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16 Uhr in Weinsberg
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Viel zu entdecken rund um die Burgruine Weibertreu in Weinsberg

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Auch außerhalb der Öffnungszeiten lohnt der kurze Aufstieg zur Weibertreu. In den Abendstunden entwickelt der Ort seine ganze Magie – und die fesselt Besucher aus nah und fern.

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Wenn es im Winter früh dunkel wird, entfalten die Ruine und der Burgberg eine mythische Stimmung. 
Foto: Andreas Zwingmann
Wenn es im Winter früh dunkel wird, entfalten die Ruine und der Burgberg eine mythische Stimmung. Foto: Andreas Zwingmann  Foto: Andreas Zwingmann

Etwas enttäuscht ist Arie van't Hoff schon. Und vom Aufstieg auch noch etwas außer Atem. "Schade" murmelt er und rüttelt sicherheitshalber noch einmal am schmiedeeisernen Tor, das am Ende des Weges in die äußere Burgmauer eingelassen ist. Doch das bleibt unnachgiebig und verschlossen. Aus seinem spontanen Besuch der Weibertreu wird leider nichts. Der Niederländer ist etwas zu spät dran, denn es ist bereits deutlich nach 16 Uhr - und das heißt: Ende der Öffnungszeit. Zumindest im Winter, zwischen Oktober und Februar. Nichts zu machen.

Zwischenstopp auf der Rückreise

Dieses nicht ganz unwichtige Detail hat van't Hoff auf die Schnelle übersehen, gibt er zu. "Ich habe am Mobiltelefon nur gelesen, dass die Burg bis 20 Uhr offen wäre. So gut ist mein Deutsch ja auch nicht", flunkert der 74-Jährige. Fast akzentfrei kommt er dann aber doch ins Erzählen. Dass er hier oben, hoch über Weinsberg an der Burgruine gelandet ist, ist reiner Zufall: Er war ein paar Tage mit dem Auto in Prag und ist nun wieder auf dem Weg zurück in sein kleines Heimatstädtchen in der Nähe von Eindhoven. "Ich hatte ein wenig Hunger und bin einfach mal die nächste Autobahnabfahrt rausgefahren", berichtet er. Schnell habe er sich gedacht: "Ui, hier ist es ja ganz schön. Es gibt viele Weinberge, viel Natur und eine Burg ... da kann man bestimmt auch gut essen gehen."

Das Navi habe ihn schließlich auf den Grasigen Hag gelotst, den großen Parkplatz gleich am Fuße des Burgbergs. "Ich bin von Natur aus neugierig, da musste ich einfach mal hoch und mir das alte Gemäuer anschauen, bevor ich mir ein Lokal für das Abendessen suche", sagt der erlebnishungrige Pensionär. Land und Leute kennenlernen, einfach das Leben genießen, benennt er ohne lange nachzudenken seine große Leidenschaft.

Knackiger Anstieg bis zur Burgmauer

Nur 250 Meter sind es laut Wegweiser vom Parkplatz hoch zu dem ortsbildprägenden, vermutlich gut 1000 Jahre alten Gemäuer. Aber die, das weiß nun auch Arie van't Hoff, haben es in sich, vor allem auf den letzten Metern. Da wird es schon richtig knackig. Deshalb sollte man sich auch ruhig etwas Zeit nehmen für den Aufstieg. Denn auch auf der vermeintlich kurzen Distanz gibt es viel zu sehen, zu entdecken und zu lernen - selbst wenn der Zugang zur Weibertreu am Ende verschlossen bleiben mag.

Schon nach wenigen Schritten etwa öffnet sich linkerhand erstmals der Panoramablick über das Weinsberger Tal, hinweg über beleuchtete Häuser, die Blechlawine auf der A 81 und über ein regelrechtes Rebenmeer. Grauer Burgunder wird der der kleinen Infotafel zufolge hier kultiviert. Davor vereinzelt Rosenstöcke, die im winterlichen Allerweltsabendgrau allerdings auch nicht mehr in ihrer sonst so charakteristisch-mondänen Farbenpracht strahlen. Rund um die Burgruine gehen entlang des 1250 Meter langen Wein- und Rosenrundwegs insgesamt 17 Tafeln auf wichtige Themen des Weinbaus und ökologische Besonderheiten ein, neben Wildrosen lassen sich rund 100 weitere Sorten bewundern. Wem dagegen eher nach historischen Reminiszenzen dürstet, den erwartet etwas weiter bergauf die achteckige "Stauferstele", des Stuttgarter Künstlers Markus Wolf, die dort seit September 2009 an die Regenten des Hochmittelalters erinnert. 

Von Rosen, Wein und Stauferkönigen

Deren Inschriften lassen sich auch im schummrigen Abendlicht noch bestens lesen, denn den Auf- und Abstieg begleitet eine energiesparende, mitlaufende LED-Beleuchtung, die immer dort heller wird, wo man sich gerade befindet. Historie und Hightech - hier gehen sie Hand in Hand. 

Den Spontantouristen aus den Niederlanden treibt der Hunger nun aber schon wieder abwärts. Er will sich bei Gelegenheit mal näher mit Weinsberg, dem Mythos der treuen Weiber und dem Wanderweg rund um den Burgberg beschäftigen. "Vielleicht komme ich mal wieder hierher - dann aber geplant und mit ganz viel Zeit", ruft er noch über den Parkplatz und schiebt lachend hinterher: "Platz für Wohnmobile hat's hier ja auch."

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