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Weibertreustadt ist nicht die Alleinherrscherin

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Personal, Etat und Befugnisse: So funktioniert die Arbeit im Gemeindeverwaltungsverband "Raum Weinsberg".

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Der GVV "Raum Weinsberg" hat im Rathaus der Weibertreustadt seinen Sitz. Von hier aus werden die Aufgaben des Verwaltungsverbandes koordiniert.
Foto: Archiv/Berger
Der GVV "Raum Weinsberg" hat im Rathaus der Weibertreustadt seinen Sitz. Von hier aus werden die Aufgaben des Verwaltungsverbandes koordiniert. Foto: Archiv/Berger  Foto: Berger

Wer entscheidet, welche Aufgaben angepackt werden? Wer hat überhaupt etwas zu sagen im GVV "Raum Weinsberg" mit seinen Mitgliedern Eberstadt, Ellhofen, Lehrensteinsfeld und Weinsberg? Wofür wird Geld ausgegeben, und woher kommt es? Ein Überblick, wie der Gemeindeverwaltungsverband seine Arbeit macht.

Mit knapp 13 000 Einwohnern ist Weinsberg mit Abstand die größte der vier Verbandskommunen. Im Weinsberger Rathaus ist zudem der Sitz des GVV, und der Weinsberger Bürgermeister daher traditionell Chef des kommunalen Clubs. Aber das alleinige Sagen hat die Weibertreustadt deshalb nicht. Wenn ihre drei kleinen Schwestern Eberstadt (3120 Einwohner), Ellhofen (3750) und Lehrensteinsfeld (2600) einer Meinung sind und Weinsberg eine andere hat, kann die große Schwester nichts ausrichten.

Denn das entscheidende Gremium, die Verbandsversammlung, setzt sich so zusammen: Weinsberg entsendet zehn Stadträte plus Bürgermeister - macht elf Stimmen. Eberstadt und Ellhofen wird durch je drei Räte vertreten, Lehrensteinsfeld durch zwei. Zusammen mit den Stimmen der drei Bürgermeister sind es also ebenfalls elf Stimmen.

Es geht nur im Konsens

Es sei vor 50 Jahren klug gewesen, die Stadt nicht zur alleinigen Bestimmerin zu machen, sagt deren Bürgermeister und Chef des Verbandes, Stefan Thoma: "Man hat schon damals gespürt: Es geht nur im Konsens." Von Konsens konnte allerdings beim Spitzäcker-Streit nicht die Rede sein. Aber das ist eine andere Geschichte. Und außerdem über 20 Jahre her.

Stadt ist um Einklang bemüht

Stefan Thoma, damals wie seine drei Rathauschef-Kollegen noch nicht in Amt und Würden, betont: "Durch die Parität, dass also die große Kommune nicht die drei kleineren dominieren kann, gibt es eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit." Als Verbandschef muss Stefan Thoma natürlich so sprechen. Aber man hat den Eindruck: Der Satz ist nicht nur der Diplomatie wegen gesagt. Er stimmt. Das Klima ist derzeit gut. Dennoch dürfte jedem klar sein, dass Weinsberg als größte Kommune und GVV-Hausherrin oftmals Themen setzt und den Takt vorgibt. Aber sie tut es im Bemühen um Einklang.

Entscheidungsprozesse sind mitunter langwierig

Die Verbandsversammlung kommt zweimal im Jahr zusammen. Das macht Entscheidungsprozesse mitunter langwierig. Das Gremium stellt entscheidende Weichen, trifft wichtige Beschlüsse, zum Beispiel wenn es um den Flächennutzungsplan geht. Wichtige Themen werden meist auch in den Gemeinderäten der vier Kommunen diskutiert, bevor in der Verbandsversammlung abgestimmt wird. Sie werden zudem im Verwaltungsrat besprochen: Das sind die vier Bürgermeister, derzeit Stefan Thoma (Weinsberg), Stephan Franczak (Eberstadt), Wolfgang Rapp (Ellhofen) und Benjamin Krummhauer (Lehrensteinsfeld). Der Verwaltungsrat ist zuständig für alle Ausgaben, die sich zwischen 25 000 und 50 000 Euro bewegen. Beträge darunter sind Sache des Verbandschefs, bei Beträgen darüber entscheidet die GVV-Versammlung.

Etwa 100 Menschen arbeiten für den Verband: 50 sind es allein bei der Sozialstation, 50 weitere im Weinsberger Rathaus. Davon sind 20 zu 100 Prozent für den GVV tätig, der Rest anteilig. Beispiel Margit Frisch: Sie ist Abteilungsleiterin im Rathaus, führt aber auch die laufenden GVV-Geschäfte. Interessenskonflikte gebe es nicht, sagt Claus Ehmann, der die städtischen Finanzen und die des GVV verwaltet.

Etat von 3,6 Millionen Euro

Personalkosten sind auch die Hauptausgabe des GVV. Er hat einen eigenen Etat, und dieser hat 2022 ein Volumen von 3,6 Millionen Euro. Finanziert werden die Ausgaben vor allem über Umlagen. Je mehr Einwohner eine Kommune hat, desto mehr zahlt sie. Weinsberg bestreitet etwa 65 Prozent des Etats. Berücksichtigt wird auch, welcher Ort wie stark von den Dienstleistungen des Verbandes profitiert. Neben einer allgemeinen Umlage gibt es gesonderte Umlagen, zum Beispiel für den Vollzugsdienst, für die Grundschulförderklasse, für EDV und für Forstwirtschaft.


Daten und Fakten

Seit der Verband 1972 gestartet ist, hat die Verbandsversammlung mit den Bürgermeistern und mit Gemeinderäten aller vier Kommunen rund 130 Mal getagt. Dabei wurden über 1000 Tagesordnungspunkte behandelt. Mehrfach war der Verband auch Bauherr: zuerst 1976, als die Nachbarschaftshauptschule gebaut wurde, dann 1977 und 1993, als im Zuge der Erweiterungen des Weinsberger Rathauses Platz für den Verband geschaffen wurde, zudem 1995, als das zentrale Jugendhaus in Weinsberg entstand.

 

 
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