Der Eppinger Bürgerbus ist ein vom Regierungspräsidium Stuttgart konzessionierter öffentlicher Linienverkehr und ergänzt in Eppingen den öffentlichen Personennahverkehr. Er fährt stündlich auf der Nordstadt- und der Südstadt-Linie einen Rundkurs mit über 50 Haltestellen. Momentan sucht der Verein wieder Fahrer. Wer 21 Jahre oder älter ist, mindestens zwei Jahre Fahrpraxis nachweisen kann und einen Führerschein der Klasse B hat, kann sich bewerben, wenn er noch dazu ein behördliches Führungszeugnis ohne Eintrag vorweisen kann. Die Kosten für die erforderliche Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung übernimmt der Verein.
Mit Emil um 14 Uhr durch die Eppinger Kernstadt
Seit fast fünf Jahren fährt der Bürgerbus durch Eppingen. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch. Damit das so bleibt, werden weitere Fahrer benötigt.

Öffentliche Verkehrsmittel, die pünktlich kommen? Sieht man dieser Tage nicht immer. Der Eppinger Bürgerbus hingegen schafft dieses Kunststück – zumindest an diesem eisigen Montagmittag. Genau um 13.50 Uhr biegt das Fahrzeug – liebevoll Emil 2 genannt – in die Haltebucht an Steig 1 des Busbahnhofs ein. Drei Fahrgäste transportiert Erik Ziebell gerade. Und auch Geschäftsführer Lothar Schlesinger steigt mit ein, um eine Runde zu fahren. Erst auf der Südstadt-Linie, dann geht es weiter durch die Nordstadt Eppingens.
Mit dem Eppinger Bürgerbus zum Wocheneinkauf
„Sie müssen sich anschnallen“, sagt Schlesinger und deutet auf den Gurt. Dann geht die Fahrt los. Routiniert steuert Erik Ziebell die verschiedenen Haltestellen an. Die wichtigsten: „Die Supermärkte“, weiß der Geschäftsführer des Vereins. Viele Gäste nehmen den Bus, um ihren Wocheneinkauf zu erledigen. Und genau dort steigen die drei Mitfahrenden dann auch aus.

Im Frühjahr 2020 hat der Verein, der ein Jahr zuvor gegründet wurde, seine aktive Arbeit aufgenommen. Im Oktober fuhr der 50.000. Gast mit. Lothar Schlesinger führt diese Treue vor allem auf das verlässliche Angebot zurück. Sechs Tage pro Woche fährt der Bus durch Eppingen, das „BürgerRufMobil“ verbindet außerdem die Kernstadt mit den Stadtteilen und diese auch untereinander. Der wichtigstes Unterschied: Emil 2 fährt nach Fahrplan, Emil 3 nur auf Bestellung, die mindestens einen Tag vorher bei der Mobilitätszentrale eingegangen sein muss. In ausgewiesenen 30er-Zonen und verkehrsberuhigten Bereichen gilt zudem das „Wink und Fahr“-Prinzip.
Stadt Eppingen steht hinter dem Bürgerbusverein
Erik Ziebell hingegen hält sich streng an seinen Fahrplan. Auf einem Tablet sieht er, ob er zu langsam oder zu schnell unterwegs ist. „Etwas später darf man kommen, aber nicht zu früh“, erklärt Lothar Schlesinger, der selbst ebenfalls mehrmals pro Woche hinter dem Steuer sitzt. Wie alle anderen 35 Fahrer hat auch er einen Personenbeförderungsschein, der fünf Jahre gültig ist.
Doch ohne Unterstützung könnte der Verein den Betrieb nicht in diesem Umfang aufrecht erhalten. Vom Land gibt es eine Pauschale pro Jahr. Diese 2000 Euro dürfen allerdings nur für Verwaltungskosten eingesetzt und nicht in den Bus investiert werden. Der größte Unterstützer ist allerdings die Eppinger Verwaltung. „Die Stadt hat von Anfang an mitgezogen, ein bedarfsgerechtes Fahrzeug zu kaufen“, sagt Schlesinger. Die Busse verfügen über einen sogenannten Niederflurbereich im Innenraum. Die Gäste können also ohne Probleme auch mit dem Rollator oder Kinderwagen einsteigen, ohne schwer heben zu müssen.
Alle Hochpunkte im Stadtgebiet sollen erreicht werden
Beim zweiten Stopp auf der Runde tut das allerdings niemand. Sieben Minuten steht Emil 2 planmäßig am Edeka. Die Zeit nutzt Erik Ziebell und vertritt sich kurz die Beine. Seit Sommer 2023 ist er mit an Bord – und hat laut eigener Aussage viel Spaß dabei. „Die Fahrgemeinschaft ist nett, das Arbeitsmaterial ist gut“, fasst er zusammen. Er habe Eppingen als sehr soziale Stadt kennengelernt und könne mit seinem Einsatz nun genau das auch weitergeben. „Die Zeit dafür findet man, wenn man möchte“, ergänzt er und fährt wieder los.

Auf der Nordstadtlinie geht es den Hügel hinauf. Spätestens hier wird klar, was Lothar Schlesinger meint, wenn er sagt, man wolle alle Hochpunkte in der Kernstadt erreichen. Im vergangenen Sommer wurde die Linienführung letztmals an die Bedürfnisse der Fahrgäste angepasst. Das passiert immer mal wieder, so auch mit dem Halt Friedhof. „Den hatten wir anfangs drin und haben ihn wieder gestrichen, weil er kaum frequentiert war“, erklärt der Geschäftsführer.
Eppinger über 80 Jahre bekommen ein Freifahrtkärtle zum Geburtstag
An der Haltestelle Gesundheitszentrum steigt schließlich wieder ein Fahrgast ein und zeigt das Deutschlandticket auf dem Smartphone vor. Weil der Bürgerbus in der Kernstadt zum ÖPNV gehört, ist das dort auch gültig. Ansonsten kostet die Fahrt einen Euro für Erwachsene. Senioren über 80 Jahre zahlen allerdings nichts, sondern bekommen zum Geburtstag ein Freifahrtkärtle. „Da war der OB sofort dabei“, erinnert sich Lothar Schlesinger.
Nach genau einer Stunde biegt Emil 2 wieder in die Haltebucht am Bahnhof ein – genau nach Fahrplan.

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