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Kopp Textilpflege in Untereisesheim wäscht säckeweise Wäsche

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Bei Kopp Textilpflege läuft vieles automatisch, vieles ist aber auch noch Handarbeit. Der Betrieb ist seit 2007 wieder in Familienbesitz – in fünfter und sechster Generation.

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Günter Ebers wuchtet routiniert Säcke mit Bettwäsche und Handtüchern auf das Förderband zur Waschmaschine.
Günter Ebers wuchtet routiniert Säcke mit Bettwäsche und Handtüchern auf das Förderband zur Waschmaschine.  Foto: Fritze, Heiko

Alles ist hier genau ausgeklügelt. Jeder Tag hat einen anderen farbigen Zettel. Jeder Kunde hat eine einheitliche Farbe für die Wäschesäcke. Jeder Mitarbeiter hat seinen festen Platz. Es wird gescannt, automatisch gefaltet und verpackt. Und doch ist vieles noch Handarbeit bei Kopp Textilpflege. Das Familienunternehmen wäscht Wäsche - in der sechsten Generation.

Spezialisiert auf Pflegeheime

Morgens um 8 herrscht bereits Hochbetrieb. Arbeitsbeginn ist schließlich um 7 Uhr, erläutert Geschäftsführerin Nicole Kopp, die das Unternehmen zusammen mit ihrem Vater Gerd Kopp leitet. Der Betrieb hat sich seit der Rückführung in Familienbesitz 2007 auf Pflegeheime spezialisiert: Wäsche der Bewohner, Arbeitskleidung, Bettzeug und Handtücher werden hier gereinigt. 20 Tonnen pro Tag, für 10 000 Heimbewohner und ihre Betreuer, aus ganz Baden-Württemberg.

Sortierung am Eingang

Die Nachthemden aus den Einrichtungen der Kunden werden bei Kopp Textilpflege getrennt bearbeitet. Dazu gibt es eine eigene Linie, die vom Waschen über Trocknen bis zum Zusammenlegen führt.
Fotos: Heiko Fritze
Die Nachthemden aus den Einrichtungen der Kunden werden bei Kopp Textilpflege getrennt bearbeitet. Dazu gibt es eine eigene Linie, die vom Waschen über Trocknen bis zum Zusammenlegen führt. Fotos: Heiko Fritze  Foto: Fritze, Heiko

Am Anfang des Durchlaufs steht Jessica Michel. Seit sechs Jahren ist sie in der Firma tätig, seit Dezember leitet sie den Wareneingang Bewohnerwäsche: Hier werden die Wäschesäcke angeliefert, geöffnet, registriert und sortiert - nach hell, dunkel, rot, Koch-, Woll- und Nachtwäsche. Es wird auch kontrolliert, ob Wäschestücke beschädigt sind oder ob die Besitzer-Etiketten vorhanden sind. Falls nicht, gibt es dafür ein Etikettiergerät, das Namen und Strichcode in den Stoff presst. Denn alles muss ja fehlerfrei am Ende wieder zurückgebracht werden. "Ich bin sehr dankbar und mir macht das super Spaß", sagt die Abteilungsleiterin. Und das, obwohl sie und ihr 20-köpfiges Team zwischen 25 000 und 30 000 Teile pro Tag bearbeiten.

Wie quergelegte Litfaßsäulen

Nach dem Sortieren folgt die Wäsche. Für jedes Heim wird eine andere Wäschesackfarbe verwendet - so viele verschiedene und in festgelegter Reihenfolge, dass eine Verwechslung ausgeschlossen ist. Die gigantischen Waschtrommeln, so groß wie quer gelegte Litfaßsäulen, sorgen dafür, dass alles sauber und geruchlos herauskommt. Denn dann beginnt der Rein-Bereich der 6000 Quadratmeter großen Halle: Wer hier eintritt, muss zunächst einmal seine Hände waschen.

Zusammenfalten geht hier ganz einfach

Hier zischt und dampft es: Gebügelt wird nicht auf Brettern, sondern mit einer Art Stehpuppe, über die das T-Shirt gezogen wird. Ramija Zejnulah ist eine der Beschäftigten, die anschließend für das Zusammenlegen zuständig sind. Und das geht ganz einfach: gebügeltes Shirt auf das Faltbrett an die Markierungen legen, dann rechts einklappen, links einklappen, oben einklappen, fertig. An die 6000 Shirts werden in dieser Abteilung wohl pro Schicht bearbeitet, schätzt sie. "Wir haben keine Stückzahl vorgegeben, aber es ist schon viel."

Ein Licht zeigt, wo die Wäsche hinmuss

Endkontrolle: Alle fertigen Kleidungsstücke haben einen Laufzettel mit dem Namen des Besitzers und der Einrichtung.
Endkontrolle: Alle fertigen Kleidungsstücke haben einen Laufzettel mit dem Namen des Besitzers und der Einrichtung.  Foto: Fritze, Heiko

Fertige Wäsche landet schließlich in der Abteilung, wo Bernadeta Lampka beschäftigt ist: In der sogenannten Auslesestation werden die Stücke gescannt, nochmals auf Schäden kontrolliert, gefaltet. Dann leuchtet ein Licht in dem 50 Fächer fassenden Regal hinter ihr auf: Dort muss das Wäschestück hinein, denn es gehört genau diesem Bewohner. So hat es der Computer eingeordnet, und so funktioniert es zuverlässig. Ist eine Einrichtung komplett bearbeitet, werden die Stapel durchgeschoben, nochmals die Namen abgeglichen und von weiteren Beschäftigten verpackt. Dann geht es in den Versand und zurück in die Pflegeheime.

Extra-Gebäude für Bettwäsche und Handtücher

Seit 2020 betreibt Kopp ein zweites Gebäude, 200 Meter vom Stammsitz entfernt. Hier werden Bettwäsche und Handtücher gereinigt. Die 35 Mitarbeiter in der 2500 Quadratmeter großen Halle bearbeiten etwa 35 000 Teile pro Tag. Günter Ebers ist einer der Mitarbeiter, die hier routiniert Sack für Sack in die Waschmaschinen-Fächer stapeln, bis das nötige Gewicht erreicht ist. "Der Rest geht dann automatisch", erzählt er und greift wieder zu. Sack um Sack, Tag für Tag. Damit die Wäsche aus den Pflegheimen wieder sauber wird.

Firmengeschichte

Die Firma Kopp Textilpflege geht zurück auf Christian Kühner, Ururgroßvater väterlicherseits des heutigen Geschäftsführers Gerd Kopp, der 1875 die Wäscherei kaufte. 1894 folgte der Namenswechsel in Kopp, als Friedrich Kopp die älteste Tochter von Christian Kühner heiratete und in den Betrieb einstieg. Es folgten in der Unternehmensleitung Carl Kopp und Herbert Kopp. Heute leiten Gerd Kopp und seine Tochter Nicole Kopp den Betrieb mit inzwischen 170 Mitarbeitern zusammen mit Geschäftsführer Ralph Buchholz. Regina Kopp ist Abteilungsleiterin Bewohnerwäsche. Seit 1960 konzentriert man sich auf Objektwäscherei statt Privatwäsche. Von 2000 bis 2006 war der Betrieb Teil einer Unternehmensgruppe - als diese den Standort schließen wollte, kaufte die Familie Kopp ihn zurück. Schwerpunkt ist heute Wäscherei für Pflegeheime - mit stetigem Umsatzwachstum.

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