Vom Experiment zum Erfolgsmodell
Initiator Wolfgang Hess beendet nach 16 Jahren die Wissenschaftsreihe "Lauffen will es wissen".

Zu Beginn war es ein Experiment. Und Wolfgang Hess wusste nicht, ob es eine Zukunft haben würde. Dass sich die Reihe "Lauffen will es wissen" zu einem erfolgreichen Format entwickelt hat, hat vor allem mit seinem Ideengeber und Initiator zu tun. "Wenn in den ersten beiden Veranstaltungen nur je 50 Leute gekommen wären, hätte ich die Geschichte sofort beendet", sagt Wolfgang Hess. Stattdessen wurde sie zum Erfolgsmodell. Nun nach 16 Jahren mit über 50 Veranstaltungen und insgesamt rund 8500 Besuchern hat er sie beendet. Drei Mal im Jahr ein großes Thema, von namhaften Wissenschaftlern einem breiten Publikum verständlich erklärt mit einer abschließenden Moderationsrunde und unter Einbeziehung des Publikums: So hat der Wissenschaftsjournalist und langjährige Chefredakteur der Fachzeitschrift Bild der Wissenschaft dieses Format geprägt. Teil des Konzepts waren von Beginn an die Stadt Lauffen, die mit der Stadthalle den Ort zur Verfügung stellte sowie Unternehmer Heinz-Dieter Schunk als Förderer und Sponsor. "Sie brauchen eine zündende Idee und Durchhaltevermögen", stellt Hess klar. "Ich bin froh, dass man mir die Gelegenheit gegeben hat, diese Reihe auf die Beine zu stellen."
Urmenschen und Meeresbiologie
Die Themen reichten vom Klonen über den Urmenschen und Meeresbiologie bis zur Künstlichen Intelligenz und Krebsforschung. Oder wie Hess es formuliert: "Von Astronomie bis Zoologie war alles dabei." In der letzten Veranstaltung erklärte Astrophysik-Autor und Bild-der-Wissenschaft-Redakteur Rüdiger Vaas im Juli dem Publikum den Weg vom "Urknall in die Ewigkeit". Zu den Wissenschaftlern gehörten herausragende Persönlichkeiten wie der Physiker und Biologe Ernst Ulrich von Weizsäcker, Astronaut Ernst Messerschmid und Nobelpreisträger Klaus von Klitzing. "Die Reihe war auf den nationalen Fokus ausgerichtet", sagt der 70-jährige Hess.
Klimaforscher in Nöten
Die Wissenschaftler mussten sich laut Hess mit einer geringen Aufwandsentschädigung begnügen, statt eines üppigen Honorars: "Ein Nobelpreisträger kann 20000 Euro für einen Vortrag verlangen." Chefredakteur Hess konnte ihnen zumindest ein größeres Interview in der Fachzeitschrift sowie ein angenehmes Besuchsprogramm rund um den Aufenthalt in Lauffen bieten. "Ich habe mich immer sehr um die Wissenschaftler gekümmert." Klimaforscher Peter Lemke war noch guter Dinge, als er im März 2008 mit dem Zug anreiste, dann aber in Würzburg den Anschluss nach Lauffen verpasste. Eine zweistündige Verspätung hätte die Veranstaltung platzen lassen. Das wollte Hess nicht zulassen. "Ich habe mich ins Auto gesetzt und habe ihn selbst aus Würzburg abgeholt." Ein wichtiges Kriterium war für Wolfgang Hess, dass das Publikum in der Stadthalle - oft kamen zwischen 200 und 300 Menschen - am Thema interessiert war. Zu den Persönlichkeiten, die Wolfgang Hess besonders beeindruckten, gehört neben Ernst Ulrich von Weizsäcker der Leipziger Zoodirektor Jörg Junhold. Denn der promovierte Veterinärmediziner arbeitete zunächst als Marketing-Manager bei einer Tochterfirma des US-Konzerns Mars in einem völlig anderen Metier.
Nun ist Hess froh, dass er aus seiner Sicht den richtigen Zeitpunkt erwischt hat, um aufzuhören. Inzwischen habe er sich von der Wissenschafts-Szene entfernt. "An die jüngeren Wissenschaftler komme ich nicht mehr heran."

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