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Bäckerei Keppler: Die Traditionsbewahrer von Kleingartach

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In der Bäckerei Keppler in Kleingartach kann man alles kaufen, was man für den Alltag braucht. Im angegliederten Sonnencafé kann man einen echten Wiener Kaffee genießen, dessen Röstung auf das Kleingartacher Wasser abgestimmt ist. Qualitätsbewusstsein und Handwerk treffen hier aufeinander: Die Kepplers sind Traditionsbewahrer.

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Ein Kommen und Gehen herrscht morgens um 10 Uhr in der Bäckerei Keppler in Kleingartach (von links): Jan Keppler, Madeleine Groß, Doris Oechsner, Barbara Keppler, Andreas Oechsner und Dieter Keppler.
Ein Kommen und Gehen herrscht morgens um 10 Uhr in der Bäckerei Keppler in Kleingartach (von links): Jan Keppler, Madeleine Groß, Doris Oechsner, Barbara Keppler, Andreas Oechsner und Dieter Keppler.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Der Januar ist immer etwas ruhiger“, sagt Barbara Keppler lachend und meint, die Leute achteten am Jahresanfang mehr auf ihr Gewicht als im Dezember. Vielleicht sind deshalb im Sonnencafé im Eppinger Ortsteil Kleingartach an diesem Werktag nicht alle Tische besetzt. Das Café ist eine Herzensangelegenheit der Seniorchefin.

„Als wir 2006 aufgemacht haben, waren wir die Ersten im ländlichen Raum, die so was hatten“, sagt Barbara und Dieter Kepplers Sohn Jan, der wie seine Geschwister Thomas Keppler und Madeleine Groß im Betrieb mitarbeitet.

„Ich hätte nie gedacht, dass alle drei in denBetrieb mit einsteigen.“Barbara Keppler,Kleingartach

Wiener Kaffee in einem Eppinger Ortsteil? Das gibt’s nur im Sonnencafé

Kaffee, der in Wien extra auf das Kleingartacher Wasser abgestimmt geröstet wird, wird hier seit Jahren erfolgreich ausgeschenkt. Die Idee dazu hatte Barbara Keppler aus New York mitgebracht. Die Seniorchefin lässt sich gerne inspirieren. Sie führte auch die Snacks ein: „Heute verkaufen wir 300 bis 400 Stück am Tag“, sagt Seniorchef Dieter Keppler.

In der Bäckerei und in dem kleinen, angegliederten Lebensmittelmarkt herrscht derweil ein Kommen und Gehen. Brot, Brötchen, Brezeln und feinste Konditoreiware, frisches Gemüse, Milchprodukte, Grillsaucen, Zeitschriften oder Toilettenpapier: Hier gibt es alles für den täglichen Bedarf. Und wer die jüngsten Neuigkeiten am Ort noch nicht kennt, erhält diese als Zugabe noch obendrein.

Im Herzen des Eppinger Teilorts Kleingartach: Die Bäckerei Keppler mit ihrem Sonnen-Café sorgt für Leben in der Ortsmitte.
Im Herzen des Eppinger Teilorts Kleingartach: Die Bäckerei Keppler mit ihrem Sonnen-Café sorgt für Leben in der Ortsmitte.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Kleingartacher Bäckerei Keppler war mit seinem Café in einer Vorreiterrolle

In der Backstube werden gerade letzte Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen. Zwischen Tuchfalten liegen Baguettes, die noch ein paar Stunden reifen dürfen, bevor sie gebacken werden. Berliner warten noch handtellergroß in der Kühlung auf ihren Einsatz im heißen Fett. Eine lange Teigführung und beste Zutaten, keine Zusatzstoffe und das Bekenntnis zum traditionellen Handwerk: So wird bei der Bäckerei Keppler mit Hilfe von 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gearbeitet.

Auch in der Konditorei herrscht seit 2.15 Uhr Betrieb. Süßstückchen, Torten, Kuchen und Berliner sind um 5 Uhr schon mit den ersten Lieferungen in die Filialen und Verkaufsstellen rausgegangen. Jetzt um 10.30 Uhr werden nur noch Sachen gemacht, die länger halten.

Mitarbeiterin Emilija Ünal streicht gerade Biskuit, in Anisbrotformen gebacken, mit einer Johannisbeer-Himbeer-Marmelade ein und macht daraus Schokobananen.

Seniorchefin Barbara Keppler (rechts) im Verkauf mit Doris Oechsner, der Mutter von Ortsvorsteher Andreas Oechsner. Die beiden verstehen sich bestens.
Seniorchefin Barbara Keppler (rechts) im Verkauf mit Doris Oechsner, der Mutter von Ortsvorsteher Andreas Oechsner. Die beiden verstehen sich bestens.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Alle drei Keppler-Kinder arbeiten heute in dem Kleingartacher Betrieb mit

„Es ist schön, mit den Eltern und den Brüdern zu schaffen“, sagt Madeleine Groß.  Jeder habe seine Stärken, „wir ergänzen uns gut“. Ist die Zeit reif, werden die Geschwister den Betrieb ganz übernehmen. Innovativ wie die Eltern sind auch sie: „Wenn einer eine Idee hat, bremse ich ihn nicht“, sagt der Seniorchef. Bäckermeister Jan Keppler gibt das Kompliment zurück: „Ihr ward immer vorne mit dabei“, sagt er. Sein Fassbrot, für das der Teig in einem alten Barriquefass reifen darf, ist der Renner: „Von den Verkaufszahlen her ist das unser bestes Brot“, sagt Dieter Keppler.

„Ich hätte nie gedacht, dass alle drei in den Betrieb mit einsteigen“, sagt Mutter Barbara stolz. „Wir sind Traditionsbewahrer“, meint Vater Dieter – und packt ein Opa-Gerhard-Brot ein, das nach dem Großvater und langjährigen Kleingartacher Ortsvorsteher benannt ist und wie dieser „Ecken und Kanten hat“.

Die Tür geht auf, und der Ortsvorsteher kommt rein.

Bäckermeister und Juniorchef Jan Keppler vor seinem neuen Ofen.
Bäckermeister und Juniorchef Jan Keppler vor seinem neuen Ofen.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Der Einkaufsladen der Bäckerei Keppler sorgt in Kleingartach für Leben

Andreas Oechsner und seine Frau kaufen unter der Woche gern Kartoffelbrot oder Schwabenkorn, erzählt er: „Am Wochenende gibt es Weckle. Das ist ein Ritual bei uns in der Familie. Am Samstag gibt es außerdem eine Weinstraßenseele.“

Sechs Filialen haben die Kepplers, doch das Herz des bodenständigen Unternehmens schlägt in Kleingartach. Für das Dorfleben sei das ein Segen, sagt Ortsvorsteher Oechsner. Mutter Doris steht seit vielen Jahren hinter der Ladentheke.

„Kleingartach ohne die Bäckerei Keppler wäre eine Katastrophe“, betont der Sohn: „Und zwar in allen Bereichen.“ So sei es beispielsweise das Verdienst von Dieter Keppler, dass 2009 die Metzgerei zurückgekommen sei und Kleingartach auch heute noch einen Hausarzt habe. Und dann sei da natürlich der soziale Aspekt: „Das hier ist ein Treffpunkt. Wer hierher kommt, erfährt Neues.“ Wer heiratet und wer gerade gestorben ist – „gerade für die Älteren am Ort ist das wichtig.“

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