Diskussionen beim Trainerstammtisch: Hoffenheim steigt ab und viel Ärger über die WFV-Reform
20 Uhr in Lauffen: Trainerstammtisch diskutiert über viele Themen. Von der Nationalmannschaft bis zur Kreisliga B, der Gesprächsstoff geht nie aus.

Seit 2006 gibt es den Lauffener Trainerstammtisch. Die Gründungsväter damals waren Michael Brauch und Andreas Scholl. Bis auf eine längere Zwangspause während der Hochphase der Corona-Pandemie trifft sich der harte Kern einmal im Monat und fachsimpelt über den Fußball. "Wir diskutieren über alles, von der Nationalmannschaft bis hinunter zur Kreisliga B", erzählt Scholl. "Uns geht der Gesprächsstoff nicht aus."
Die Spielklassen- und Bezirksstruktur-Reform des WFV als Dauerthema
Im Laufe der Zeit ist aus dem Stammtisch ein Treffen ehemaliger Trainer geworden. Nur Armin Reinert ist noch als Übungsleiter im Nachwuchsbereich bei den Sportfreunden Lauffen tätig. "Früher, als wir alle noch als Trainer aktiv waren, war der Montag unser fester Tag, da hatte jeder den Abend frei", erzählt Brauch von den Anfängen in der Lauffener Gaststätte "Dächle". Der Stammtisch jetzt im März fand ebenfalls in Lauffen statt, in der Pizzeria Passion.
"Inzwischen sind wir flexibel, was Tag und Lokalität betrifft", sagt Brauch, man treffe sich auch schon mal unter der Woche in Heilbronn, Kleingartach oder anderswo. Zuletzt wurde dabei oft über die zur Saison 2024/25 greifende Spielklassen- und Bezirksstruktur-Reform des Württembergischen Fußballverbands (WFV) diskutiert, laut Werner Müller vielmehr über deren "Sinn oder Unsinn" gelästert.
Vereine haben sich durch den WFV über den Tisch ziehen lassen
"Diese Reform lehne ich kategorisch ab", betont der 76-Jährige mit Nachdruck und fügt verärgert an: "Bei der Planung dafür haben einige Leute ihr Hirn ausgeschaltet." Joachim Rapp war als Delegierter des Fußballbezirks Unterland beim entscheidenden außerordentlichen WFV-Verbandstag dabei und hatte dagegen gestimmt. "Da haben sich die Vereine regelrecht über den Tisch ziehen lassen", sagt Rapp, und Scholl ergänzt: "Viele Funktionäre wissen ja jetzt noch nicht, was das alles für ihren Verein bedeutet."

Es folgt der Themenwechsel zur Bundesliga. "Hoffenheim steigt wohl ab", befürchtet Reinert. "Da passt irgendetwas nicht. Die haben gute Spieler, aber die Mannschaft bekommt es nicht mehr auf den Platz."
Felix Magath als der richtige Trainer für Hoffenheim
Die TSG Hoffenheim benötigt einen Trainer mit einer positiven "Drecksau-Mentalität", so der allgemeine Tenor. "Felix Magath wäre da vielleicht der richtige Mann", spekuliert Bernd Hillius. "Hertha und Schalke steigen direkt ab, und der VfB geht in die Relegation", sagt Brauch, richtet sich dabei aber eher an seinen Sympathie-Werten aus und hofft für Hoffenheim auf einen Verbleib in Liga eins. "Dazu braucht die TSG aber andere Tugenden - die spielen zu brav."
Entspannt zeigt sich die Bayern-Fan-Fraktion Scholl, Brauch und Uli Friedenauer in der Titelfrage. "Meister und Pokalsieger sollten sie werden, und in der Champions League erreichen sie das Finale", ist Scholl aber etwas skeptisch, ob es zum nächsten Bayern-Triple reicht. Dass Bundestrainer Hansi Flick für die anstehenden Länderspiele auf Thomas Müller verzichtet, kann Friedenauer nachvollziehen: "Seine beste Zeit ist vorbei, zumindest was die Nationalmannschaft betrifft." Brauch ist dagegen überzeugt, dass Müller "bei der EM im nächsten Jahr wieder dabei ist".
Im Fußball fehlt die klare Linie bei der Regelauslegung
Was in der Regelauslegung beim Handspiel und in Sachen Video-Assistent vor sich geht, kann Hillius - der etliche Jahre als Schiedsrichter unterwegs war -, "nicht mehr nachvollziehen. Da gibt es keine klare Linie, die der Fußball-Fan nachvollziehen kann."
Erstmals beim Trainerstammtisch dabei ist Klaus Albrecht. Der 60-Jährige hat wegen einer Arthrose im Sprunggelenk seine Karriere als Schiedsrichter beendet, ist kürzlich aber bei seinem Verein TSV Talheim eingesprungen und hat - da an Sonntagen Begegnungen der B-Ligen wegen des Schiedsrichtermangels seit dieser Saison nicht mehr mit offiziellen Unparteiischen besetzt werden - das Spiel der Talheimer Zweiten gegen Schozach geleitet.
"Ich glaube, für meinen Körper ist es besser, wenn ich daqs künftig sein lasse. Die Nachwehen am Montag waren groß", sagt Albrecht, der künftig vielleicht öfters den Trainerstammtisch besucht um mitzureden,denn die Themen gehen nicht aus.
Die Achter-Runde im März
Beim Trainer-Stammtisch im März beteiligten sich acht Personen.
Andreas Scholl (59 Jahre): Von 1979 bis 1989 Spieler beim VfR Heilbronn. Trainer beim TSV Untergruppenbach, TG Heilbronn, VfL Eberstadt, TSV Weinsberg, SC Ilsfeld, TSV Talheim, Spfr Lauffen II.
Michael Brauch (58): Spieler bei Spfr Lauffen, Spvgg Frankenbach, Heilbronner Spvgg. Trainer: SV Massenbachhausen, SC Ilsfeld, TSV Erlenbach, TV Flein, TSV Cleebronn, TSV Kleingartach.
Uli Friedenauer (53): Spieler bei der TG Heilbronn, ESV Heilbronn, TV Flein. Trainer: TG Heilbronn (Jugend), TSG Heilbronn. Ex-Bezirksliga-Staffelleiter.
Joachim Rapp (84): Heimatverein TSV Pfaffenhofen, 30 Jahre lang Staffelleiter im Fußballbezirk Unterland.
Klaus Albrecht (60): TSV Talheim, seit 45 Jahren Schiedsrichter.
Werner Müller (76): Heimatverein TSV Michelbach, Ex-Mitarbeiter (für 39 Jahre) beim Sportgericht Unterland. Bernd Hillius (71): Schiedsrichter, Heimatverein TSV Güglingen, Gründungsmitglied SV Frauenzimmern, Co-Trainer VfL Brackenheim, Cheftrainer TSV Neuenstein, SG Stetten-Kleingartach.
Armin Reinert (61): Aktuell Jugend-Koordinator Spfr Lauffen, Referent für Bildung und Qualifizierung im Fußballbezirk Unterland. Trainer: FV Wüstenrot, SB Aschberg, TSV Niederhofen, Spvgg Frankenbach, Funktionär FC Union Heilbronn sowie Trainer 2. Mannschaft, TSV Löwenstein, TGV Beilstein.

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