Seit mehr als 40 Jahren baut "Pogo" im Löwensteiner Teilort Hößlinsülz individuelle Snow- und Longboards in Handarbeit. Die Marke hat Fans und Kunden auf der ganzen Welt. Entstanden ist sie aber eher aus der Not heraus. Ihre Gründer wollten einfach nur mal einen neuen Trendsport ausprobieren.
Den Geist von damals in die Gegenwart geholt: Martin Sammet mit dem Nachbau des ersten Pogo-Snowboards von 1983, den ein Kunde aus der Schweiz in Auftrag gegeben hat.
Foto: Lina Bihr
High Noon in Hößlinsülz. Obwohl, nicht ganz. Es ist bereits wenige Minuten nach 12 Uhr, als der weiße Kleintransporter auf den Hof in der Lindenstraße 13 rauscht. Martin Sammet entschuldigt sich kurz für die Verspätung. Er hat gerade Freunde aus Frankreich zu Besuch, mit denen er noch Getränke kaufen war. Spontan. Eine Szene, die den Geist perfekt einfängt, der rund um das alte Anwesen herrscht: Nicht lange überlegen, sondern einfach mal machen - vor allem, wenn es dabei um Freunde und Bekannte aus der weltumspannenden "Pogo-Familie" geht.
Initialzündung war das Foto eines Snowboarders
Diesen Geist hat sich das kleine Unternehmen aus dem Löwensteiner Teilort seit nunmehr vier Jahrzehnten bewahrt. Zusammen mit Joachim "Jogi" März, den er während seines Studiums der Produktionstechnik an der FH Heilbronn kennengelernt hat, rief Martin Sammet Pogo-Boards 1983 ins Leben.
Weil beide einfach mal machen wollten. Und zwar Snowboarden. Nach ersten gemeinsamen Windsurf-Trips nach Spanien wollten sie nun unbedingt diese neue Trendsportart ausprobieren. "Ein Bekannter hatte uns ein Foto gezeigt von einem Snowboarder", erinnert sich Martin Sammet. "Das fanden wir total cool." Die Sportart war seinerzeit noch wenig bekannt, die nötige Ausrüstung hierzulande nur schwer zu bekommen. Also bastelten sich die beiden Freunde ihre ersten Bretter kurzerhand selbst. "Von da ab war alles auf's Snowboarding ausgerichtet, in den Semesterferien ging's immer gleich in die Berge", so der heute 62-Jährige. Noch zu Studienzeiten kauften sich Sammet und März die notwendigen Maschinen günstig zusammen und stellten damit die Weichen für ihre eigene Snowboard-Schmiede.
Der Anspruch: die bestmöglichen Boards zu bauen
Irgendetwas müssen die beiden dabei von Anfang an richtig gemacht haben. Denn die Qualität ihrer Bretter sprach sich in der Szene rasch herum. "Wir haben auf Anhieb große Hersteller ausgestochen, die schon länger im Geschäft waren", erzählt Martin Sammet. Entsprechend rasch stieg die Nachfrage, über die Jahre entwickelte sich aus der kleinen Firma in der über 400 Jahre alten Scheune der größte Onlineshop in Europa. Und das längst nicht mehr allein für Snowboards, sondern auch für Long- und Skateboards. Also für alles, was irgendwie den Geist des Surfens verkörpert - egal, ob auf Wasser, Schnee oder Asphalt. Auch Longboard-Decks werden in Löwenstein gebaut.
Unterm Dach der Scheune zeichnet ein kleines Museum Stationen der 40-jährigen Firmengeschichte nach.
Foto: Lina Bihr
Eine Konstante dabei ist handwerkliche Qualität. "Wir wollen unsere Bretter immer so gut machen wie möglich", sagt Sammet. Dazu stapeln sich in den Regalen die unterschiedlichsten Hölzer, Furniere und Dekore. Die Pogo-Spezialität sind Einzelanfertigungen ganz nach den Vorstellungen der Kunden. In der Werkstatt greift Sammet zu einem mit 2,70 Meter Länge fast schon monströsen Snowboard. "Ein Amerikaner hat das in Auftrag gegeben", erläutert er, und als wäre es selbstverständlich fügt er hinzu: "Wahrscheinlich ist es das längste Board der Welt." Parallel dazu wird gerade die Order eines Kunden aus der Schweiz bearbeitet, unter anderem ein Nachbau des ersten Pogo-Boards von 1983. Kunden sind hier eben immer auch Fans und Fans immer auch Kunden.
Handarbeit hat ihren Preis
Und die investieren im Schnitt 1500 Euro in ein Pogo-Original, je nach Aufwand können es aber auch schon mal 3000 Euro und mehr werden. Zwischen 70 und 80 Boards fertigt das fünfköpfige Team pro Jahr an. Immer im Preis inbegriffen: der Reparaturservice, gratis und auf Lebenszeit. "Nachhaltigkeit gehört einfach zu unserer Philosophie. Es wird viel zu viel weggeschmissen", sagt Martin Sammet. "Alles sollte irgendwie reparierbar sein."
"Besonders wirtschaftlich gedacht ist das nicht", sagt der Snowboardpionier lachend. "Aber wir wollen damit ja nicht nur Geld verdienen. Unsere Priorität liegt auf der Lebensqualität." Doch die kleine Firma macht gerade schwierige Zeiten durch, räumt Sammet ein. Der große Hype ist vorbei. Die Zeiten, in denen mal eben eine Handvoll Studenten angeheuert wurde, um 800 Boards von Hand zu bemalen, ebenso. Jetzt ist Kurzarbeit angeordnet, die Unternehmensform wird modifiziert.
Weil der Trendsport gerade nicht mehr so trendet, haucht Martin Sammet der alten Familienbrennerei neuen Geist ein.
Foto: Lina Bihr
Edle Brände als zweites Standbein
Doch von Krisenstimmung keine Spur. Das entspräche einfach nicht dem Naturell der Pogo-Familie. Schließlich ist der Markt auch 2016 schon einmal zusammengebrochen und es ging weiter. "Jetzt habe ich halt mehr Zeit für mein zweites Standbein", sagt Sammet. Er baut in Eigenregie die familieneigene Brennerei um, in der er mit der gleichen Detailversessenheit hochwertige Spirituosen destilliert. Abgeschaut hat er sich das Handwerk von seinem Vater, absolvierte später eine Ausbildung zum Edelbrandsommelier. "Pogo-Spirit" heißt Sammets zum 40. Firmenjubiläum gebrannter Gin. Ein Name, der passt wie das Snowboarden zum Winter: Einfach mal machen...
Anspruch
Nicht nur mit dem "Pogo-Spirit" getauften Gin führt Martin Sammet seine Leidenschaft für Boardsportarten und Genuss zusammen. Das Firmenlogo zieren auch kleine Vesperbretter in Form eines Surfskate-Decks. Der Name der Familie Sammet steht in Löwenstein seit Generationen für die Destillation von Obstbränden in alter schwäbischer Tradition. "Ich versuche auch hier das Beste herauszuholen", sagt Martin Sammet. "Bei den Boards aus dem Material, bei den Bränden aus den Früchten." Das Obst für seine Schnäpse stammt zum großen Teil aus eigenem Anbau und wird fast ausschließlich von Hand geerntet. zwi
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