Bei der 103. Lokaltour in Öhringen: Lebhafte Diskussion zu lebendiger Stadt
Volles Haus und vielfältige Meinungen zu Frequenzbringern und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt von Öhringen. Schadet ein verkehrsfreier Marktplatz dem Einzelhandel? Was wollen die Kunden? Ein Stimmungsbild.

Eine lebendige Innenstadt hängt nicht von Parkplätzen ab", findet Stadträtin Irmgard Kircher-Wieland. Es ist eine von vielen Meinungen bei der äußerst lebendigen Lokaltour in der Öhringer Krone. Es ist die 103. Lokaltour von Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung und die vierte in Öhringen. Vor ziemlich genau acht Jahren war die Lokaltour schon einmal in der Krone. "Da ging es um die Zukunft des Krankenhauses", blickt Heer zurück. "Man sieht, was sich in acht Jahren verändern kann."
Um Veränderung geht es auch bei dieser Lokaltour. Um Veränderungen in der Kommunalpolitik mit Blick auf die Wahlen im Juni und die Frage von Dieter Klaiber, wie die Zeitung mit der AfD umgehe. "Wir schreiben, was ist", stellt Heer klar. "Wir lassen alle Seiten zu Wort kommen", wissend, dass man damit keine Pluspunkte sammeln könne. Gerade hier zeige sich die Bedeutung unabhängiger Regionalzeitungen. "Im Osten gibt es die nicht mehr und es nehmen die Stimmen für extremistische Parteien zu", sagt Heer.
Ist Öhringen eine Stadt für Autos oder für Menschen?
Um Veränderung geht es aber auch mit Blick auf die Innenstadt. Braucht es autofreie Zonen für mehr Aufenthaltsqualität? Oder beschleunigt es das Sterben des Einzelhandels? Seit Herbst ist der Marktplatz probeweise Freitag- und Samstagabend sowie sonntags für Autos gesperrt. Der Gemeinderat diskutiert das Thema erneut im April. Manfred Guldan sieht eine "sterbende Innenstadt" und stellt die Frage, was der Handel brauche.
Stadtrat Ulrich Schimmel verweist darauf, dass wieder mehr Menschen in der Innenstadt leben und eine lebendige Stadt nicht davon abhänge, ob man mit dem Auto vor den Laden fahren könne. "Das Thema ist komplexer", weiß auch Ratskollege Markus Hassler. Leerstände müssten kreativ gefüllt und beispielsweise als Kita genutzt werden. Miriam Laube wünscht sich für Kinder mehr Bereiche mit Spielgeräten, für alle mehr Aufenthaltsqualität, auch Fahrradständer und Sitzgelegenheiten werden angeregt.
Gäste loben die Stadt Öhringen
"Eine Stadt ist ein Begegnungsraum", ergänzt Hassler. "Die Gäste auf unserem Campingplatz sagen, wir haben eine tolle Stadt, verstehen aber nicht, warum da noch Autos fahren", sagt Rainer Heidemann vom Heicamp. Kunden vor allem auch aus Heilbronn kämen mit der Stadtbahn, kaufen gern in Öhringen ein, schätzen die persönliche Beratung, ergänzen anwesende Händler. Dieter Klaiber blickt nach Heilbronn und spricht angekündigte Schließungen beispielsweise vom Modehaus Palm an.
Man müsse überlegen, was Frequenz bringe, nicht allein an die Pacht denken. Heer weiß aus Gesprächen: "Es gibt Potenzial von Menschen von außen. Die wollen keine Waschmaschine kaufen, sondern einen schönen Nachmittag in Öhringen erleben." Oder einen schönen Abend.


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