Alte Kulturlandschaft, neue Ideen: Das Zabergäu
Das Zabergäu ist nicht nur landschaftlich reizvoll: Muntere Kleinkunstbühnen und historische Stätten mit wechselvoller Geschichte beleben eine der ältesten Siedlungsgebiete Südwestdeutschlands.

Mild und lieblich ist das Kleinklima im Zabergäu aufgrund seiner geschützten Lage, was der Region den schmeichelnden Beinamen Schwäbisch Toskana beschert hat. Tatsächlich zählt das Zabergäu zu den ältesten Siedlungsgebieten und somit ältesten Kulturlandschaften Südwestdeutschlands.

Nun kann die Kultur zwischen Zaberfeld und Brackenheim mit Städten wie Florenz und Siena nicht konkurrieren, hat aber einiges zu bieten. Eine bemerkenswert engagierte Kleinkunstbühne steht in Brackenheim: Das Kulturforum als Betreiber der Kulturbühne Kapelle im Schloss organisiert im Jahr bis zu 20 Veranstaltungen: Musik, Club-Konzerte, Kabarett, Comedy, Theater, Kleinkunst sowie Veranstaltungen für Kinder.
Künstler lieben die Kapelle im Schloss in Brackenheim
Bevor eine wie Sissi Perlinger die vermeintlich großen Bühnen eroberte oder ein Georg Ringsgwandl, traten sie in den 90ern als Geheimtipp in Brackenheim auf. So wie Jahre später Hazel Brugger, die wiederum wie andere Künstler die Kapelle im Schloss als Art Testbühne nutzt.
1991 hat sich der Verein Kulturforum Brackenheim gegründet, drei Jahre später geht der Wunsch nach einer eigenen Spielstätte in Erfüllung: 1994 eröffnet die Kleinkunstbühne Kapelle im Schloss Brackenheim, 2008 wird sie grundlegend saniert. Wenn die Kapazität mit 200 Sitzplätzen heute nicht ausreicht, zieht das Kulturforum mit seinen Events ins Bürgerzentrum der Stadt mit mehr als 600 Plätzen.

Alle zwei Jahre ein internationales Straßentheaterfestival
Im zweijährigen Wechselrhythmus zudem veranstaltet der Verein das internationale Straßentheaterfestival und das Bike & Show Fahrradtheater. Und organisiert das Festival Kultur-Spiegel-Zelt. Da Vereinsaktive der ersten Stunde in die Jahre kommen, stellen junge Mitglieder seit einigen Jahren flankierend die Programmreihe "artig" auf. Was nicht heißt, dass die "Alten" keinen Riecher mehr für Angesagtes und Bewährtes haben.
Mit dem Ratshöfle und der Herzogskelter, einem Baukomplex aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, verfügt die Stadt Güglingen über zwei Veranstaltungsforen für ihr städtisches Kulturprogramm: Musik, Kabarett, Theater und Literatur. Im Römermuseum am Marktplatz wird die Vergangenheit anschaulich. Auf drei Stockwerken erzählt die Dauerausstellung die römische Vergangenheit des Zabergäus und des Vicus von Güglingen. Zum Museum gehört eine archäologische Freilichtanlage.

Konzerte im ehemaligen Rittersaal
Burg oder Schloss? Beide Begriffe werden für Magenheim - selbst in amtlichen Eintragungen - verwendet. Der einstige Sitz der Herren von Magenheim, die im 12. und 13. Jahrhundert als vornehmste Familie im Zabergäu mit großem Einfluss galt, ist heute in Privatbesitz. Mit dem dreigeschossigen Bau, der nach wie vor das Bild prägt, wurde um 1210 begonnen. Seit einigen Jahren wird der ehemalige Rittersaal mit seinen gotischen Fenstern immer wieder für Konzerte öffentlich gemacht.
Den Michaelsberg, Wächter des Zabergäus und markanter Kegelberg mit der kleinen Michaelskirche und ihren romantischen und gotischen Bauelementen, erreicht man vom Parkplatz Katharinenplaisir. Der nahe Treffentrill liegende Gutshof Katharinenplaisir ist schon aufgrund so illustrer Gäste und Besitzer wie Juliane von Krüdener oder Carl Friedrich Goerdeler erwähnenswert.
Bönnigheim versteht sich als Museumsstädtchen
Am Rande des Zabergäus liegt Bönnigheim, das als Tor in den Landstrich gilt, strenggenommen aber nicht dazu gehört. Bönnigheim versteht sich als Museumsstädtchen. Wenngleich die Hauptattraktion, die Sammlung Zander für Naive Kunst und Art Brut, nach 24 Jahren das Graf Stadionsche Schloss 2020 verlassen hat.
Wo einst Sophie La Roche, Großmutter von Bettina und Clemens Brentano, den ersten von einer Frau in Deutschland geschriebenen Roman verfasste, soll nun ein Hotel einziehen. Kein Geringerer als Christoph Martin Wieland gab La Roches "Geschichte des Fräuleins von Sternheim" damals heraus, Dichter der Aufklärung und für kurze Zeit Verlobte von Sophie.
Ein ganz besonderes Apotheker-Laboratorium
Der Gemeinderat der Stadt hat sich gegen eine kulturelle Nutzung ausgesprochen. Immerhin wird das Museum Sophie La Roche neu konzipiert und ist ebenso ein Alleinstellungsmerkmal wie das Schnapsmuseum und das Apotheker-Laboratorium Museum Arzney-Küche.
Katharinenplaisir: Das Hofgut Katharinenplaisir am Fuße des Michaelsbergs bei Cleebronn, 1733 erbaut, ist nach der Ehefrau des ersten Besitzers benannt. 1809 wollte Juliane von Krüdener, Pietistin, Beraterin des russischen Zaren Alexander I. und Schriftstellerin, hier eine christliche Kolonie gründen. 1943 war der Hof kurz im Besitz von Carl Friedrich Goerdeler, konservativem Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.
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