Das sind die Gesichter des Gemeindeverwaltungsverbands "Raum Weinsberg"
Der Gemeindeverwaltungsverband (GVV) ist keine staubtrockene Apparatur, sondern ein sehr lebendiges Gebilde, wie unsere Kurzporträts zeigen.

Von wegen. Wer denkt, der Gemeindeverwaltungsverband "Raum Weinsberg" sei nur ein abstraktes Konstrukt, eine staubtrockene Verwaltungsapparatur, die sich aus den Bürgermeistern seiner vier Mitglieder Weinsberg, Eberstadt, Ellhofen und Lehrensteinsfeld zusammensetzt, der irrt. Der GVV ist eine ziemlich aktive Angelegenheit, die in viele Lebensbereiche der rund 22.000 Menschen im Verbandsgebiet hineinwirkt - egal, ob es nun um Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche geht, oder darum, dass alte Menschen ambulant betreut werden, damit sie möglichst lange zu Hause wohnen bleiben können.
Etwa 100 Menschen arbeiten im Dienst des GVV, der seinen Sitz in Weinsberg hat. 50 Menschen sind es allein bei der Sozialstation des GVV. Im Weinsberger Rathaus tun 20 Leute nur für den Verband Dienst. Der Rest splittet seine Zeit in Arbeit für den GVV und für die Verwaltung der Stadt.
Wir stellen heute vier Mitarbeiter vor - vier von 100 Gesichtern hinter dem Gemeindeverwaltungsverband "Raum Weinsberg", einem lebhaften Gebilde mit sperrigem Namen.
Gert Egner, 59 Jahre, Kämmerei

Im Kopfrechnen ist er fitter als Otto Normalmensch. Und im Überschlagen von Beträgen ist er auch fix. "Das bringt die Berufserfahrung mit sich." Seit vielen Jahren ist Gert Egner als GVV-Kämmerer zuständig für die Finanzen von Ellhofen. Außerdem betreut er den Etat des Feuerwehrzweckverbandes Ellbachtal. Der Diplom-Verwaltungswirt erstellt Haushaltspläne und Rechnungsabschlüsse, für Ellhofen kalkuliert er außerdem die Wassergebühren. Weil das noch nicht genug Zahlen sind, ist der Eschenauer auch Abteilungsleiter im Steueramt. So hält er etwa Rücksprache mit seinem Team, wenn es bei Steuerzahlern Probleme mit Pfändungen gibt. Zudem vertritt Egner den Weinsberger Stadtkämmerer und Leiter der GVV-Kämmerei, Claus Ehmann.
Genervt ist Egner von immer mehr Vorgaben und Regularien, die seinen Job erschweren. Aber es gibt auch Erfreuliches: "Das Kreative beim Etat." Also im Falle Ellhofens zu schauen: Was kann der Ort anpacken? Was kann er sich leisten? Fließen womöglich Zuschüsse?
Isabel Steinert, 33 Jahre, Kinder- und Jugendreferat

"Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen", sagt Isabel Steinert. Gemeinsam mit ihrem dreiköpfigen Team verantwortet und vernetzt die Heilbronnerin die Kinder- und Jugendarbeit im GVV - also in den jeweiligen Orten und im zentralen GVV-Jugendhaus in Weinsberg. Die Leiterin des Kinder- und Jugendreferats ist verantwortlich für alle Projekte und Programme im Verbandsgebiet für junge Menschen zwischen sechs und 27 Jahren. Zu den Angeboten gehören unter anderem Ferienprogramme, Selbstverteidigungskurse, Kinderstadtplan oder Märchen-Olympiade. Wichtig ist auch die Absprache mit Kooperationspartnern, etwa den Sozialarbeitern an den Schulen oder den VHS-Außenstellen.
Isabel Steinert: "Mir gefällt an meinem Job, dass ich mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammenkomme." Ein Nachteil: "Unser Gebiet ist sehr weitläufig. Es ist nicht immer einfach, eine Idee in jeden Winkel des Gebiets zu tragen." Und was das Personal betrifft: "Es könnte durchaus mehr sein."
Torsten Clauß, 48 Jahre, Vollzugsdienst

Torsten Clauß gehört vermutlich nicht zu den beliebtesten Menschen im Verbandsgebiet. Das liegt an seinem Beruf, und damit kann der 48-Jährige leben. Als Teil des sechsköpfigen GVV-Vollzugsdienstes beackert der Eberstädter ein weites Feld: Er kontrolliert den ruhenden Verkehr, verteilt also Knöllchen an Falschparker, er passt auf, dass Privatleute ihre Räum- und Streupflicht erfüllen, dass sie den Bächen nicht unerlaubterweise Wasser entnehmen, er versucht, Menschen auf die Schliche zu kommen, die ihren Müll illegal entsorgt haben.
Die Arbeit der Vollzugsbediensteten, die laut Clauß Polizeibeamten gleichgestellt sind ("Wir sind nicht die Hilfssheriffs"), erstreckt sich auf viele Rechtsbereiche. Clauß muss wissen, was in der jeweiligen Polizeiverordnung der vier Kommunen steht, er muss sich auskennen in Gewerberecht oder im Naturschutzgesetz. Auch wenn der Ton - vor allem seit Corona - rauer sei als früher, macht Clauß doch vor allem der Umgang mit Menschen Freude. "Der größte Teil ist sehr freundlich."
Renate Lechner, 57 Jahre, Sozialstation

Etwa 180 Menschen betreuen die rund 50 Kräfte der Sozialstation "Raum Weinsberg - Miteinander-Füreinander" zurzeit ambulant. Zu manchen kommen sie mehrmals am Tag, helfen beim Aufstehen, Anziehen, Waschen, sie geben Medikamente oder packen im Haushalt an. Die Sozialstation ist der personalintensivste Bereich des GVV. Renate Lechner koordiniert die Einsätze ihres Teams, erstellt Dienstpläne und schaut, dass Qualitätsstandards eingehalten werden. Pro Jahr versorgt die Sozialstation etwa 300 Menschen - Klienten heißen sie - in den vier Verbandskommunen ambulant.
"Ich könnte mir nie vorstellen, an einer Maschine zu stehen", sagt Renate Lechner. Allerdings sei die Arbeit in ihrer Branche in diesen Zeiten kein reines Vergnügen: "Die Arbeit mit Masken, die Hygiene-Vorschriften, die Test-Pflicht... ." Dennoch: Ein Grund, ihren Job an den Nagel zu hängen, sind die Erschwernisse in der Pandemie für Renate Lechner nicht. "Es kommt ja viel zurück. Ich mache meine Arbeit wirklich gerne und mit Herz."

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