Nachts im Felsenkeller: Führung unter dem Schloss Horneck in Gundelsheim
85 Stufen führen hinab in den dunklen Felsenkeller. Das Gemäuer unter dem Schloss Horneck diente den Gundelsheimern schon zu vielen Zwecken, besonders aber im Zweiten Weltkrieg.
Es ist dunkel. Stockdunkel sogar. Wie aus dem Nichts ertönt aus der Schwärze plötzlich eine Sirene in ohrenbetäubender Lautstärke. Explosionsgeräusche erschüttern das Gemäuer, als würden draußen Fliegerbomben niedergehen. Die Luft in dem kalten Keller scheint plötzlich zum Schneiden dick. Ein Kriegskommandant gibt klare Anweisungen, es herrscht Tumult.
Dann dreht Klaus Liebler die Lautsprecherboxen aus. Der „Angriff“ der US-Amerikaner ist so schnell vorbei, wie er begonnen hatte. Im Felsenkeller vom Schloss Horneck in Gundelsheim kehrt wieder Ruhe ein. Doch die Erinnerung an die dunklen Kriegsnächte bleiben und hallen in dem 250 Meter langen, unterirdischen Gemäuer wider.
Führung durch den Felsenkeller: Erinnerung an Kriegserlebnisse in Gundelsheim
Dafür sorgt auch Klaus Lieber. „Im Zweiten Weltkrieg wurde der Felsenkeller als Luftschutzbunker für die Bevölkerung genutzt“, erklärt der Rentner, der regelmäßig Erlebnisführungen durch das Gemäuer anbietet. „Es ist wichtig, sich daran zu erinnern […] Auch um die schrecklichen Ereignisse nicht zu vergessen – besonders heute, wo zum Beispiel in der Ukraine wieder Krieg herrscht“.

Besonders gerne bietet der über 70-Jährige deshalb Schulkassen den Rundgang an. Ihm sei es wichtig, dass gerade junge Menschen verstehen, wie sich die Menschen in Gundelsheim vor etwa 80 Jahren gefühlt haben mussten.
Erst Bierlager, dann Luftschutzbunker: Felsenkeller in Gundelsheim diente schon vielen Zwecken
Die gesamte Gemeinde hatte im Zweiten Weltkrieg immer wieder Zuflucht in dem dunklen Tunnel gesucht. Doch der Keller wurde nicht immer als Luftschutzbunker genutzt. Ursprünglich war er vom damaligen Burgherren Eberhard Sandel zwischen 1834 und 1841 erbaut worden – als Lagerstätte für Bierfässer.
Zuflucht im Zweiten Weltkrieg: Menschen aus Gundelsheim fanden Schutz im Keller
Doch als die Kriegsflieger über der Region kreisten, verschanzten sich Männer und Frauen, Junge und Alte unter den dicken Mauern von Schloss Horneck. In einem provisorischen Lazarett wurden sogar Verletzte behandelt. Einmal habe ein Arzt einem Soldaten ein Bein amputiert. Ein junges Mädchen hätte einfach dabei zu gesehen, erklärt Liebler. Mit der Zeitzeugin habe er später selbst noch sprechen können, genau wie mit vielen anderen auch.

In den vielen Jahren nach dem Krieg hatten die Schlossbesitzer den Felsenkeller fast ausschließlich als Rumpelkammer genutzt. In Eigenregie – und mit vielen ehrenamtlichen Helfern – hatte Liebler den Gang wieder freigelegt. Seit 2005 bietet er die Führungen an. Dazu gebracht hatte ihn auch ein Erlebnis mit zwei jugendlichen Mädchen, die auf dem Handy Kriegsspiele spielten und sich über blutige, rollende Köpfe freuten.
Fasziniert von der Kriegsgeschichte und dem Leben der Menschen war Klaus Liebler eigentlich schon immer. Und auch von „seinem“ Felsenkeller. Als Kind stellte er seinen Mut zusammen mit Freunden auf die Probe. Wer es am weitesten in den Keller hinein schaffte, hatte gewonnen. Etwa fünf Meter vor der Mauer am Ende des Tunnels drehte er jedoch in der Regel wieder um. Als besonders gruselig und aufregend empfand er diesen Nervenkitzel jedoch gerade nachts – wenn es sowohl innen als auch außen stockdunkel war.
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