Diese Brackenheimer sorgen für ein gutes Klima: Zu Besuch beim Ziegel-Fertigteilwerk Neuschwander
Das Ziegel-Fertigteilwerk Neuschwander hat sich auf den Ausbau von Gewölbekellern für Weingüter, Gastronomien und Käsereien spezialisiert.

In der Ziegelei in Brackenheim werden schon seit zwei Jahrzehnten keine Steine mehr gebrannt. Auf dem Areal der Firma Neuschwander in der Neipperger Straße herrscht aber noch immer Hochbetrieb. Und der Baustoff, dessen Vorteile nicht erst die Römer zu schätzen wussten und durch ihre Bauten populär gemacht haben, spielt bis heute die Hauptrolle. Das Unternehmen, seit 1926 in Familienhand, hat sich in den 1970er Jahren auf die Fertigung von Ziegelgewölben in Fertigteiltechnik spezialisiert. Heute kümmern sich 17 Mitarbeiter um die Planung und den Ausbau von Gewölbekellern, um die Inneneinrichtung – und um so manch ausgefallenen Kundenwunsch.
"In Baden-Württemberg gab es Anfang der 1990er Jahre noch 65 Ziegelwerke, heute gibt es noch zwei. Obwohl der Baustoff zu Wendezeiten sehr gefragt war und millionenfach produziert wurde", sagt Stefanie Neuschwander. "Vor allem die energieintensive Produktion hat der Branche zugesetzt", ergänzt Ehemann und Firmeninhaber Jürgen Neuschwander. Den roten Stein bezieht das Unternehmen von zwei Ziegelwerken in Bayern.
Verbindung zum Weinbau
Zum Kundenkreis gehören traditionell Wein- und Obstbaubetriebe. Gewölbekeller bieten Wein, Karotte, Apfel und Co. beste Lagereigenschaften. Bereits die Firmengründer Paul und Hermann Neuschwander belieferten Wengerter in der größten Rotweingemeinde Deutschlands und der Umgebung mit Ziegelsteinen. "Der Weinkellerbau zieht sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte", sagt Stefanie Neuschwander. Ob Ahrtal, Kaiserstuhl, Pfalz oder Mallorca: Inzwischen sind die Neuschwander-Gewölbekeller im In- und Ausland gefragt und bieten ein ideales Klima für den Ausbau in Barrique-Fässern.
An einer riesigen Säge auf dem Außengelände steht ein Mitarbeiter und bringt Steine auf das passende Maß. In der Montagehalle sind drei weitere Kollegen damit beschäftigt, die Ziegel auf einer gewölbten Holzform anzuordnen und mit Stahl-Verstrebungen zu versehen. Die sind notwendig, um die Module später per Kran anheben und auf Lkw-Ladeflächen verladen zu können. Zuvor werden die Zwischenräume der Bögen mit Beton verfüllt. Beim Kunden können die Halbschalen mit einem maximalen Durchmesser von 9,50 Metern zu beliebig langen Tonnengewölben zusammengefügt werden. Der Bau der Fertigteile ist aber nur einer von vielen Produktionsschritten an diesem Morgen.
Bänke mit Sitzheizung
Vor rund 20 Jahren hat das Unternehmen auch die Planung und den Innenausbau von Gewölbekellern übernommen. "Vor Ort kümmern sich Montageteams, die aus zwei bis drei, bei größeren Projekten aus bis zu zehn Handwerkern bestehen, um die Umsetzung", erklärt Felix Neuschwander (31). Der gelernte Zimmermann und Bautechniker hat 2018 gemeinsam mit seinem Bruder Axel eine Schreinerei im elterlichen Betrieb aufgebaut und damit die Produktpalette erweitert. Seitdem bringt die vierte Generation frischen Wind in den Familienbetrieb.
In der Halle, wo einst die Ziegel zur Trocknung lagerten, ist Axel Neuschwander mit Holzarbeiten beschäftigt. Der gelernte Schreiner fertigt Sitzbänke und Regalböden mit integrierter LED-Beleuchtung. Der 29-Jährige legt bei der Materialauswahl besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit und Qualität. "Bei uns wird kein Pressspan verarbeitet, sondern ausschließlich Massivholz", betont er – bevorzugt aus Eiche. Auf Regionalität wird nicht nur bei den Rohstoffen, sondern auch bei der Auswahl der Geschäftspartner Wert gelegt. Der Haberschlachter Sattler Steffen Würtz hat die Bänke mit feinem Leder bezogen. Die Möbelstücke sind sogar mit einer Sitzheizung ausgestattet – schließlich herrschen im Keller niedrige Temperaturen.
Natur-Kühlschrank
Ein Ziegelgewölbe macht nicht nur optisch was her, sondern bietet gleichzeitig einige Vorteile. Einer davon: Eine konstant kühle Raumtemperatur, die permanent gewährleistet ist und nur minimalen Schwankungen unterliegt. Dazu bei trägt auch ein ausgeklügeltes Belüftungssystem. Dadurch wird ein kostspieliger Energieaufwand durch technische Hilfsmittel wie Klimaanlagen auf ein Minimum reduziert.
Ein weiterer positiver Effekt des langlebigen und nachhaltigen Baustoffs ist die gute Feuchtigkeitsabsorption. Die Steine, die ausschließlich aus gebranntem Lehm hergestellt werden, nehmen nicht nur Feuchtigkeit, Gerüche und Schadstoffe auf, sondern unterdrücken auch die Keim- und Schimmel-Bildung. Eigenschaften, die bei der Reifung von Käse von großer Bedeutung sind. So hat sich ein weiterer Kundenkreis erschlossen: Käseproduzenten, die Wert auf hohe Qualität legen, meist biologisch arbeiten und mitunter die Spitzengastronomie beliefern. Unter anderem reifen die Laibe der Hohenloher Dorfkäserei Geifertshofen in einem Neuschwander-Gewölbe.
Exklusive Kundenwünsche
Regelmäßige Aufträge kommen auch von Gastronomie- und Hotelbetrieben und privaten Bauherren, die sich Gasträume, Veranstaltungskeller, Wellnessoasen oder begehbare Wein-Kühlschränke anfertigen lassen. Dabei sind die Wünsche mitunter ausgefallen. Axel Neuschwander berichtet von einem Kunden, der sich eine Baumscheibe mit einem Durchmesser von 2,20 Meter und eingearbeiteten Weinreben als Tisch anfertigen ließ. "Der Weinliebhaber möchte es schön haben", weiß Stefanie Neuschwander. Perfekt in Szene gesetzt werden die Gewölbebögen, Regale und Möbel durch die passende Beleuchtung.
Exklusiv sind auch die Wünsche eines Reeders aus Hamburg, der die Umsetzung eines Gewölbekellers mit Gastraum sowie separaten und begehbaren Weiß- und Rotwein-Zonen in Auftrag gegeben hat. Architekt Peter Wölfle ist im ersten Stock des Verwaltungsgebäudes am PC mit der 3-D-Planung des Projekts beschäftigt. Wie detailgetreu geplant wird, verdeutlicht Felix Neuschwander anhand zweier Bilder. Zwischen der Visualisierung und einem fertig ausgebauten Keller ist kaum ein Unterschied zu erkennen. Dennoch ist ein Vor-Ort-Termin beim Bauherr unumgänglich. Vor allem bei Projekten, die in weiterer Entfernung realisiert werden, sei Detailplanung wichtig. "Das erspart uns Arbeit und es passieren weniger Fehler", sagt Wölfle. Vor Ort wird das Aufmaß genommen und der Kunde kann anhand der Musterproben die Materialen auswählen.
Fertig-Gewölbekeller
"Von der Planung bis zum Baubeginn können drei bis sechs Monate vergehen", sagt Stefanie Neuschwander. Der Ausbau gehe dann innerhalb weniger Tage vonstatten. Schließlich habe niemand gerne Arbeiten im Haus. Für Kunden, die nicht so lange warten möchten, haben die Brackenheimer ein zwei Meter breites und 2,50 Meter langes Ziegel-Tonnengewölbe entwickelt und dauerhaft vorrätig. Felix Neuschwander zeigt stolz den "Clou" – ein Verkaufsschlager des Betriebs. Er wird inklusive Fundament und Rückwand angeliefert und kann bei größerem Raumbedarf auch modular erweitert werden. Das Tonnengewölbe kann beispielsweise im Garten zur Hangabstützung oder zur Geländemodellierung verwendet werden. Ob Vorratsraum, Sauna, Wellnessoase, Partyraum oder Wohnraum – die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig.
Aber auch für den kleineren Geldbeutel hat die Firma Produkte im Portfolio: Regal-Bausätze aus Stein und Holz zum Selbstaufbau. Nicht nur im halbrunden Kellerraum eine runde Sache.
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