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Leintal ist Weintal: Über 100 Jahre Rebkultur

Mit Schluchtern liegt im Leintal das älteste Weindorf Württembergs. Aber auch sonst hat der Weinbau rund um Leingarten und Schwaigern Superlative zu bieten - bis hin zum Weinadel.

Kilian Krauth
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Lesezeit 5 Min

Heilbronn nennt sich älteste Weinstadt Württembergs und beruft sich auf den Lorscher Codex, wo anno 766 erstmals von Vineas, also Weinbergen, in Biberach, Neckargartach und Böckingen die Rede ist, in Dörfern, die erst im 20. Jahrhundert zu Stadtteilen wurden. Was oft unterschlagen wird: In derselben Urkunde ist von Weingärten in Schluchtern die Rede, womit sich der Ort locker ältestes Weindorf Württembergs nennen dürfte und Leingarten wie Heilbronn älteste Weinstadt, wobei Leingarten erst 1970 durch den Zusammenschluss von Schluchtern und Großgartach entstand. Auch ohne Titelambitionen steht fest: Im 27 Kilometer langen Leintal fließt nicht nur Wasser. Auch Wein spielt eine wichtige Rolle, zumal hier die Anbaugebiete Baden und Württemberg ineinander übergehen: in Eppingen, wo die Grenze durch die Stadtteile geht. Württemberg beginnt mit Kleingartach, ebenso das Leintal, wo über Niederhofen, Stetten, Schwaigern über Massenbachhausen bis Leingarten auf 513 Hektar Reben stehen, nur am Unterlauf in Frankenbach bis zur Mündung in den Neckar bei Neckargartach nicht mehr.

Heuchelberg im Herbst
Heuchelberg mit Heuchelberger Warte Leingarten im Herbst  Foto: Seidel, Ralf

Heilbronn nennt sich älteste Weinstadt Württembergs und beruft sich auf den Lorscher Codex, wo anno 766 erstmals von Vineas, also Weinbergen, in Biberach, Neckargartach und Böckingen die Rede ist, in Dörfern, die erst im 20. Jahrhundert zu Stadtteilen wurden. Was oft unterschlagen wird: In derselben Urkunde ist von Weingärten in Schluchtern die Rede, womit sich der Ort locker ältestes Weindorf Württembergs nennen dürfte und Leingarten wie Heilbronn älteste Weinstadt, wobei Leingarten erst 1970 durch den Zusammenschluss von Schluchtern und Großgartach entstand. Auch ohne Titelambitionen steht fest: Im 27 Kilometer langen Leintal fließt nicht nur Wasser. Auch Wein spielt eine wichtige Rolle, zumal hier die Anbaugebiete Baden und Württemberg ineinander übergehen: in Eppingen, wo die Grenze durch die Stadtteile geht. Württemberg beginnt mit Kleingartach, ebenso das Leintal, wo über Niederhofen, Stetten, Schwaigern über Massenbachhausen bis Leingarten auf 513 Hektar Reben stehen, nur am Unterlauf in Frankenbach bis zur Mündung in den Neckar bei Neckargartach nicht mehr.

Wahrzeichen Weithin sichtbares Wahrzeichen ist die Heuchelberger Warte, zu deren Füßen auf Wanderwegen oder im gleichnamigen Lokal nicht nur Ausflügler zugange sind, sondern jede Menge Wengerter. Die meisten liefern ihre Trauben bei den Heuchelberg Weingärtnern ab, die bis 2009 unter Heuchelbergkellerei firmierten. Den Grundstein legten 1925 elf Winzer in Schwaigern, die sich zusammenschlossen, um dem Handel Paroli zu bieten. An der Grundidee hat sich wenig geändert, wobei die Genossen mit allerhand innovativen Produkten, aber auch durch Tourismusangebote zeigen, dass sie auf Höhe der Zeit sind. Heute bewirtschaften 700 Mitglieder 650 Hektar, nicht zuletzt dank weitsichtiger Zusammenschlüsse mit Kleingartach (1968), Großgartach (1971), Stetten (1999) und Nordheim (2004), wo man mit dem Weinpalais eine eigene Linie pflegt.

Internationale Strahlkraft geht von den Grafen Neipperg mit Sitz in Schwaigern aus. Angeblich importierten sie im 18. Jahrhundert die ersten Lemberger-Setzlinge aus dem Habsburgerreich. Die Adelsfamilie hat mit der Legende gut zu leben gelernt, „belegen können wir das aber nicht“, lässt Patron Karl Eugen gerne durchblicken.

Weinführer schwärmen von der „aristokratischen Eleganz“ und von der hohen Rotweinkompetenz. Kein Zufall. Schließlich führt Stephan von Neipperg fünf Güter in Bordeaux, die Vater Joseph Hubert 1971 aus dem Erlös von Klingenberger Äckern an Land gezogen hatte. Die schon 1241 erwähnte Adelsfamilie ist in Europa gut vernetzt, Karl-Eugens Ehefrau Andrea ist die älteste Tochter Otto von Habsburgs und damit die Enkeltochter der letzten Kaiserin von Österreich, Zita.

Weinadel Mit dem „Weinadel“ hat man im Leintal zu leben gelernt, schließlich liefern neben der ehemaligen Deutschen Weinprinzessin Julia Böcklen Württembergs Ex-Rebenregentinnen Mirjam Kleinknecht und Claudia Rüber Trauben bei den Heuchelberg Weingärtnern ab. Bei Hirschs in Leingarten kann man gar mit zwei Württemberger „Exen“ aufwarten: Nina ist die Schwester und Juliane die Ehefrau von Christian Hirsch. Der 38-Jährige sorgt nach Lehrjahren in aller Welt mit gut strukturierten Roten in Führern, aber auch in DB-Restaurants und Hotelketten für Aufsehen.

Die Reihe aufstrebender Güter und Kellereien ist lang, oft übernehmen Jungwinzer das Ruder: etwa bei Weinreuters, die nach Öko-Richtlinien wirtschaften, ebenso wie die Kümmerles, die zudem Trauben von 20 Kollegen verarbeiten und über ihre Vinothek hinaus vermarkten.

Geheimtipps Spannend auch die Neumanns, die ihren landwirtschaftlichen Familienbetrieb zum Aufsteiger entwickelt haben, dessen Innovationsfreude schon mit einem Deutschen Rotweinpreis gekrönt wurde: für einen 2011er Trollinger. Jürgen Kachel hat jüngst mit seinen Piwi-Sorten bei einem internationalen Wettbewerb abgesahnt. Und das Trio Traubenwerkstatt – Markus Krull, Theo Doll, Ulrich Frank – freut sich, im neuen Eichelmann-Führer als „unsere Entdeckung des Jahres in Württemberg“ aufzutauchen. Nicht zu vergessen sind Namen wie Müller, Schweizer, Unser, Will +Würz und andere, die den Ruf des Leintals als Weintal stärken.

 

Wahrzeichen des Leintals

Weithin sichtbares Wahrzeichen ist die Heuchelberger Warte, zu deren Füßen auf Wanderwegen oder im gleichnamigen Lokal nicht nur Ausflügler zugange sind, sondern jede Menge Wengerter. Die meisten liefern ihre Trauben bei den Heuchelberg Weingärtnern ab, die bis 2009 unter Heuchelbergkellerei firmierten. Den Grundstein legten 1925 elf Winzer in Schwaigern, die sich zusammenschlossen, um dem Handel Paroli zu bieten. An der Grundidee hat sich wenig geändert, wobei die Genossen mit allerhand innovativen Produkten, aber auch durch Tourismusangebote zeigen, dass sie auf Höhe der Zeit sind. Heute bewirtschaften 700 Mitglieder 650 Hektar, nicht zuletzt dank weitsichtiger Zusammenschlüsse mit Kleingartach (1968), Großgartach (1971), Stetten (1999) und Nordheim (2004), wo man mit dem Weinpalais eine eigene Linie pflegt.

Internationale Strahlkraft geht von den Grafen Neipperg mit Sitz in Schwaigern aus. Angeblich importierten sie im 18. Jahrhundert die ersten Lemberger-Setzlinge aus dem Habsburgerreich. Die Adelsfamilie hat mit der Legende gut zu leben gelernt, „belegen können wir das aber nicht“, lässt Patron Karl Eugen gerne durchblicken.

Weinführer schwärmen von der „aristokratischen Eleganz“ und von der hohen Rotweinkompetenz. Kein Zufall. Schließlich führt Stephan von Neipperg fünf Güter in Bordeaux, die Vater Joseph Hubert 1971 aus dem Erlös von Klingenberger Äckern an Land gezogen hatte. Die schon 1241 erwähnte Adelsfamilie ist in Europa gut vernetzt, Karl-Eugens Ehefrau Andrea ist die älteste Tochter Otto von Habsburgs und damit die Enkeltochter der letzten Kaiserin von Österreich, Zita.

Jede Menge Weinadel

Mit dem „Weinadel“ hat man im Leintal zu leben gelernt, schließlich liefern neben der ehemaligen Deutschen Weinprinzessin Julia Böcklen Württembergs Ex-Rebenregentinnen Mirjam Kleinknecht und Claudia Rüber Trauben bei den Heuchelberg Weingärtnern ab. Bei Hirschs in Leingarten kann man gar mit zwei Württemberger „Exen“ aufwarten: Nina ist die Schwester und Juliane die Ehefrau von Christian Hirsch. Der 38-Jährige sorgt nach Lehrjahren in aller Welt mit gut strukturierten Roten in Führern, aber auch in DB-Restaurants und Hotelketten für Aufsehen.

Geheimtipps mit Jungwinzern

Die Reihe aufstrebender Güter und Kellereien ist lang, oft übernehmen Jungwinzer das Ruder: etwa bei Weinreuters, die nach Öko-Richtlinien wirtschaften, ebenso wie die Kümmerles, die zudem Trauben von 20 Kollegen verarbeiten und über ihre Vinothek hinaus vermarkten.

Spannend auch die Neumanns, die ihren landwirtschaftlichen Familienbetrieb zum Aufsteiger entwickelt haben, dessen Innovationsfreude schon mit einem Deutschen Rotweinpreis gekrönt wurde: für einen 2011er Trollinger. Jürgen Kachel hat jüngst mit seinen Piwi-Sorten bei einem internationalen Wettbewerb abgesahnt. Und das Trio Traubenwerkstatt – Markus Krull, Theo Doll, Ulrich Frank – freut sich, im neuen Eichelmann-Führer als „unsere Entdeckung des Jahres in Württemberg“ aufzutauchen. Nicht zu vergessen sind Namen wie Müller, Schweizer, Unser, Will +Würz und andere, die den Ruf des Leintals als Weintal stärken.

 

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