie.
Historie
Das Franken-Hospiz wurde 2003 eröffnet, damals noch mit sechs Betten und in der Schwabstraße 25 in Weinsberg. 2015 zogen Mitarbeiter und Gäste schließlich in das neue Stadtquartier in der Schwabstraße 12 um. Neun Zimmer stehen dort zu Verfügung. Früher wie heute ist das Hospiz auf Spenden angewiesen. Fünf Prozent der Kosten muss der Träger, die gemeinnützige Hospiz-Stiftung Region Franken, für den Betrieb selbst tragen. Deshalb sind jährlich 100.000 bis 150.000 Euro an Spenden notwendig. eho
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