In Kochendorf wird Gastfreundschaft ganz groß geschrieben
In Marijas Schlosspark-Café gibt es nachmittags mehr als leckeren Kuchen. Das wissen Stammgäste und Zufallsbesucher zu schätzen. Der Familienbetrieb wird mit viel Herzblut und Liebe zum Detail geführt.

Wer Marijas Schlosspark-Café betritt, gerät in einen Traum in Weiß und Pastelltönen. Egal zu welcher Uhrzeit. Die tief stehende Nachmittagssonne taucht die von Mara Ilic-Kinzel eigenhändig mit weißem Anstrich aufgepeppten alten Holzmöbel, die selbst gefertigte oder arrangierte Deko in ebenso hellen Farben sowie die Torten in der großen Glasvitrine und die bunten Macarons daneben noch mal in ein besonders romantisches Licht.
"Man sitzt ja echt wunderbar hier", sagt eine Kundin, die zum Zahlen an die Theke gekommen ist. Ab 17 Uhr genießen nicht mehr allzu viele Gäste die entspannte Atmosphäre in dem Lokal nahe des historischen Wasserschlosses Lehen. In einer Stunde schließt es. An einem Tisch sitzen die Zeplins vor großen Kaffeetassen, daneben je ein Stielglas mit Wasser. Nicht zufällig und doch zufällig sind sie da. Denn die beiden sind Stammgäste "seit dem ersten Tag". Doch: "Wir kommen ganz unterschiedlich", erzählt Gisela Zeplin, "zu Kaffee und Kuchen oder auch zum Frühstück."
Gigantisches Frühstück am Vormittag

"Gigantisch ist das hier am Vormittag", ergänzt Ehemann Harald, "besonders am Sonntag." Die beiden Ruheständler, er 73, sie 70 Jahre alt, kommen aber nicht nur regelmäßig von Hagenbach nach Kochendorf, weil es, so Harald Zeplin, in Bad Friedrichshall "nicht so viele Gelegenheiten gibt, wo man mal gemütlich Kaffee trinken kann." Gisela Zeplin lobt auch den Kaffee aus einer Stuttgarter Privatrösterei – "der ist hier besonders gut" – sowie die Wirtin: "Wir schätzen die Marija mit ihrer Art und ihrer Gastfreundschaft".
Von den dezenten Klavierklängen, der altrosa Tapete mit weißen Tupfen und der zauberhaften Stimmung hinter den großen Scheiben bekommen Katharina Weiß und Tobias Morgenstern nichts mit. Die Informatiker aus Nürnberg "haben was gesucht, wo wir draußen sitzen und arbeiten können." Sie sind zu einer Schulung im Ort, sitzen so lange es geht an aufgeklappten Laptops an einem Tisch auf der baumbestandenen Terrasse. Auch sie loben den Kaffee.
Alle Generationen schätzen Atmosphäre und Qualität

"Unsere Kundschaft ist ganz querbeet", hat Ilic-Kinzel beobachtet. Darunter seien auch "Mamis mit Baby" und "Jugendliche, die gerne Pancakes essen." Melanie Mörgenthaler, die seit acht Jahren als Servicekraft dabei ist – "ich mache alles" – freut sich besonders über "meine Omis". Die 49-Jährige ist die langjährigste Mitarbeiterin, auch wenn die Kochendorferin nicht zu den Festangestellten unter den zehn Kräften gehört. Seit acht Jahren gehört sie zum im Herbst 2014 eröffneten Familienbetrieb. Am liebsten bedient sie die ältereren Generationen, die sich zu Jahrgangstreffen einfinden oder den Kegelverein.
Mitarbeiterinnen schätzen die Abwechslung
Während Mörgenthaler Gäste abkassiert und Tische abräumt, reibt Cornelia Dierolf mit einem Geschirrtuch Kuchenteller trocken. Das ist nicht die eigentliche Aufgabe der 28-Jährigen: Seit Januar 2018 ist sie hier die Konditorin, gelernt hat sie ihr Handwerk bei Schell in Gundelsheim. Am schönsten findet sie in ihrem Beruf, "dass man Kunden so eine Freude machen kann, wenn man ihnen eine Torte überreicht." Was sie im Schlosspark-Café so mag, ist die Abwechslung. Hier muss sie nicht "wie in großen Betrieben immer nur Käsekuchen backen". Sie selbst isst lieber herzhaft als süß.
Die ganze Familie packt mit an
Wie alle Mitarbeiter macht sie hier "ein bisschen von allem", hilft dienstags und mittwochs auch im Service. "Meine beste Aushilfe", so Ilic-Kinzel, sitzt aber heute gemütlich am Tisch: Tochter Loana. Die 20-Jährige absolviert gerade ein duales Studium, hilft aber im elterlichen Betrieb, wo sie kann. So wie Ehemann Ivan. Er bringt Buchhaltungskenntnisse und Handwerkstalent ein. Dafür serviert ihm Mörgenthaler gleich seinen Lieblings-Käsekuchen mit Mandarine. Kurz vor Feierabend guckt auch Sohn Jean-Lou (23) vorbei. "Er hilft nur bei Veranstaltungen", so die Mutter.
Die jetzt entspannt – es ist Feierabend. Das Team setzt sich nochmal kurz zu einem Glas Sekt zusammen. Und da die Stammgäste noch da sind, dürfen sie auch mit anstoßen.
Die Gastronomin
Mara Ilic-Kinzel ist "schon seit 30 Jahren in der Gastronomie". Zur Restaurantfachfrau wurde sie im Wasserschloss Eichtersheim in Angelbachtal ausgebildet. Jahrelang betrieb sie das französische Restaurant La Pêche in Heilbronn, das sie nach der Geburt ihres zweiten Kindes aufgab. Mit dem Schlosspark-Café erfüllte sie sich einen Traum, denn "ich liebe es selbst, in Cafés zu frühstücken". Allerdings bekommt sie jetzt auch die Corona-Folgen zu spüren. So gibt es jetzt etwa keinen Mittagstisch mehr in dem Familienbetrieb und Ilic-Kinzel versucht, "mit den Öffnungszeiten zu jonglieren". Am liebsten ist ihr, wenn Leute vorbestellen oder geschlossene Gesellschaften kommen. Für die bietet sie auch gerne Besonderheiten, wie etwa eine "English Tea time", an. Nebenher läuft auch ihr Online-Shop unter www.schlosspark-cafe.de.

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