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Wüstenrot
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Glänzend und kross kommen die Laibe aus dem Ofen

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Cornelia Dietrich gehört zu den wenigen Privatleuten, die das Backhaus in Oberheimbach regelmäßig nutzen. Alle sechs Wochen schießt sie  Brote ins Gewölbe ein.

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Cornelia Dietrich schießt mit dem Schieber ihre neun Laibe in den rechten Ofen ein. Fünfviertel Stunden benötigen sie zum Backen. Danach wird das Mehl mit Brunnenwasser abgebürstet. Das Brot kommt noch einmal für fünf Minuten in die Hitze.
Cornelia Dietrich schießt mit dem Schieber ihre neun Laibe in den rechten Ofen ein. Fünfviertel Stunden benötigen sie zum Backen. Danach wird das Mehl mit Brunnenwasser abgebürstet. Das Brot kommt noch einmal für fünf Minuten in die Hitze.  Foto: Mario Berger

Nach 20 Minuten ist er braun gebacken. Mmmh, wie das duftet! Der Hefezopf verbreitet sein Aroma im gesamten Backhaus in Oberheimbach. Die neun Laibe, die Cornelia Dietrich ebenfalls eingeschossen hat, brauchen deutlich länger. Die köstlich aussehenden Pizzen von Heidrun Laidig haben zuerst die Hitze im Gewölbe abbekommen. Drei Stunden zuvor hat ihr Mann Rolf mit drei Büscheln Rebenreisig aus seinem Wengert in Unterheimbach und einer Schubkarre voll Buchenrundhölzern Feuer gemacht. Eigentlich kann jeder Oberheimbacher die Öfen anheizen und eigene Backwaren hier gedeihen lassen. Aber diese Tradition wird nicht mehr sehr häufig gepflegt.

Rolf Laidig schiebt mit der Krücke die Glut aus dem Ofen. Dieser wird danach mit dem Reisigbesen und einem nassen Lappen ausgewischt, damit der Boden sauber ist.
Rolf Laidig schiebt mit der Krücke die Glut aus dem Ofen. Dieser wird danach mit dem Reisigbesen und einem nassen Lappen ausgewischt, damit der Boden sauber ist.  Foto: Berger, Mario

Cornelia Dietrich und ihre Schwägerin sind die einzigen der 320 Einwohner, die noch regelmäßig das Backhaus aus den 1920er Jahren - so schätzt Rolf Laidig - nutzen. Alle sechs Wochen schießen die beiden etwa 20 Laibe ein. Seit mehr als 30 Jahren, als Dietrich in den kleinen Wüstenroter Ort eingeheiratet hat, pflegt sie die Tradition. Sie habe schon ihrer Schwiegermutter geholfen, erinnert sich Dietrich. Diese Möglichkeit findet sie toll. "Das selbst gemachte Brot ist besser als das vom Bäcker, weil es länger frisch bleibt und nicht so viel Luft drin ist." 

Ein schneller Blick in den Ofen, der eine Temperatur von 210 Grad erreicht hat: der Hefezopf und die Laibe gehen gut auf und nehmen Farbe an.
Ein schneller Blick in den Ofen, der eine Temperatur von 210 Grad erreicht hat: der Hefezopf und die Laibe gehen gut auf und nehmen Farbe an.  Foto: Berger, Mario

Früher hingen die Laibe in Brotangeln im Keller

Heute friert Dietrich die Backwaren ein, einen Teil verschenkt sie, auch ihre Kinder bekommen etwas ab. Früher habe man das Brot im Keller aufbewahrt, hängend in einer Brotangel. "In der ersten Woche hat man drei Laibe gebraucht, in der zweiten zwei und in der dritten Woche nur noch einen Laib", weiß Rolf Laidig. Mit zunehmender Aufbewahrungsdauer sei die Backware fester geworden, der Appetit ließ nach. 

"Es ist ein Geschäft", spricht Heidrun Laidig den großen Aufwand an. Es sei Schwerstarbeit für die Frauen gewesen, die großen Teigmengen zu kneten. Mit ausgebreiteten Armen zeigt sie an, wie groß die Laibe gewesen sind. Eine große Teigmaschine erleichtert Cornelia Dietrich die Arbeit.

Mmmmh, sieht das lecker aus. Da läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen. Heidrun Laidig hat neben einem salzigen Kuchen auch Pizza im Backhaus gebacken.
Mmmmh, sieht das lecker aus. Da läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen. Heidrun Laidig hat neben einem salzigen Kuchen auch Pizza im Backhaus gebacken.  Foto: Berger, Mario

Heute braucht es kein Backbuch mehr für die Reservierung

"Meine Mutter hat alle drei Wochen gebacken", erinnert sich Heidrun Laidig. Auch daran, dass ihre Großtante Lina Waldbüßer das Backbuch führte. Wer nicht als Erster an der Reihe war, profitierte noch von der Hitze des Vorgängers und benötigte weniger Holz. 50 Pfennige, dann eine Mark habe die Gebühr betragen. Heute ist die Nutzung kostenlos. Als Kind hat Laidig mitgeholfen, das Brot vom Hof ins Backhaus zu transportieren. Der fertige Kuchen sei meist gleich vor Ort angeschnitten worden. 

Stimmt die Temperatur? Dietrich hat einen Trick. Sie wirft etwas Mehl auf die Schamottsteine, die die Wärme speichern. Wird es schwarz, ist es zu heiß. Dann wird mit dem nassen Lappen am Reisigbesen noch einmal ausgewischt. Das kühlt etwas ab. Nach zehn Minuten prüft Dietrich die Farbe des Teigs durch die seitliche, beleuchtbare Luke. Ein weiterer Luftzug würde dem Brot nicht guttun. Nach eineinviertel Stunden ist es dann so weit. Dietrich mag das Brot lieber dunkel. "Das hat eine schöne Farbe", stellt Rolf Laidig fest, greift zum Schieber und holt die Laibe heraus. Ein köstlicher Duft breitet sich im Backhaus aus.

Mit Brunnenwasser werden Laibe eingerieben

Dietrich hat vom Brunnen auf der gegenüberliegenden Straßenseite Wasser geholt. Mit einer Bürste reibt sie das Mehl ab, eine andere taucht sie ins Wasser und reibt die Oberseite des Brots ein, das nochmal für fünf Minuten in den Ofen wandert. Glänzend und kross werden die Laibe kopfüber zum Auskühlen wieder in die Garkörbe gepackt. Ist der Ofen leer? Nur nichts vergessen. Das ist Dietrich einmal passiert. Dann wurde aus dem Brot Zwieback. 

Auch wenn das Backhaus nicht mehr sehr oft von Privatleuten für den täglichen Bedarf genutzt wird, der Bürgerverein Oberheimbach hat mehrere Termine, an denen die beiden Öfen angefeuert werden: Beim Brunnenfest wird Schweinehals eingeschoben, beim Helferfest gart das Fleisch ebenfalls in den Öfen, beim Backhausfest gibt es traditionell süße und salzige Kuchen. Und am letzten Wochenende im Oktober, wenn die Zeit umgestellt wird, "da ist die lange Nacht in Heimbach", wie Cornelia Dietrich sagt, und auch dann wird das Backhaus aufgeschlossen.  

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