Gute Quote im Blumenviertel: Bei der Paketzustellung wird wenig dem Zufall überlassen
Zügig, aber ohne Hektik: Unterwegs mit Paket-Zustellerin Mareike Munz in Gaisbach. Rund um den DHL-Zustellstützpunkt im Künzelsauer Stadtteil ist bereits am Morgen viel Betrieb.

Rosenstraße, Nelkenstraße, Astern- und Veilchenweg - es ist für Mareike Munz an diesem Mittwoch im November ein wenig so, als wäre sie wieder zurück in ihrem "alten Leben". Die Heilbronnerin ist normalerweise Standort-Leiterin des DHL-Zustellstützpunktes (ZSP) in Gaisbach, ist an dem kühlen, aber wenigstens trockenen Vormittag jedoch für einen erkrankten Zusteller-Kollegen eingesprungen und arbeitet sich nun mit ihrem vollbeladenen gelben Mercedes eVito von Tür zu Tür durch das Wohngebiet im Künzelsauer Süden.
Bis vor zehn Jahren war Munz als gelernte Floristin in ihrem "alten Leben" noch im Blumenkunst-Handwerk tätig. Doch als das Blumenfachgeschäft, in dem sie arbeitete, schließen musste, folgte sie ihrer familiären Vorprägung durch Tante und Onkel und fand bei der Deutschen Post, die seit Sommer dieses Jahres als DHL Group firmiert, eine neue Aufgabe. Daher geht es nun mit Päckchen, Paketen, Brief- und Wurfsendungen durch Gaisbachs "Blumenviertel".
Vier Städte bekommen ihre Post aus Gaisbach
Rund 90 Pakete und über 400 Briefsendungen gelte es an diesem Tag in dem relativ kleinen Bezirk zuzustellen. Nur etwa zehn der 90 Pakete wird sie wieder mitnehmen müssen, schätzt Munz. "Das hängt immer vom Gebiet ab, in dem man zustellt. In einem Wohngebiet, in dem mehr ältere Menschen leben, ist tendenziell am Vormittag auch häufiger jemand anzutreffen."
Jede Tour nimmt morgens gegen 7.30 Uhr ihren Anfang am ZSP an der Waldenburger Straße in Gaisbach. 23 Zusteller scannen dort die bereits vorsortierten, auszuliefernden Pakete und Sendungen ein und machen sich auf den Weg nach Künzelsau, Mulfingen, Ingelfingen oder Niedernhall - alle vier Städte werden von Gaisbach aus bedient. Die Fahrtrouten sind dabei immer gleich, egal, an welchen Adressen die Zusteller letztlich anhalten müssen, um etwas einzuwerfen oder zu klingeln. Einmal jährlich, erzählt Munz, würden die Fahrtwege aber analysiert und gegebenenfalls neu zugeschnitten. "Das ist zum einen abhängig von den Sendungsmengen und zum anderen von den zu fahrenden Kilometern."
Paket-Scanner als Allzweckwaffe
An diesem Mittwoch ist sie im Gaisbacher Norden vorwiegend in Wohngebieten mit vielen Einfamilienhäusern unterwegs. Munz" wichtigster Begleiter ist der Scanner, mit dem sie die Sendungen beim Einladen in das Zustellfahrzeug "eincheckt" und später bei der Zustellung wieder "auscheckt". "Der Scanner ist gleichzeitig ein Navigationsgerät, das die effizienteste Zustellreihenfolge vorschlägt", erklärt Munz.
Auch individuelle Hinweise ließen sich dort für die Empfänger-Adresse hinterlegen. Rutschige Gehwegplatten, Stolperfallen in Vorgärten, bissige Hunde - vor all dem warnt, falls nötig, der Scanner. "Das ist immer dann wichtig, wenn ein neuer Kollege einen Bezirk übernimmt oder es Krankheits- oder Urlaubsvertretungen gibt", sagt Mareike Munz. Und: Sollte das Gerät nach sechs Stunden im Einsatz nicht mindestens eine halbe Stunde ungenutzt geblieben sein, ruht es automatisch - Pausenzeiten müssen schließlich eingehalten werden.
"Cyber Week" läutet den alljährlichen "Starkverkehr" ein
Weil der gelbe Kleintransporter aber noch gut gefüllt ist, geht es ohne Pause und mit zügigem Schritt, aber ohne Hektik, voran. Es sind die letzten normalen Zustelltage, bevor das nahende Weihnachtsfest beim Logistikkonzern für den alljährlichen "Starkverkehr" sorgt. Mit Beginn der von vielen Online-Geschäften beworbenen "Cyber Week" nimmt ab Ende November das Paketaufkommen spürbar zu und hält sich bis Mitte Januar, wenn Gutscheine eingelöst und unpassende Geschenke wieder zurückgeschickt worden sind. Mit bundesweit bis zu elf Millionen Sendungen rechnet DHL in diesen Wochen an Spitzentagen.
"Aktuell ist aber noch viel Post von den Gemeinden dabei", sagt Mareike Munz, "Müll, Wasser-Nachzahlungen oder Abrechnungen von Firmen, die zum Jahresende ihre Buchhaltung gemacht haben, zum Beispiel". Vereine würden zudem zu Weihnachtsfeiern einladen oder Firmen vor dem Jahreswechsel ihre Kataloge für 2024 versenden. All das stellt die Heilbronnerin für die Deutsche Post und DHL Paket zu.
Montagsmythos hält sich standhaft
Entgegen einer weitverbreiteten Annahme sind Zusteller wie Mareike Munz auch montags unterwegs. Dass es für Privatkunden zu Wochenbeginn weniger oder gar keine Post gebe, liege vor allem an fehlenden Sendungen der Geschäftskunden. "Bei denen wird am Freitagnachmittag und am Samstag nicht gearbeitet", sagt Munz. Dementsprechend werden auch keine Briefe aufgegeben, die montags zugestellt werden müssten.
Nach dem aktuellen Postgesetz müssen 80 Prozent der Sendungen am ersten Tag zugestellt werden. Weil das Brief- und Paketaufkommen montags geringer ist, decken Munz und ihre Kollegen in der Region an diesem Wochentag jeweils zwei Bezirke ab.

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