Sport hält fit und verbindet, das beweist der Weinsberger Kegelklub "Alle Neune"
Der Kegelklub existiert bereits seit 1962 und trifft sich alle 14 Tage von 20 bis 23 Uhr beim TSV Weinsberg. Das Besondere: Die Mitglieder sind zwischen 65 und 90 Jahre alt.

Die Außentür im TSV-Sportheim Weinsberg fällt ins Schloss. Beim Öffnen der Innentür hört man bereits das Gelächter von der Kegelbahn. An dem Tisch vor Bahn zwei sitzen die Mitglieder von "Alle Neune“. Acht Männer, die sich fast alle seit Kindesbeinen kennen. 1962 wurde der Klub in Hardthausen-Gochsen gegründet. Im damaligen Gasthof "Ochsen“. Nachdem dieser geschlossen wurde, musste eine neue Location gefunden werden. Der Klub wanderte in die "Linde“ nach Langenbrettach-Langenbeutingen, dann in die "Post“ nach Hardthausen-Lampoldshausen und über das "Sporthotel“ in Öhringen dann vor sieben Jahren zum TSV Weinsberg.
Das Duzen ist beim Kegelklub "Alle Neune" Pflicht. "Wir kennen uns teilweise seit der Kindheit, wir kommen fast alle aus Gochsen“, erklärt Karl. Und noch etwas eint das Oktett: Die meisten von ihnen sind Selbstständige – und arbeiten bis heute noch. Karl leitet mit seinen 70 Jahren eine große Hydraulik-Firma in Neuenstadt. "Dadurch, dass wir alle Selbstständige sind, gibt es viele Gemeinsamkeiten, das verbindet.“ Eine besonders wichtige Aufgabe kommt Harald zu. Er führt das Kegelbuch.
Kegelklub "Alle Neune" dokumentiert alle Ergebnisse – und das schon seit 1962
"Das dient der Dokumentation, hier wird alles aufgeschrieben.“ Auch die "Ums“ – ein Wurf, bei dem alle neun Kegel fallen – und die "Kränze“, bei denen nur der König in der Mitte stehenbleibt. "An einem Kegelabend haben wir zwischen 10 und 15 Ums, Kränze sind seltener, ungefähr sechs.“ Klaus ergänzt: "Am Ende des Jahres wird dann das Buch ausgewertet und die Statistik erstellt.“ Und mit einem breiten Grinsen im Gesicht fügt er noch hinzu: "Auch, wer von uns am meisten gezahlt hat.“

Denn um die Alle-Neune-Klubkasse zu füllen, wird um Geld gespielt. Das weckt den Ehrgeiz der Kegler. Es wird die "große“ und die „kleine Hausnummer“ gespielt. Die monetären Verluste bewegen sich dabei im Cent-Bereich, aber im Laufe des Jahres summiert sich auch das. "Einmal im Jahr machen wir einen mehrtägigen Ausflug, da wird dann die Kasse geplündert“, erklärt Ulrich. Und er schiebt mit einem Augenzwinkern hinterher: "Da dürfen dann auch unsere Frauen mit, wenn sie artig sind.“
Ältestes Mitglied im Weinsberger Kegelklub "Alle Neune" zählt schon 90 Lenze
Dieses Jahr führte der Ausflug den Kegelklub "Alle Neune" für vier Tage auf die Insel Borkum – mit Tagesprogramm, beispielsweise dem Trip nach Sylt. Zudem treffen sie sich vierteljährlich zu einer Tageswanderung. Und zweimal im Jahr gibt es einen Kegelabend zusammen mit den Frauen. Ulrich gerät ins Schwärmen: "Unsere Ausflüge haben uns schon bis in die Lechtaler Alpen geführt. Oder nach Italien, da sind wir nach Rom geflogen, haben dann auch Florenz, Pisa und Venedig besichtigt.“
"Einmal im Jahr machen wir einen mehrtägigen Ausflug, da wird dann die Kasse geplündert.“
Ulrich
Dann wird es still am Tisch. Denn die Italien-Reise wurde damals von ihrem italienischen Mitglied organisiert, das mittlerweile verstorben ist. Ulrich: "Im Vatikan hatte er es uns sogar ermöglicht, an der Warteschlange vorbeizugehen, wir durften direkt rein.“ Dann schnappt sich Günter die Kugel. Er ist mit 90 Jahren das älteste Mitglied der Truppe. "Ich kam vor zwei Jahren zu dem Klub.“ Dabei kannte man sich schon länger, denn Günter kegelte mit einer anderen Gruppe mittwochs auf der Nachbarbahn.
Der Kegelklub "Alle Neune" zeigt sich gegenüber Neuzugängen aufgeschlossen
Wegen Corona löste sich die dann aber auf – und Günter suchte nach Kegel-Anschluss. "Ich habe bereits in den 60er-Jahren mit dem Kegeln angefangen. Unser damaliger Chef bei Stahlbau Eller in Heilbronn wollte den Zusammenhalt in der Belegschaft und der Familie fördern und unterstützte das Kegeln. Damals waren unsere Frauen immer dabei.“ Für den Kegelklub "Alle Neune“ war es gar keine Frage, dass Günter bei ihnen mitmachen durfte. Er schnappt sich die Kugel, läuft an und räumt sieben Kegel ab.
Gegen 22.30 Uhr startet dann für den Kegelklub "Alle Neune" das Highlight des Abends: das "Millionenspiel“. Von einem Euro wird eine Tabelle bis fünf Cent in Zehn- oder Fünf-Cent-Schritten aufgeschrieben. Dann rollt die Kugel. Jeder entscheidet selbst, bei welchem Betrag er den Wurf einträgt. Derjenige, der am Ende die wenigsten Kegel in der Spalte getroffen hat, muss den Betrag in die Klubkasse zahlen. Harald startet mit einem "Um“ – und platziert die "9“ sofort in die Ein-Euro-Spalte.

Aber die Freude währt nicht allzu lange, denn Heinrich gelingt ein "Kranz“ und er kann somit zwölf Punkte eintragen. Am Ende muss keiner von ihnen den einen Euro aus der Spalte zahlen. Den löhnt Fritz, der nur drei Kegel abräumt. Zum Abschluss stellt sich nur noch eine Frage: Wie sieht es eigentlich mit Neuzugängen aus? "Wir sind immer offen für neue Teilnehmer. Sie dürfen gerne mal zum Probe-Kegeln kommen. Wenn die Chemie passt, steht einem Beitritt in den Kegelklub "Alle Neune" nichts im Weg.“
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare