Stimme+
Neckarsulm
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Eine ruhige Kugel schieben: Zu später Stunde im Bowlingcenter Neckarsulm

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

In den Sommermonaten ist im Bowlingcenter Firebowl in der Ballei deutlich weniger los als im Winter. Langweilig wird den Angestellten um 22 Uhr deshalb aber nicht. Ein Blick hinter die Kulissen. 

   | 
Lesezeit  2 Min
In den Sommermonaten bekommt man im Bowlingcenter in Neckarsulm leicht eine Bahn. Im Winter sieht das anders aus.
In den Sommermonaten bekommt man im Bowlingcenter in Neckarsulm leicht eine Bahn. Im Winter sieht das anders aus.  Foto: Seidel, Ralf

Fast gespenstisch ruhig ist es rund um die Neckarsulmer Ballei an diesem Dienstagabend. Vor dem Eingang des Bowlingcenters Firebowl raucht ein junger Mann eine Zigarette, ab und an fährt ein Auto vorbei. Auch im Center geht es an diesem warmen Sommerabend um kurz vor 22 Uhr gemütlich zu. Ein junges Pärchen spielt an einem der Tische Billard, nur eine der vielen Bowlingbahnen ist durch eine fünfköpfige Gruppe belegt. Rap und R ‘n’ B-Songs wummern dazu aus den Lautsprechern.

„Ruhig heute“, bestätigt Zana Abdallah. „Reservierungen gibt es zu so später Uhrzeit im Sommer selten. Die Menschen machen einfach andere Dinge während der warmen Monate“, sagt der 29-Jährige, der zwei Tage in der Woche in Neckarsulm arbeitet und ansonsten im gleichnamigen Bowlingcenter in Heidelberg. Und der die Leitungsfunktion in Neckarsulm inne hat, wenn der Chef mal nicht vor Ort sein kann. Zwei weitere Kollegen, ein Kellner und ein Barkeeper, haben an diesem Abend Dienst, die Küchencrew des integrierten Restaurants ist schon im Feierabend.

Nur wenige Besucher spielen in den Sommermonaten zu später Stunde.
Nur wenige Besucher spielen in den Sommermonaten zu später Stunde.  Foto: Seidel, Ralf

Hunderte Bowlingschuhe in den Größen von 24 bis 52

Kommt man mit Abdallah ins Gespräch, merkt man schnell, wie viel er über den Präzisionssport weiß, bei dem eine Kugel auf zehn Kegel – sogenannte Pins – geworfen wird. Seine jahrelange Erfahrung als Mitarbeiter nutzt er, um den Gästen beratend zur Seite stehen oder den geduldigen Regelerklärer zu geben. Die am häufigsten gestellte Frage: Warum sind manche Zahlen auf den Auswertungsbildschirmen rot umrandet? Die Antwort: Die Färbung weist auf einen Split hin, eine schwierig abzuräumende Spielsituation.

Zana Abdallah ist Herr über den Counter, dem Empfang im Bowlingcenter. Hier werden Reservierungen getätigt und Rechnungen beglichen, und man hat den Überblick über alle Bahnen. 
Fotos: Ralf Seidel
Zana Abdallah ist Herr über den Counter, dem Empfang im Bowlingcenter. Hier werden Reservierungen getätigt und Rechnungen beglichen, und man hat den Überblick über alle Bahnen. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Abdallah ist auch der Herr über den Counter – so nennt sich der Empfang im Bowlingcenter. Hier werden Reservierungen getätigt, Rechnungen beglichen, und man hat am Computer Überblick über alle Bahnen. Direkt daneben ist der große Schuhschrank. Und damit das Lager von hunderten Bowlingschuhpaaren, die in verschiedenen Schubladen gelagert werden. Die Größen reichen von 24 bis 52. Alle Schuhe haben eine spezielle Gleitsohle, das Tragen auf den Bahnen ist Pflicht, nach jeder Nutzung müssen sie desinfiziert werden.

Dann kommt doch noch eine kleine Gäste-Gruppe. Die spielt nicht zum ersten Mal, eine Einweisung ist nicht notwendig. Abdallah blickt deshalb auf die Wintermonate, die „komplett gegenteilig sind“. „Da sind wir meistens ausgebucht, und man kriegt ohne eine Reservierung vorab keine Bahn mehr.“

Die Bowlingschuhe müssen nach jeder Nutzung desinfiziert werden.
Die Bowlingschuhe müssen nach jeder Nutzung desinfiziert werden.  Foto: Seidel, Ralf

Warum für die Firebowl-Mitarbeiter auch im Sommer keine Langeweile aufkommt

Doch Langeweile kommt bei den Mitarbeitern auch in den Sommermonaten nicht auf, dafür sorgt schon die kleine To-Do-Liste, die Zana Abdallah aufgestellt hat und die bei wenig Betrieb zum Einsatz kommt. „Dartpfeilespitzen wechseln“, „Poolbillard-Queues kontrollieren“, „Spielautomaten saubermachen“, „Bierdeckel auffüllen“ – irgendwas ist schließlich immer zu tun.

Als Mitarbeiter einer Bowlingbahn muss man aber auch – wenn nötig – hart durchgreifen und die Hausregeln durchsetzen, sagt Abdallah. „Es kommt vor, dass mal jemand zu viel getrunken hat. Oder dass Kinder auf die Bahnen laufen. Das ist nicht gut, weil die Bahnen geölt sind“, so der Firebowl-Angestellte. Kurz vor Schließung um 23 Uhr beginnen dann die Routine-Abläufe der Mitarbeiter. An jeder Bahn und somit an jeder Ballablage sollen insgesamt nur acht Kugeln liegen, die Spielautomaten müssen abgeschaltet, die Tische abgewischt und die Tischkarten eingesammelt werden. Bleibt die Frage, wie gut Abdallah selbst an der Kugel ist? „100 Punkte schaffe ich schon“, sagt er bescheiden. „Ich werfe schon ab und zu mal einen Strike.“

Kommentare öffnen
  Nach oben